Popkultur in Leipzig: VILLA Leipzig geht mit Band-Almanach an den Start
Daniel Thalheim
12.08.2011
Safi ist noch nicht im Bandalmanach vertreten - hier beim Leipziger Campusfest 2011.
Foto: Daniel Thalheim
Man kennt sie irgendwie als Leipziger. Sind sie doch Freunde, Bekannte, Familienmitglieder. Sie machen Musik, spielen aber nicht in der Leipzig Arena, auch nicht im Haus Auensee. Leipziger Musikbands machen es eine Nummer kleiner - so oft der Anschein. Ihre Größe zeichnet sich nicht durch ihren kommerziellen Erfolg aus, eher durch ihren Idealismus und Durchhaltevermögen. Und oft ihre gute Musik. Der Leipziger Bandalmanach verdeutlich das.
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Leipzigs Szene ist schon immer eine farbenfrohe. Vielen älteren Leipzigern wird Renft noch bekannt sein, oder die eine oder andere Blues-Combo. Die Schwarz-Rocker Die Art kommen aus Leipzig. Think About Mutation haben von hier aus in den Neunzigern internationale Erfolge gefeiert. Der Leipziger Bandalmanach zeigt es wieder deutlich, dass "Leipzig" nicht nur die Stadt der Prinzen, Bach und Mendelssohn-Bartholdy ist. Popkultur ist die große Nummer in dieser Stadt und nicht die teuer subventionierte Bewahrungskultur Klassik. Wie die Stadt Leipzig mit Popkultur umgeht, zeigt das scheinbar fehlende Engagement des Dezernates Kultur für die Schaffung eines Bandhauses. Stattdessen greift man allein auf die bereits vom Kulturamt geförderte Bandcommunity zurück, die sich in der Saarländer Straße ein Bandhaus geschaffen hat - ohne Starthilfe seitens der Stadt, so die Betreiber zu ihren Anfängen. Nun ist ein weiteres Instrument für Leipziger Bands da.
"Der Band-Almanach ist eigentlich eine Datenbank mit Leipziger Bands", erklärt L.E. Band-Projektleiter Dirk Tschentscher-Trinks gen. Beck von der VILLA. "Der Gedanke dahinter war, dass wir zwar eine Menge Bands in Leipzig kennen, aber immernoch keinen wirklichen Überlick haben. Das Geschäft ist so schnell wegen Auflösungen, Neugründungen etc., dass man schon eine Form von System finden muss, um nicht konfus zu werden. Da wir das Ganze nicht allein schaffen, wollen wir das ganze mit möglichst vielen Partnern umsetzten. Aktuell dabei die Grüne Mafia e.V. und die Halle 5 e.V. mit dem Daniel Hartmann."
Dirk Tschentscher-Trinks gen. Beck von der VILLA.
Foto: Daniel Thalheim
In der aktuell veröffentlichten Bandstudie beschreibt Tschentscher-Trinks gen. Beck auch, dass das Internet-Portal in Leipzig für Musikinteressierte, Musiker aber auch Veranstalter ein Überblick über eine große Zahl der in Leipzig existierenden Bands schafft. "Über Vorbilder haben wir uns an dem Punkt Gedanken gemacht, als die Frage stand, wie man das Portal weiter entwickeln könnte. Zu dem Zeitpunkt hat uns Maria Schüritz vom Stuttgarter Bandbüro vorgeschwärmt und das ist nun auch ein wenig unser Ziel", so Tschentscher-Trinks weiter.
Also ein Bandbüro voerst im Netz, das die Fäden in der Hand hält und etwas für Leipzig schaffen möchte, was bei Myspace, Facebook udn Regioactive nicht so recht klappt. Tschentscher-Trinks: "Allerdings soll das ganzes ebenfalls wieder dezentral passieren und darf vor allem nicht einzelnen Trägerinteressen dienen, sondern der Vernetzung der Akteure der Bandförderung in Leipzig und letztlich den Musiker/innen selbst. Inhalte werden Proberäume, Auftrittsmöglichkeiten, Bandequipment, Musiker/innen/börse, Förderungen, Workshops und Infos sein." Allein 141 Bands sind schon für den Bandalmanach erfasst. Es gibt aber weitaus mehr in Leipzig.
