Aus der Szene, für die Szene: Daniel Hartmann erzählt über seine Künstleragentur Artrain
Daniel Thalheim
14.12.2011
Daniel Hartmann, Musiker und Manager.
Foto: Daniel Thalheim
Nein, er ist nicht der Entdecker vom "Homo heidelbergensis". Daniel Hartmann ist Bassist und Akkordeonspieler. Szenegängern wird der Leipziger aus Gruppen wie "Black Wings", "Empty Lane 43", "Jessy Flame & The Burnberries" und "A Desire To Hope" bekannt sein. Der umtriebige Musiker betreibt auch eine Künstleragentur. "Artrain" heißt sie. Hartmann erzählt im L-IZ-Interview, worum es ihm dabei geht.
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Seit einigen Monaten tritt etwas häufiger in Erscheinung, das "Artrain" genannt wird. Was ist das?
Das "Artrain - Artist Management Atelier“ - ist eine junge Künstleragentur, die im Frühjahr 2011 ins Leben gerufen wurde. Die Arbeit von Artrain besteht im Großen und Ganzen daraus, jungen Bands die Arbeit, die neben dem Musikmachen anfällt, abzunehmen. Dazu zählen unter anderem die Pressearbeit, Organisation, grafische Arbeiten, Booking und das eigentliche Formen einer Band.
Ihr macht auch mehr.
Neben der aktiven Bandarbeit sind wir als "Artrain" zuweilen auch als Veranstalter aktiv. Zum bisher größten Aushängeschild zählt bis dato das "Rock Down" Festival.
Wie kam das zustande?
Die Motivation ein Künstleragentur ist daraus entstanden, dass ich mir nach meinem Studium die Frage gestellt habe, was ich eigentlich wirklich machen möchte. Ich habe in der ganzen Zeit, in der ich selber als Musiker aktiv bin, stets die Arbeiten ringsum übernommen und das hat mir immer sehr viel Spaß gemacht und ist zu meinem zweiten Hobby neben dem Musikmachen geworden. Irgendwann kam eine befreundete Band auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, auch für sie die Arbeiten zu übernehmen. Ich habe im Endeffekt damit angefangen, mein Hobby zum Beruf zu machen, und habe 2011 den Schritt gewagt, mir damit eine Existenz aufzubauen.
Daniel Hartmann beim Wellenmachen auf dem Richard-Wagner-Hain.
Foto: Daniel Thalheim
Wer ist alles bei "Artrain"?
Hinter dem "Artrain - Artist Management Atelier" stehe bisher nur ich als Person. Jedoch habe ich hinter mir ein sehr tolles Team aus Freunden stehen, die mich vor allem bei Veranstaltungen sehr stark unterstützen und mir unter die Arme greifen. Die Agentur ist noch sehr klein und von einem finanziellen Nutzen kann man bei Weitem nicht sprechen. Aber ich glaube fest an das Konzept und die Idee hinter dem Ganzen.
Um was geht es dir dabei?
Im Vordergrund meiner Arbeit steht die Förderung oder besser Unterstützung von jungen Musikern aus Leipzig und Umgebung. Mir geht es in erster Linie darum, den Künstlern den Weg ins Musikbusiness zu erleichtern und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zustehen. Oftmals sind die Bands musikalisch schon sehr weit, wissen aber nicht, wie sie ihre Musik oder sich als Band publik machen können. An genau diesen Punkten beginnt meine Arbeit. Ich unterstütze die Künstler aktiv, nehme ihnen die Arbeit ab, die für viele oft völliges Neuland ist, und zeige ihnen Möglichkeiten auf.
Wie geschieht das?
Ich nehme mir viel Zeit für die Künstler und setze mich mit ihnen zusammen. Gemeinsam entwickeln wir Pläne und Strategien wie man die Band supporten kann. Wichtig für eine Zusammenarbeit mit mir als Agentur ist das gegenseitige Vertrauen, das entgegengebracht werden muss. Aus diesem Grund lege ich sehr großen Wert auf das Wort „gemeinsam“. Denn am Ende bringt es der Band und mir nichts, wenn jeder zwar seine Arbeit macht, sich aber gemeinsam gesteckte Ziele von den Ergebnissen unterscheiden. Einfach nur, weil die Kommunikation nicht stimmt. Sicherlich setze ich dabei auch eine gewisse Grundbereitschaft und vor allem Ehrgeiz für eine Zusammenarbeit voraus. Was auch manchmal bedeutet, dass mich die Künstler auch manchmal einfach machen lassen sollen. Mir ist es sehr wichtig, dass die Musiker wissen, dass es ein langer und steiniger Weg ist, um auch nur ansatzweise Erfolg zu haben, und dass sie in mir einen konstanten Ansprechpartner haben, der nach Möglichkeit alles versucht, um ihnen den Weg etwas zu erleichtern.
A Desire To Hope im Sommer 2011 beim Wellenmachen auf dem Richard-Wagner-Hain.
Foto: Daniel Thalheim
Welche Künstler sind unter Vertrag?
