Einen besseren Platz hätten wir nicht finden können: Interview mit den Leipziger Weltmusik-Newcomern Annuluk
Daniel Thalheim
22.12.2011
Seit 2011 zusammen auf der Spur von Mythen udn Geschichten: Annuluk.
Bild: Annuluk/Presse
In Leipzig haben sich Musiker zusammen gefunden, die 2011 ganz frisch auf dem Parkett auftauchten. Live traten sie schon in Erscheinung. Nun soll ein Album folgen. Das muss finanziert werden. "Annuluk" heißt die neue Band, die bei "VisionBakery" ihren Unterstützern kleine Gaben verschenken wollen. Die Band versammelte sich am Computer und beantwortete der L-IZ einige Fragen.
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Was bedeutet der Name Annuluk?
Alle: Ein erster Name für die Band war der Name für unseren ersten gemeinsamen Song: “Ushna”, was “Feuer” bedeutet. Die Bedeutung gefiel uns allen, aber mit dem Wort “Ushna” waren wir nicht ganz zufrieden. Misa hatte dann den Namen “Annuluk” vorgeschlagen, was soviel bedeutet, wie “Großmutter der Erde”.
Warum?
Alle: Es wird erzählt, dass in den Haaren der Großmutter Geschichten, unsere Lebensgeschichten, verwoben sind. Allerdings sind ihre Haare gefroren und diese Geschichten können immer nur dann erzählt werden, wenn irgendwo ein Feuer brennt, ein warmer Ofen steht ... und genau das passiert, auf unseren Konzerten, in unseren Songs – Annuluk erzählt etwas von ganz tief innen, etwas Unsagbares nur Erfühl- und Erfahrbares.
Annuluk klingt ziemlich neu für meine Ohren. Welche Bewandtnis hat es mit eurer Band?
Misa: Ja, die Großmutter der Erde wird nur in einer alten nordischen Sprache Annuluk genannt. Allerdings findet man nicht allzu viele Details darüber. Jedenfalls ist es mir nicht gelungen, ... noch nicht. Was für mich wirklich wichtig ist, wie es das Bild von der Mutter Erde verändert, die somit auch ein Kind ist. Sie hat nämlich auch eine Mutter und die hat wiederum auch eine. So setzt sich das fort.
Wollen via VisionBakery ihr Debütalbum finanzieren: Annuluk.
Bild: Annuluk/Presse
Klingt interessant...
Misa: Die Geschichte von Seehundfell und Seelenhaut, wo Annuluk vorkommt, ist allerdings "die Essenz“ warum ich diesen Namen wollte! Sie stammt aus dem Buch "Die Wolfsfrau“ von Clarissa Piccolla Estés und jede Frau sollte dieses wunderbare Werk kennen! Für Männer wäre es natürlich auch sehr bereichernd! In der Zeit wo unsere Band entstanden ist, habe ich mich in eine komplett neue Phase meines Lebens begeben. Hab wieder meine Kraft klar gespürt, meine Fähigkeiten neu gesehen, hab meine Haut wieder gefunden. Genau da drum geht es in der Seehund-Geschichte: sie legen das Fell bei Vollmond ab, um in weiblicher Gestalt zu tanzen und singen.
Und eine Nacht hört es ein einsamer Fischer und verliebt sich in die Stimme von einer der Frauen. Er stiehlt ihr Fell und bittet sie, bei ihm zu bleiben. Sie möchte erst nicht, dann willigt sie aber ein. Sie schenkt ihm einen Sohn und bleibt nur so lange auf der Erde wie sie darf: sieben Jahre.. In diesen Jahren verliert sie Stück für Stück ihre Kraft, sie wird taub, stumm, blind, nur ein Hauch... ganz durchsichtig. Denn sie lebt nicht ihre wirkliche Natur, ihre Seelen-Bestimmung. Und so ging es mir im übertragenem Sinne auch, bis ich wieder mein Fell gefunden habe. Ein neuer Anfang. Dann habe ich mit Roberto und Sascha die Band Annuluk gegründet, in voller Kraft! Soviel bedeutet Annuluk.
Eure Bandmitglieder kommen ja von überall zu Annuluk zusammen. Wie und wo habt ihr euch getroffen?
Roberto: Wie man in dem Video auf Visionbakery.de schon mitbekommt, sind wir eine sehr bunte Band! Wir kommen aus verschiedenen Ländern und schon dadurch bringen wir mehrere musikalischen Einflüsse zusammen. Alles hat im Oktober 2010 angefangen. Die Band LTVO aus Leipzig, wo Misa und Sascha gespielt haben, brauchte eine Percussion-Vertretung für eine Auftritt in Hildesheim und so bin ich eingesprungen. Bei diesem Auftritt hatte ich zum ersten Mal unsere Sängerin Misa kennengelernt und war von ihr begeistert. Auf dem Rückweg von Hildesheim fragte Misa, ob wir Lust auf ein neues Projekt hätten. Die Antwort war sofort da: Ja Klar!
Kurz danach haben wir überlegt, welche unserer Musiker-Bekanntschaften zu dem Projekt gut passen würden. So kamen Christian, Hendrik und Alfredo dazu. Das war der Beginn unseres Abenteuer.
Wann seid ihr zum ersten Mal mit der Band in Erscheinung getreten?
Christian: Auf dem Ancient Trance Festival in Taucha bei Leipzig, als die Abschlussband des gesamten Festivals. Das war als unser Debüt eine große Ehre für uns!
Annuluk tritt im Februar 2012 im UT Connewitz auf.
Bild: Annuluk/Presse
Um was geht es euch mit Annuluk?