Maria Schüritz weiß, dass es weit über 200 Bands in Leipzig mit mehr als 800 Musikern gibt. Davon sind viele durchaus auch schon überregional bekannt. Dazu gehören u.a. die Bundesvision-Teilnehmer 2011 Flimmerfrühstück, die Posängerin MANJA, Folkerin Nadine Maria Schmidt, ebenso die Musiker von Brockdorff Klanglabor, The Sonic Boom Foundation, safi, die Metalbands Dark Suns, Disillusion und Myra, Lament, Zen Zebra und Dante's Dream. Musiker wie Alin Coen aus Weimar, Shelhom von Two Wooden Stones oder Ronny Moorings von der international bekannten Gothic-Wave-Band Clan Of Xymox entschieden sich, nach Leipzig zu ziehen. Auch wegen des guten musikalischen Klimas. Dazu gesellen sich unzählige Elektro-Projekte, Leipzig gilt als Zentrum des "Riddim", also der Reggae- und Skamusik.
"Kein Mensch allein kann die Leipziger Bandszene erfassen", weiß Tschentscher-Trinks gen. Beck. "Es gibt viele Schätzungen von mindestens 200 bis zu 500 Bands. Da wäre die Aussage, wir haben hier eine Datenbank mit ca. xxx Bands eine tolle Sache. Letztlich geht es eben auch darum, zu zeigen, dass Leipzig eine Stadt mit einer reichhaltigen Popkultur ist und, dass hier Potentiale schlummern. Mal abgesehen davon, dass wir auch dem potentiellen Publikum eine Basis der Information geben wollen." Offenbar wird der Stellenwert Leipziger Popkultur noch nicht ausreichend erkannt. Häuser wie VILLA, HALLE 5 und Werk II bündeln viele der Auftritte hiesiger Bands.
Jesse Flame & The Burnberries sind schon im Almanach vertreten - hier live beim Benefiz für den Jugendtreff Bachviertel 2011.
Foto: Daniel Thalheim
Bei all der Masse an Popkultur ist es eine beklagenswerte Situation für Leipzig, dass es nur ein Bandhaus gibt. Auftritte Leipziger Bands wie bspw. bei der Grünen Mafia und Swimmingpool werden nur spärlich besucht, obwohl diese Alternativen zu den meist durch geregelten und oft auch überteuerten Konzerten der internationalen Pop-Szene qualitativ nicht "minderwertiger" sind.
Die Teens schauen eben nur dorthin, was ihnen Musikmagazine wie Spex, Musikexpress, Rolling Stone und viele andere vorsetzen und so meist den Anschein haben, die Blätter sind nur ein gekonnt gesetztes Corporate Publishing, also Anzeigen generierte Musikempfehlungen international aktiver Musik-Plattenfirmen und Promotionagenturen. Das weiß auch Tschentscher-Trinks und beklagt: "Das Thema Bands aus Leipzig hat in der aktuellen Jugendszene einen zu geringen Stellenwert. Man geht gern zu Bands aus Schweden etc., aber die hiesigen Bands werden bis auf ein paar Ausnahmen mit Desinteresse honoriert. Hier muss etwas getan werden und es gibt natürlich auch Ideen."
Gefördert wird zwar Popkultur in Leipzig - aber wie viel ist es de Stadt Leipzig tatsächlich wert? Leipziger Popmusikkultur erhält im Vergleich zur Hochkulturförderung einen geringen Anteil der Fördergelder. Während das Gewandhaus und die Oper mit Millionensummen subventioniert werden, erhält die gesamte Freie Szene 3,72 Millionen Euro, wovon knapp 308.400 Euro für Popmusikförderung ausgegeben werden. Das sind Zahlen, die das Leipziger Kulturamt 2010 veröffentlicht hat. Dagegen steht in der Leistungsbewertung der Freien Szene - wozu auch Theater, Tanztheater, Kinoangebote u.v.m. gehören - , dass diese die drittleistungsfähigste Kultur"einrichtung“ Leipzigs ist, deren Besucher die Hälfte aller Nutzer von Kulturangeboten insgesamt darstellen.
Bezogen auf die Leipziger Bands, geht in dieser Stadt schon einiges, was über das immer wieder in anderen Leipziger Medien bekrittelte Proberaum-Niveau hinaus geht. Was man gegen Unkenrufe tun kann, weiß Tschentscher-Trinks gen. Beck auch und schlägt einen Radiosender, vielleicht auch als Internetradio nur für Leipziger Popkultur vor. Radio.Blau ist dabei natürlich längst eine Adresse für Leipziger Popkultur - aber: "Es gibt also noch viel zu tun und das geht in diesem Medium halt nicht allein, sondern braucht Partner, Zeit und Geld..., da sind wir dran ..."
Inzwischen sind Musikgruppen wie Two Wooden stones, Daniel Orange, 3apesband, Carven, Black Wings, Live from Las Vegas u.v.a.m. beim Bandalmanach angemeldet. Videos, kurze Infotexte und ein Link zu einer Myspace-Seite stellen die Kapellen kurz vor.
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