Eine fantastische Entdeckungsreise: Der Film "Insurgentes" stellt Ausnahmemusiker Steven Wilson vor
Daniel Thalheim
09.10.2010
Steven Wilson ließ sich von Lasse Hoile filmen und zeigt den Zuschauern, wie man iPods nachhaltig zerstört und wie man Musik richtig genießen soll.
Bild: KScope Records
Er schießt auf iPods, arbeitet mit Musikern wie den israelischen Superstar Aviv Geffen und den schwedischen Sänger Mikael Akerfeld von Opeth zusammen, lebt für die Musik. Die Dokumentation von Lasse Hoile zeigt, wie Steven Wilson, Sänger und Kopf der englischen Progressive Rockband Porcupine Tree tickt.
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Lasse Hoile: Insurgentes
Es geht um Musik, doch nicht als Konzertfilm, sondern als Dokumentation und Porträt, die einen englischen Musiker zeigen. Die Kamera folgt Steven Wilson in seine alte Schule. Hier unternahm der langhaarige und bebrillte Musiker seine ersten Gehversuche in der Musik. Er zeigt der Kamera mit welchen Geräten er vor zwanzig Jahren arbeitete und gibt unverhohlen zu, dass er das MP3-Zeitalter nicht mag und lieber Musik klingen lassen möchte.
Der Dokumentarfilmer Lasse Hoile zeigt einen Musiker, der mit Aviv Geffen mit dem gemeinsamen Projekt Blackfield vor jungen Leuten auf der Bühne steht, zusammen mit Mikael Akerfeld Alben kauft und mit ihm und Katatonia-Sänger Jonas Renkse beim Kaffee Schallplatten betrachtet und über Heavy Metal-Klischees und Angela Gossow, blonde Brüllmaschine der britischen Metalband Arch Enemy lacht.
Covergestaltung von "Insurgentes" - so seit 27. September 2010 im Handel zu sehen.
Bild: KScope Records
Wilson liebt eher seltsame Stimmungen, während er sich alte Fotos anschaut und alte Orte aufsucht. Und immer wieder zermalmt, zertrümmert und verbrennt er iPods. Als ein deutliches Statement zur heutigen Downloadkultur, die Musik nur konsumiert und nicht mehr wirklich als Gesamtwerk mit der Optik von Covergestaltungen in Echtgröße einer Schallplatte zu genießen versteht.
Fans von Steven Wilson und seiner Musik sehen Archivbilder, wenn der Porcupine Tree-Sänger und Musikproduzent (u.a. Anathema) 1986 schwarzweiß in die Querflöte bläst, kurzhaarig und mit Brille.
Sie lernen Wilsons Papi kennen, erfahren wie sehr der Künstler für Musik und seine Stimmungen lebt. Langsam beginnt man dabei zu verstehen, warum der stets konzentrierte wirkende Mann am laufenden Band MP3-Player auf verschiedenste Weise zerstört. Die Kids würden seiner Meinung nach denken, Musik müsse sich so anhören, so komprimiert und unecht, wie ein auf ein Foto zusammen geknautschtes Gemälde. Das Original ist doch besser, oder nicht?
Der Sänger, der im vergangenen Jahr mit dem Porcupine Tree-Album "The Incident" ein Meisterwerk für Musikfreunde und Kritiker veröffentlichte, führt den Zuschauer immer tiefer in seine Gedankenwelt, zeigt wie er Musik erschafft und was er darunter versteht. Klingt ein wenig hochnäsig, ist es aber nicht. Musik versteht kein Künstler als billigen Datenmüll auf der Festplatte. Musik ist eine Kunstform, egal wie ernsthaft man sie betreibt.
Diese Geschichte, in der Steven Wilson den Zuschauer in Interviews, TV-Beiträgen und Mitschnitten immer näher in sein Gedankendickicht, in die Welt eines tiefsinnigen Musikers führt, wird durch Lasse Hoiles visuelle Veredelung auch zu einem optischen Genuss. Nur ein Grund mehr für den Freund ernsthaft gemachter Musik, fernab der glitzernden Plastik-Pop-Welt, den Weg zum nächsten Laden zu stiefeln, um sich "Insurgentes" zu holen. Denn auch die Verpackung ist edel aufgemacht, jede Menge Bonusmaterial wartet neben den Hauptfilm auf den Fan.
"Die Musikindustrie ist eine herzbrechende Angelegenheit", sagt Steven Wilson gegen Ende des Films. Und sticht nochmal gegen die Musikpresse, die Alben als "Ein Stück Scheiße" bezeichnet, die ganze Mühe dahinter nicht betrachtet, dass Musik Ausdruck von Herz und Seele eines Musikers ist. Mit seinen Alben wird wohl Wilson über solchen hart formulierten Meinungen stehen, wenn sie ihn überhaupt noch erreichen. Mit Porcupine Tree und seinen Solo-Projekten hat er sich längst eine eigene Qualitätswelt geschaffen.
Wer an dieser Stelle sagt: "Stopp! Insurgentes kenne ich woanders her, kommt mir schon bekannt vor!", hat den Weg zu "Insurgentes" bereits fast gefunden. Es ist auch der Titel von Steven Wilsons zweitem Solo-Album (VÖ. 2009) - der Kreis schließt sich. Wilsons Welt in Bildern und Tönen auf DVD zum Mitnehmen und Überdenken - eine überaus lohnende Anschaffung.
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