Ich freue mich immer wieder aufs Neue, wenn ich zurückblicke, dass die Basis für „Artrain“ lediglich das gelegentliche Arbeiten für meine eigenen Bands und die sehr gut befreundeten Black Wings ist. Im Moment arbeite ich noch mit einer sehr überschaubaren Anzahl an Bands. Dazu zählt die Konzeptband „A desire to hope“, die seit ihrem Bühnendebüt im April dieses Jahres sehr gut angelaufen ist und bereits am zweiten Album und einer neuen Bühnenshow arbeitet, die sie erstmalig im Januar 2012 präsentieren wird.
„The Sound of Junin“ - als eine Band, die es bereits seit knapp zwei Jahren gibt und in den letzten Monaten einen riesen großen Schritt nach vorn gemacht hat - werden nach einem bereits vollzogenen Besetzungswechsel Anfang nächsten Jahres ihr erstes Album aufnehmen und im Herbst auf Tour gehen.
Ebenfalls im Kader befinden sich „Rorc“, die ebenfalls 2012 durchstarten wollen. Aufgrund einer Zwangspause werden sie im April ihre Bühnenrückkehr zelebrieren und ebenfalls ihr erstes Album aufnehmen.
„Fire in the backyard“ werden nach ihrem ebenso schnellen Erscheinen und dann plötzlichem Verschwinden 2012 in neuer Besetzung und neuem Set zurückkehren. Seit Anfang November arbeite ich mit der Band „Steeproad“ aus Bad Lausick zusammen. Eine Band, die sich schon einen gewissen Stamm erarbeitet hat und 2012 mit der einen oder anderen Überraschung aufwartet.
Sehr wahrscheinlich wird in den kommenden Wochen auch eine Zusammenarbeit mit „Looks that kill“ aus Greifswald, aber jetzt Leipzig, zustande kommen. Mit sehr großer Sicherkeit wird "Artrain" auch mit dem Nachfolgeprojekt der „Black Wings“ zusammenarbeiten. Desweiteren ist derzeit eine gemeinsame Arbeit mit den Bands „The Core“ aus Gera und „Bonsaii“ dem Nachfolgeprojekt der Band „die Coxx“, welche 2009 den Publikumssieg des Bandclash mit nach Hause nahmen, im Gespräch.
Jesse Flame & The Burnberries beim BAFF-Benefiz 2011.
Foto: Daniel Thalheim
Was können Musikfreunde die kommenden Monate von "Artrain" erwarten?
Wir werden uns jetzt erst mal auf die Planung für 2012 konzentrieren. Es gibt viele Baustellen, auf denen jetzt im Stillen gearbeitet werden muss. Alle Artrain-Bands haben 2012 viel vor, und das muss gut vorbereitet werden. Zudem gibt es zahlreiche eigene geplante Projekte und Projekte, an denen Artrain beteiligt ist. Es ist eine neue Veranstaltungsreihe für Musiker und vor allem das Publikum geplant.
Das Coaching- und Workshop-Projekt „Sound it new!“ für junge Schülerbands im Alter von 10 bis 18 Jahren wird im nächsten Jahr fortgeführt. Und natürlich wird es im nächsten Jahr auch wieder das "Rock Down" Festival geben, welches geplant und organisiert werden will. Die erste Veranstaltung 2012 wird am 13. Januar im Four Rooms stattfinden. Hier wird sich die Band „Bonsaii“ erstmalig dem Leipziger Publikum präsentieren. Intern wird es hoffentlich auch eine Veränderung geben, die mit einem Personalzuwachs einhergeht. Die Gespräche hierfür laufen bereits.
Als Musiknetzwerker in Mitteldeutschland: Wie sieht es derzeit aus mit Nachwuchsbands?
Junge Bands gibt es wie Sand am Meer, was ich persönlich sehr schön finde. Junge Menschen die sich aus der Motivation zusammenfinden, um gemeinsam Musik zu machen und etwas zu erschaffen. Jedoch wird es auf Grund der Vielzahl an Bands immer schwerer, sich zu etablieren, da man mittlerweile wirklich von einem Überangebot sprechen kann. Manch eine Band wird es mit harter Arbeit und sicher auch etwas Glück schaffen, sich zu etablieren. Andere hingegen werden sehr schnell wieder in der Versenkung verschwinden oder ewig eine Proberaumband bleiben. Das finde ich sehr schade, da viele unter ihnen wirklich Potential haben, jedoch nicht so wirklich Fuß fassen.
Auf der anderen Seite finde ich es sehr schön zu beobachten, dass die Tendenz zu erkennen ist, dass sich Bands wirklich wieder aktiv gegenseitig unterstützen. Ich erlebe es sehr oft, dass wirkliche Netzwerkarbeit auch unter den Bands betrieben wird. Sei es eine Neu-Leipziger Band, die jedes Jahr in ihrer Heimat Greifswald ein Weihnachtskonzert veranstaltet und zwei Bands, mit denen sie in diesem Jahr viel gespielt hat, einfach mitnimmt. Oder einfach bloß der einfache Gig-Austausch, gemäß dem Prinzip „Danke für die Einladung“ und zwei Monate später klingelt das Telefon „Hey, wie sieht’s aus, habt ihr Lust?“. Ich halte das für sehr wichtig, da sich keine Band allein durchboxen kann. Wenn sie etwas erreichen will, muss sie einfach auch mit den möglichen Konkurrenten zusammenarbeiten.
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