Christian: Annuluk ist für keinen von uns die erste, zweite oder dritte Band, wenn wir jetzt als Annuluk zusammen unterwegs sind. Wir arbeiten einfach alle schon länger in Bands und anderen künstlerischen Projekten, haben uns zu sechst zusammengefunden, um mit Misas Stimme als Zentrum unseres Sounds eine phantastische, vorher noch nicht da gewesene Welt zu erschaffen.
Ihr sprecht so viele unterschiedliche Sprachen: In welcher sprecht ihr untereinander?
Roberto: Es gibt eine Sprache, die alle verstehen und so unterhalten wir uns am meisten auf deutsch. Manchmal kommen sogar auch ein paar Sprüche auf sächsisch (Lacht). Es kommt oft vor, dass Alfredo, Christian und ich uns bei den Proben auf spanisch unterhalten.
Jetzt seid ihr alle in Leipzig. Was bedeutet für euch die Stadt?
Roberto: Außer Misa, die in der Nähe von Jena wohnt und aus der Tschechien kommt, leben wir alle in Leipzig. In der Band haben wir zwei originale Leipziger: Hendrik und Sascha. Christian kommt aus Hamburg, lebt aber schon seit mehr als zwölf Jahren In Leipzig. Alfredo kommt aus Las Tuna (Kuba). In Leipzig lebt er seit fünf Jahren. Ich komme aus der Gegend von Venedig in Italien und bin seit circa zwölf Jahren in Leipzig.
Wir kannten uns fast alle, bevor wir bei Annuluk zusammen kamen, manche von uns spielten bereits bei verschieden Band-Projekten zusammen. In der Band stecken mehrere langjährige Freundschaften. Die Wege, die jeden einzelnen nach Leipzig geführt haben, sind sehr unterschiedlich. Aber was wir gemeinsam über Leipzig fühlen, ist, dass diese Stadt was anzubieten hat. Sie hat eine besondere Vergangenheit. Man denke nur an die Montagsdemos, oder an große Persönlichkeiten wie Bach und Goethe, die hier gewirkt haben. Leipzig bietet eine gute Plattform für kreatives Schaffen in allen kulturellen Bereichen. Einen besseren Platz hätten wir nicht finden können!
Ihr schreibt, dass eure Texte in einer Fantasiesprache gesungen werden. Hat das was mit Esperanto zu tun, oder sogar mit den Chants aus der Türkei?
Misa: Nee, nee. Ich singe das was da ist. Es sprudelt einfach so aus meinem Mund. Es ist da, vor allem ist die Musik immer da! In der Luft quasi... Ich bin sowieso der Meinung, dass alles immer da ist. Wir machen uns nur empfänglich dafür! Und wenn wir es nicht machen, scheint es nicht da zu sein, aber es stimmt nicht. (Lacht)
Für eurer Debütalbum ging's in die Echoluxstudios. Was könnt ihr über eure Musik und seine Entstehung erzählen? Jammt ihr, komponiert ihr mehr?
Hendrik: Ein Studio stellt an eine Band, die das Ursprüngliche und Menschliche in der Musik schätzt und daher unbedingt gemeinsam einspielen will, auf eine harte Bewährungsprobe. Man hört sich gegenseitig nur noch durch die Kopfhörer und es braucht Stunden bis man einen halbwegs akzeptablen Sound auf dem Hörer hat und das ist nur eins von vielen anderen Details. Dann ist schon viel Energie weg und damit geht es ja eigentlich erst los mit der Musik! Aber – wir sind da durch, haben gekämpft, Energie reingegeben!
Was die Songs betrifft, so sind wir uns noch nicht ganz darüber einig, was es heißt, einen Song komponiert zu haben. Was gehört dazu, was ist wichtig? Ich sage dazu, alles was in den Stücken eine eigene musikalische Linie behauptet. Üblicherweise haben Misa oder Roberto eine Grundidee an der dann lange und aufwendig gearbeitet wird bis eine fertige Musik – ich vermeide mal das Wort Song – entsteht.
Für eure CD sucht ihr noch Unterstützer über die VisionBakery. Wie seid ihr auf die Crowdfunding-Firma gekommen?
Roberto: VisionBakery haben wir durch eine Empfehlung von Freunden entdeckt. Wir fanden gut das so was überhaupt existiert. Und das tolle ist, dieses Projekt kommt auch aus Leipzig. So haben wir gleich Gas gegeben und die Vorbereitung für die Aktion gestartet. Auf VisionBakery werden wir von unserem Betreuer Stephan Popp begleitet, der uns auch gut beraten konnte. VisionBakery ist eine geniale Idee, um eigen Träume mit Unterstützung andere Leute zu verwirklichen.
Ab Februar 2012 geht's auf Tournee. Wohin führt sie?
Christian: Die Tour führt am 10. Februar 2012 nach Weimar. Das ist der Auftakt unserer Record-Release-Tour. Wir sind dort beim "Welt - Musik - Treff Weimar" zu Gast. Am 11. Februar spielen wir im UT Connewitz in Leipzig. Dazu seid ihr alle herzlich eingeladen. Eventuell werden wir am 12. Februar zusätzlich in Jena spielen, das steht aber noch nicht fest. Im Juni 2012 soll es eine weitere Tour geben. Bbestenfalls in die schönsten Städte Deutschlands und hoffentlich auch in einige Nachbarländer wie Italien, Kroatien Tschechien oder in die Schweiz.
Was soll Musik eurer Meinung nach auslösen?
Hendrik: Ich habe das Gefühl, dass man sich bei unserer Musik an etwas erinnern kann – an etwas, das vor unserer Erfahrung steht – ein tiefer warmer Frieden, eine innere Freude ... Oh Mann, klingt das esoterisch. (Lacht)
Misa: Ja! Es klingt wunderbar! Musik aus der Tiefe der Seele geht direkt in die Herzen. So soll es sein...
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