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Großer Preis Leipzig: Lihanabi gewinnen Jury- und Publikumspreis beim Band-Wettbewerb im Werk II + Bildergalerie

Daniel Thalheim & Michael Freitag
Lihanabi (3. v.l. bis 5. v.l.) sind Jurypreis- und Publikumspreisgewinner beim Großen Preis 2010 - Computer Says No wurden Zweiter (ganz links) und Elster Club Dritter (rechts).
Lihanabi (3. v.l. bis 5. v.l.) sind Jurypreis- und Publikumspreisgewinner beim Großen Preis 2010 - Computer Says No wurden Zweiter (ganz links) und Elster Club Dritter (rechts).
Foto: Daniel Thalheim
Strahlende Gesichter und ein Sternchenfeuer aus Donis' Requisite mussten genügen. Ein langer Abend, der bodenständig endete. Keine schönen Frauen, die Blumen und Champagner fliegen und spritzen lassen, keine Mitmach-Aktionen für's immer müder werdende Publikum und eine unprätentiöse Preisverleihung. Der "Große Preis 2010" ist seit gestern Geschichte - übrig bleiben Geschichten und Eindrücke von neuen Leipziger Bands.

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Mehr als fair ist es allemal, acht Bands je eine halbe Stunde spielen zu lassen - will man einen gerechten Ablauf, möglichst rasch hintereinander. Doch manchmal fliegt eben auch ein Verstärker durch oder die schüchterne Liedermacherin Eva Croissant spielt einfach Lied für Lied und überzieht ordentlich. Trotzdem schaffen es die Macher am gestrigen Abend relativ pünktlich, nach insgesamt acht Auftritten die Preisverleihung über die Bühne gehen zu lassen.

Ergebnis - die Kür der drei Gewinner-Bands an diesem Abend, eine davon sogar doppelt. Lihanabi aus Halle/Saale machten das Rennen beim Publikumspreis via Wahlentscheidung und auch innerhalb der 25-köpfigen Jury. Diese war durchaus illuster besetzt, Kompetenzballung für eine "richtige" Wahl war also mit unter anderem Talkmaster Ralf Donis, Veranstalter, Musiker und Konzertfotograf Stefan "Stewa" Waldeck, Veranstalterin Jane Sakel, Vertretern von LVZ, Bandcommunity Leipzig, Echolux Tonstudio, Mawi, Sputnik, Motor.de bis hin zur Musikerin Manja durchaus zu erwarten.

"Wer is'n das?": Ralf Donis versuchte vergeblich das Publikum mit Animationssprüchen aus dem Facebook wie "Gefällt mir!" aufzumuntern.
"Wer is'n das?": Ralf Donis versuchte vergeblich das Publikum mit Animationssprüchen aus dem Facebook wie "Gefällt mir!" aufzumuntern.
Foto: Daniel Thalheim
Es war schon vor der Verkündung des Publikumspreises abzusehen, dass es auch für die Jury auf dem Spitzenplatz eher poppig zugehen würde. Schließlich war vorher auch bei der Publikumswahl die Lihanabi-Urne rasch verstopft gewesen. Über die Hälfte der Stimmen im Saal heimsten sie so schlussendlich ein, gefolgt von Neo Kaliske, welche im Vorfeld bereits ordentlich eigene Fans mobilisiert hatten. Bei diesen beiden Acts waren Andrang und Applaus am größten, doch auch Liedermacherin Eva Croissant hatte in der Gunst des Publikums ebenfalls Chancen auf den "Großen Preis".

Die Auftritte von Lihanabi und Neo Kaliske verliefen dabei durchaus beeindruckend und eindringlich, doch wirkten die Beiträge von Computer Says No, Elster Club und Cox And The Riot authentischer - inklusive großer Rockstar-Posen ist hier alles dabei gewesen. Ganz klar, bei den zuletzt Genannten sind die richtigen Rampenluder am Start, Platz für Schmusen ist da nicht viel.

Die bei den extra lauten Eigenfans mitfavorisierten Neo Kaliske machten jedenfalls beim musikalischen Gerangel um Platz eins vieles richtig, inklusive offener Hosenlatz des Sängers gleichen Namens. Allerdings entpuppte sich Sänger Neo Kaliske wenig später als etwas übermotiviert und drohte hinter den Kulissen einem weiblichen Jurymitglied nach kurzem Wortwechsel verbal, gegebenenfalls auch beherzter gegen sie vor zu gehen.

