Immer und überall kostenlose Musik: Simfy-Sprecher Marcus von Husen im L-IZ-Interview
Daniel Thalheim
18.07.2011
Seit 2010 online und mit 11 Millionen Liedern und 300.000 Künstlern am Start - simfy.de.
Bild: L-IZ-Screen
Während die Auseinandersetzungen um kino.to weitergehen (L-IZ.de berichtete), stellen sich anderen Ortes im Netz legale Alternativen zur CD vor. Nicht im Film- also dafür im ebenso attraktiven Musikbereich scheint inzwischen die Branche erkannt zu haben, wohin der Hase rennt. Mit einem Internetportal aus Köln namens Simfy und externen Abspielmöglichkeiten gehen nun die Plattenfirmen in die Offensive.
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Simfy.de heißt die Seite, wo bereits 11 Millionen Lieder auf die Hörer warten - darunter auch Alben, die vorm Erscheinungstermin veröffentlicht werden. Marcus von Husen erklärt gegenüber der L-IZ was simfy.de genau ist.
Seit wann gibt es Simfy, was ist die Philosophie und mit welchen Unternehmen (Labels) arbeiten Sie zusammen?
Simfy gibt es seit 2007 und war ursprünglich ein Webportal zum Preisvergleich von Musik-Downloads. Seit Mai 2010 existiert simfy in der heutigen Form als On-Demand-Streaming-Portal. Gestartet sind wir mit Vereinbarungen mit allen vier Major-Labels (Universal, Sony, EMI und Warner) und diversen Independent-Aggregatoren. Im Mai 2010 waren damit 6,2 Mio. Titel verfügbar. Aktuell besteht das Repertoire aus 11 Mio. Tracks.
(Beim On-Demand-Streaming werden auf einem Server gespeicherte Daten über das Netz an einen Client übertragen. Der Client kann die Wiedergabe anhalten, vor- und zurückspulen. Die Dateien werden auf Client-Seite in einem Medienpuffer vor-gespeichert, laut Wikipedia. "Aggregator“ klingt wie die Bezeichnung für ein Gerät aus dem Physikunterricht, beschreibt jedoch eine relativ neue Dienstleistung in der Musikbranche.... "Aggregator“ ist ein Kunstwort, das aus dem lateinischen Begriff "Aggregat“ abgeleitet wurde, der "Anhäufung“ bedeutet. Es geht also um die Anhäufung von Inhalten. In der Musikbranche handelt es sich bei diesen Inhalten natürlich um Musik. Der Content Aggregator bildet eine Schnittstelle zwischen Musik produzierenden Unternehmen wie Tonträgerfirmen und Musikanbietern wie Shopbetreibern im Internet", aus: Die Musikbranche, hrsg. v. Lothar Schulz, Anm. d. Red.)
Stets aktuell aber noch nicht ganz vollständig - simfy.de.
Bild: L-IZ-Screen
Was war der Anlass für Simfy - woher kommt das Angebot?
Es ging um die Idee, dass Musik immer und überall verfügbar sein sollte.
Vieles kann man über eine kostenlose Anmeldung auch ohne Bezahlung hören - wie finanziert sich Simfy eigentlich, würde der skeptische Internetnutzer fragen?
Das für den Nutzer kostenlose Modell wird durch Werbung finanziert. Allerdings glauben wir, dass es gute Gründe für den Abschluss eines "Premium"-Abos gibt. (Simfy wird außerdem von diversen Investoren finanziell unterstützt ua. durch die Verlagstochter DuMont Venture Holding GmbH & Co. AG und die Förderbank NRW Bank, Anm. d. Red.)
Wie lange kann man kostenlos bei Simfy Musik hören?
Uneingeschränkt.
Was kostet eine Flatrate bei Simfy und wohin fließt das Geld?
Grundsätzlich kostet simfy Premium 9,99 Euro pro Monat. Dieser Preis reduziert sich je nach gewähltem Paket auf bis zu 8,33 Euro monatlich, wenn der Nutzer gleich für zwölf Monate abschließen möchte. Noch günstiger wird es für Schüler und Studenten, die im VZ-Netzwerk registriert sind. Hier gibt es einen Monat simfy-Premium bereits für 7,99 Euro. Dieser Preis sinkt auf bis zu 7 Euro bei Abschluss für volle zwölf Monate. Eine Besonderheit gibt es noch für die Kunden von o2. Diese können über o2more.de bei monatlicher Kündigungsmöglichkeit für 8,99 Euro simfy Premium nutzen.
Ein großer Teil der Einnahmen geht an die Labels, die ihrerseits die entsprechenden Anteile an die Künstler weiterreichen.
Marcus von Husen, Simfy-Sprecher.
Bild: simfy.de
Klingt nach einem gerechten System, wo alle profitieren. Sterben illegale Downloads und CDs aus?
Tatsächlich gehen wir davon aus, dass zukünftig der Besitz von Musik (ob als Tonträger oder als MP3-Sammlung auf der Festplatte) nicht mehr entscheidend sein wird, sondern dass die nahezu uneingeschränkte Verfügbarkeit von Musik zu Hause wie auch unterwegs sehr viel wichtiger sein wird.
Musik kaufen oder nicht kaufen. Was ist der Unterschied von Simfy zu iTunes?
Bei unserem Angebot kann der Nutzer auf 11 Millionen Tracks frei zugreifen, täglich kommen viele weitere Titel hinzu und nahezu alle aktuellen Alben können zum Teil schon vor der regulären Veröffentlichung gehört werden.
Zwischen Simfy und Apple gibt es Streit - um was geht's genau?
Grund ist die verzögerte Genehmigung der simfy App für das iPad. Ohne Angabe von Gründen befindet sich diese seit knapp vier Monaten im Approval-Prozess für die Zulassung zum App Store. Simfy sieht hier einen Missbrauch der Marktposition von Apple.
Man sieht viele Bands von vielen (auch großen) Plattenfirmen auf Simfy tummeln. Wie sieht es mit den ganz "kleinen Fischen" aus?
Auch Bands, die bei einem sehr kleinen Label sind, sind selbstverständlich bei simfy verfügbar. Wichtig ist, dass das jeweilige Label sich einem Aggregator anschließt, der die Interessen vieler kleiner Label in Sachen digitaler Vermarktung vertritt.
Die Band sollte bei einem Label - das kann ja sogar ein "Band-eigenes" Label sein - unter Vertrag sein, dass seine Interessen über einen Aggregator wie z.B. Merlin, finetunes, IODA, Orchard, Believe Digital, GoodToGo... vertreten lässt.
Was ist das jüngste Album, das Sie sich gekauft hatten?
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