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Nadine Maria Schmidt im Interview (2): Studioalltag, Zukunftspläne und Ausblicke

Daniel Thalheim
Nylonsaiten & Saitenstrümpfe live in der Schaubühne Lindenfels.
Nylonsaiten & Saitenstrümpfe live in der Schaubühne Lindenfels.
Foto: Daniel Thalheim
Im ersten Teil des großen L-IZ-Interviews zu Nylonsaiten & Saitenstrümpfen erzählte Bandleaderin Nadine Maria Schmidt über die schwierigen Voraussetzungen ihres neuen Albums "Blaue Kanten". Im zweiten Teil der Interviews plaudert sie ein wenig über die harte Studioarbeit und das Drumherum zur neuen Scheibe.

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"Blaue Kanten" soll das neue Studiowerk heißen: Warum Kanten und weshalb sind sie blau?

Ich weiß nicht, ob man sowas erklären sollte. Man nimmt den HörerInnen dann ihre eigene Interpretation des Ganzen. Aber okay, ... ich kann ja einfach nur für mich sprechen. Für mich sind "Blaue Kanten" Handlungs- und Denkmuster sowie Reaktionen, die aus grundlegenden Erfahrungen der Vergangenheit rühren, aber immer noch in der Gegenwart wirken. Kanten, weil man sich immer wieder an ihnen stößt, man selbst und auch andere und sie oft im Weg stehen und Missverständnisse zwischen Menschen aufwerfen. Blau deshalb, weil diese Kanten immer wieder weh tun, Dir selbst und auch anderen.

"Blaue Kanten" können von Mensch zu Mensch, von Generation zu Generation weitergegeben werden. Zum Beispiel, denk ich, meine zwei größten "Blauen Kanten" sind zum einen die Verlustangst: dass Menschen, die man liebt, gehen, sei es durch die Entfremdung voneinander oder durch den Tod. Und zum anderen die Angst nicht zu genügen, das Gefühl nichts wert zu sein. Wie oft steh' ich vorm Publikum und schäme mich für meine Lieder. Völlig grundlos sagt der eine, ich sag: "Blaue Kanten"! In unserem Album geht es um "Blaue Kanten"! "Maria", "Janeck", "Olaf" ... alle leiden sie darunter, aber alle besitzen sie die Stärke zu sehen und vielleicht auch aufzustehen.

Möchtest Du unseren Lesern einen kleinen Einblick in den Studioalltag geben?

Leider waren sieben Tage zu kurz um vom Alltag zu sprechen. Wir haben jeden Tag circa zehn Stunden durchgezogen, weil 15 Titel in sieben Tagen waren dann doch aufwendiger als zuvor angenommen. Kaffee, Kaffee, Kaffee und asiatische Nudel- und Reisgerichte waren unsere Top 2. Micha König drehte eine kleine Videodokumentation für Alex Berlin TV und unsere Besten Fans der Welt. Liebsten Dank Micha! Von Samstag bis Mittwoch haben wir alle Bandsongs eingespielt, Donnerstag kam unser Gastcellist Moritz Brümmer. Er spielte so schön, dass mir die Tränen schon im Knopfloch standen.

Zwischendurch trällerte ich mal ein zwei Lieder oder spielte die Klampfen ein. Freitag war dann kompletter Gesangstag. Es ist alles super friedlich und freundschaftlich abgelaufen. Klar hat jeder mal seinen Klaps, aber einmal um den Block gelaufen und dann ist's auch wieder gut. So anstrengend wie es war, so schön war es auch. Wir waren alle ein bisschen traurig, dass es dann schon vorbei war.

Große Stimme, großes Herz, echte Gefühle: Nylonsaiten & Saitenstrümpfe.
Große Stimme, großes Herz, echte Gefühle: Nylonsaiten & Saitenstrümpfe.
Foto: Daniel Thalheim

Was kannst Du über deine Zusammenarbeit mit André Gensicke erzählen?

Toll! Super! Großartig!Geduldig! Professionell! Psychologisch wertvoll und das Herz am richtigen Fleck für unsere Musik. Ich kann mich nur wiederholen. Alles war sehr freundschaftlich und wir alle waren begeistert von seiner eisernen Ruhe! Er gab auch hier und da noch ein paar Hinweise zu manchem Song und gerade die groovenden Nummern grooven jetzt auch besser und alles scheint aufgeräumter. Es war für uns alle eine sehr gute Erfahrung mit ihm zu arbeiten. Toller Mensch, Musiker und ein echtes Original!

Wirst Du die CD wieder wie dein Debüt selbst gestalten?

Nein, die grafische Gestaltung wird, wie beim letzten Album "Somewhere in between" Sabrina Bornmann übernehmen. Sie ist bekannt als die Melo aus der VILLA oder als leidenschaftliche Musikerin namens "MeloEsque". Sie zeichnet mir aus dem Herzen! Man muss wissen, wenn man Dinge abgibt, einfach weil es jemand gibt, der das besser kann als man selbst! In diesem Falle ist das Sabrina! Ich freu mich, dass sie wieder dabei ist. Danke Dir Sabrina!

Im März diesen Jahres hast Du dich auf Tournee befunden: Wie war das Feedback ausgefallen und gibt es weitere Vorhaben dieser Art?

Also unser Feedback war: Noch einmal, noch einmal! Und wie es jeder unbekannten Band wohl so geht, hat man mal volle und mal fast leere Räume in denen man spielt, aber es hat 'ne Menge Spaß gebracht. Viele liebe Menschen haben wir getroffen und uns als Band hat es noch mehr aneinander geschweißt. Eine Band-Tour ist zum Albumrelease von "Blaue Kanten" geplant. Wahrscheinlich im August 2012. Till schreibt im Sommer seine Abschlussarbeit für die Uni, da geht's nicht eher. Aber ich werd' sicher auch solo unterwegs sein, weil im März meine Uni hoffentlich geschafft ist.

Wenn Du alle Ereignisse in diesem Jahr rund um die Entstehung von "Blaue Kanten" noch einmal Revue passieren lässt, was berührte dich am meisten?

Mich haben am meisten die Menschen berührt, die sich in und um unsere Musik versammelt haben und sei es in der Besten-Fans-der-Welt-und-Sponsoren-Aktion, beim Videodreh zum Monstersong im Prager Frühling oder die jetzt bei der Studioaufnahme geholfen haben wo es nur ging. Jeder mit dem was er geben konnte und wollte. Da waren Momente, Mails oder auch Gespräche, wo ich wieder sehr nah am Wasser mein Haus baute. Und Chris, Till und Karl sind wie eine kleine Familie für mich geworden. Ohne sie wären die Lieder auf der Platte nicht die Lieder auf der Platte und nicht die Lieder auf den Konzerten. Ich weiß immer gar nicht wie ich das zurückgeben kann. Am liebsten möchte ich Handstand und einen Salto zugleich machen. Danke!

Vielen Dank für das Interview!


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