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Von Barock bis Breakdance: Das Bach-Archiv Leipzig zieht eine positive Jahresbilanz 2011

Daniel Thalheim
Welterstaufführung zum Bachfest 2011: "Zanaida".
Welterstaufführung zum Bachfest 2011: "Zanaida".
Bild: Gerd Mothes, Bach-Archiv Leipzig
Es war wirklich viel los, rings um den Thomaskirchhof anno domini 2011. Erfolgreiche Erweiterung der Sammlung und zahlreiche Publikationen standen auf der Agenda. Das Bachfest Leipzig erreichte mit 73.000 Gästen einen Besucherrekord. Höhepunkt für die Bach-Archivare war die Aufführung der verschollen geglaubten Oper "Zanaida" Johann Christian Bachs. Und das war längst nicht alles.

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"Neben zwei viel beachteten Kabinettausstellungen im Bach-Museum Leipzig wurden ein Interpretations-Meisterkurs und zahlreiche Kammerkonzerte im Sommersaal des Bach-Museums Leipzig realisiert. Die Gerda Henkel Stiftung sagte eine umfassende Förderung für das Forschungsprojekt 'Bachs Thomaner' zu, das pünktlich zum Thomana-Jubiläum 2012 startet", blickt die Pressesprecherin des Bach-Archivs, Franziska von Sohl auf zwölf spannende Monate. In denen sich Kulturstaatsminister Bernd Neumann ebenso im Bach-Archiv einfand, wie Oberbürgermeister Burkhard Jung und die Sächsische Kulturstaatsministerin Sabine von Schorlemer.

Bachfest 2011 war erfolgreich.
Bachfest 2011 war erfolgreich.
Bild: Gerd Mothes, Bach-Archiv Leipzig
"Das Bach-Museum Leipzig begrüßte seit Januar 2011 über 43.000 Besucher aus aller Welt. Zu den Gästen gehörten Bobby McFerrin, Nadja Michael und Martin Stadtfeld", so von Sohl weiter. "Die Kabinettausstellung 'Bürgerstolz und Musenort. 300 Jahre Bosehaus' zeigte vom 15. April bis zum 31. Juli Streiflichter aus 300 Jahren und erzählte von der bewegten Geschichte des Hauses und seiner Nutzer." Eine weitere Kabinettausstellung zeigte vom 2. September bis 1. Dezember 2011 Die Bildnis-Sammlung Carl Philipp Emanuel Bachs. "Erstmals wurden wichtige Teile dieser Sammlung der Öffentlichkeit präsentiert, darunter zahlreiche Pastelle, Zeichnungen und Druckgraphiken aus der Staatsbibliothek zu Berlin."

17 Konzerte fanden im barocken Sommersaal des Museums statt. Von Sohl erinnert sich: "Einen viel beachteten Auftakt erfuhr die Reihe Konzerte aus der Himmelsburg mit dem Neuen Bachischen Collegium Musicum, das zum 'Ensemble in residence des Bach-Museums Leipzig' ernannt wurde. Zu einem Höhepunkt der museumspädagogischen Arbeit des Hauses geriet das von der 68. Mittelschule Leipzig entwickelte Theaterstück 'Die Geschichte von Jonny S. Krach oder wenn Bach heute leben würde', das im Rahmen des Bachfestes auf der großen Open-Air Bühne am Leipziger Markt uraufgeführt wurde."

Hoher Besuch im Bach-Archiv: Staatsminister Bernd Neumann nebst Leipzigs OB Burkhard Jung und Sachsens Kultusstaatsministerin Sabine von Schorlemer.
Hoher Besuch im Bach-Archiv: Staatsminister Bernd Neumann nebst Leipzigs OB Burkhard Jung und Sachsens Kultusstaatsministerin Sabine von Schorlemer.
Foto: Daniel Thalheim

Und auch der Höhepunkt eines jeden Jahres, das Bachfest Leipzig endete mit einem neuen Besucherrekord. "Zirka 73.000 Gäste, darunter zahlreiche Musikfreunde aus aller Welt, besuchten die insgesamt 111 Veranstaltungen in Leipzig und Umgebung. Bei durchschnittlich hoher Auslastung und einer deutlichen Umsatzsteigerung geriet die Aufführung der verschollen geglaubten Oper 'Zanaida' des jüngsten Bachsohnes Johann Christian zum Höhepunkt des Festivals."