Die klassische Geste des schlechten Verlierers war entstanden, weil er darauf hingewiesen worden war, dass es wohl nix wird mit dem Publikumspreis. Bei der Jury war seine Band zu dem Zeitpunkt auf den Notizzetteln auch nicht wirklich vorn zu finden. Als er sich wieder gefasst hatte, überreichte er später den Siegern Lihanabi ein Sternchenfeuer als Versöhnungsgeste.

Jazzpop mit Anspruch - bei Bobby & Claude wollte das Feuer nicht so recht auf's Publikum überspringen.
Jazzpop mit Anspruch - bei Bobby & Claude wollte das Feuer nicht so recht auf's Publikum überspringen.
Foto: Daniel Thalheim
Selbst wenn bei manchem die Enttäuschung im Gesicht stand, dass nicht Neo Kaliske einen Preis gewonnen haben, bleiben an diesem Abend einprägsame Auftritte der Konzert erprobten Rocker von Cox And The Riot, Computer Says No, Elster Club und Neo Kaliske im Gedächtnis haften. Kontrastierend zu den feurigen Auftritten der drei Rock-Acts waren die Gigs von radiN:ation, Eva Croissant und Bobby & Claude die Ruhepole an dem langen, manchmal etwas zähflüssigen Abend.

Talentierte Heavy-Metal- und Hardcore-Punk-Bands blieben der Veranstaltung jedoch ebenso fern, wie Vertreter aus den Bereichen Blues und waschechtem Elektro. Wo war denn Timescratch an diesem Abend? Oder Glissa? Vielleicht ein kleiner Hinweis darauf, dass der Name erneut groß, die Breite der Stile relativ kein war, beim "Großen Preis" 2010.

Boten eine energiegeladene Show: Cox And The Riot - Donis' ganz spezielle Faves am 23. Oktober.
Boten eine energiegeladene Show: Cox And The Riot - Donis' ganz spezielle Faves am 23. Oktober.
Foto: Daniel Thalheim
Bemerkenswert am gesamten Abend auch, dass von den Jury-Mitgliedern außer Manja, Stefan "Stewa" Waldeck und den beiden Kreuzer-Mitarbeitern kaum einer in der Halle A zu sehen war, doch die Musik dröhnte auch bis in den Backstagebereich. Dafür standen die rund 700 Besucher relativ konstant bei jeder Band vor der Bühne, bei der Verleihung waren die Enttäuschten dann schon weg, so dass noch etwa 400 die kurze Zeremonie verfolgten.

Einsamer Sieger auch Moderator Donis an diesem Abend - murren bei Donis Ansagen ("Lasst uns heute ein Stuttgart 21 entfachen" - "Ruft ganz laut Gefällt mir!") - ganz augenscheinlich war nicht jeder der Anwesenden ein Fan von sonst durchaus applauswürdigen Querschlägern á la Donis. Wenige im jungen Publikum wussten, wer da oben die Gäste zu unterhalten versuchte. Als dann Joey Adler von The Sonic Boom Foundation und Jury-Mitglied im Hintergrund gemütlich sein Equipment aufbaute und mit Donis noch eine kleine Think About Mutation-Reunion mit den Worten "Immer musst Du überziehen" beging, lösten sich bei dem einen oder anderen jedenfalls Fragezeichen auf.

Ein schlechter Verlierer? Neo Kaliske haben wohl mit dem Publikumspreis gerechnet, aber nicht bekommen.
Ein schlechter Verlierer? Neo Kaliske haben wohl mit dem Publikumspreis gerechnet, aber nicht bekommen.
Foto: Daniel Thalheim
Lihanabi gewannen einen Studioaufenthalt und einen mit 1.500 Euro dotierten Scheck für ihre Mühen in dieser Nacht am 23. Oktober. Die zweitplatzierten des Jury-Awards Computer Says No konnten sich über eine professionelle Booking-Betreuung und Elster Club über den dritten Platz mit einem 500 Euro-Gutschein freuen. Der "Große Preis 2010" war ein bodenständiger Abend mit drei würdigen Gewinnern und acht guten Bands.

Die Gewinner des letzten Auscheides - safi - hingegen waren zu später Stunde während der Überbrückung bis zur Preisverleihung schlicht überragend. Leider hatten zu diesem Zeitpunkt schon viele Gäste den Heimweg angetreten. Ein Bericht vom Aufftritt dieser mittlerweile hochprofessionellen Band hier auf L-IZ.de.

Zum Artikel vom 24. Oktober 2010 auf L-IZ.de
Live ein Orkan: safi hinterlassen beim "Großen Preis" einen verdammt großen Fußabdruck

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