Die Partitur ist Bestandteil der Privatsammlung Elias N. Kulukundis und konnte während des Bachfestes in der Schatzkammer des Bach-Museums Leipzig gezeigt besichtigt werden. Doch Unterhaltung allein wäre dem Team zuwenig und so geht es auch um Weiter- und Ausbildung im Bosehaus. "An einem Meisterkurs zur Aufführungspraxis der Werke Johann Sebastian Bachs im November 2011 nahmen 28 junge Musiker aus 13 Ländern teil. Der Besuch des Meisterkurses wurde von vielen der jungen Künstler zur direkten Vorbereitung des XVIII. Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerbs genutzt, der vom 4. bis 14. Juli 2012 in Leipzig stattfindet. Zahlreiche erfolgreiche Interpreten, darunter Martin Stadtfeld, Ragna Schirmer, Simone Kermes, Christoph Genz, Gerald Fauth und Antje Weithaas, haben ihre Karriere als Preisträger des international renommierten Bach-Wettbewerbs gestartet", so Pressechefin von Sohl.

Bachfest 2011 in Leipzig.
Bachfest 2011 in Leipzig.
Bild: Gerd Mothes, Bach-Archiv Leipzig

Und wie das so ist mit Jahresresümées, auf einmal gleitet man schon in Richtung 2012. Neuestes Projekt ist die Archiv-Expedition zu den "Bach-Thomanern", die pünktlich zum 800. Geburtstag der "Thomana" anlaufen soll. Die Grundlagen dafür sind in diesem Jahr gelegt worden: "Die Gerda Henkel Stiftung sagte dem Bach-Archiv Leipzig im Jahr 2011 eine Förderung für das umfassende Forschungsprojekt Bachs Thomaner zu, die sowohl Personalmittel für zwei halbe Doktorandenstellen als auch Sachmittel umfasst. Die Bachthomaner - Kopisten, Interpreten und Rezipienten der Bachschen Werke – stehen ab 2012 somit erstmals systematisch im Fokus der Leipziger Bach-Forscher. Zwischen 250 und 300 Archivstätten wird die Forschergruppe um Prof. Dr. Dr. h. c. Christoph Wolff in den kommenden Jahren nach Quellen durchsuchen. Von deren Erschließung erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse zu Bachs Lebensgeschichte, seiner Aufführungs- und Unterrichtspraxis."

Es versteht sich wie von selbst, dass das Bach-Archiv rund um die Ereignisse seine Sammlung an Schriftquellen erweiterte. "Neben der Sichtung und Auswertung der über 1.000 Autographe und Drucke umfassenden Privatsammlung Elias N. Kulukundis, gelangten mit Unterstützung des Privatgelehrten aus Greenwich, CT und des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge in e-Moll, BWV 548 sowie die Partita VI in e-Moll, BWV 830 in der Abschrift von der Hand des Bach-Schülers Bernhard Christian Kayser (Leipzig, um 1730) in den Bestand des Bach-Archivs Leipzig", zählt Franziska von Sohl auf.

Darüber hinaus konnte die Sammlung durch eine Schenkung Sir Ralph Kohns (London) erweitert werden. Die Abschriften der Suiten III und V, BWV 808 und 810 von der Hand des Bach-Schülers Heinrich Nikolaus Gerber gehören zu den Hauptquellen der Englischen Suiten. Sie entstanden 1725 am Thomaskirchhof und kehren nun, 286 Jahre später dauerhaft dorthin zurück. Ganz frisch aus der Druckerpresse landete zudem ein dicker zweibändiger Katalog zum Thema "Bach und Wien" mit wichtigen Quellen zur Bach-Familie auf den Verkaufstisch. Das Werk entstand im Rahmen einer vom Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien und dem Bach-Archiv Leipzig veranstalteten Tagung.

Von Sohl zur umfassenden Publikation: "Dieser Katalog bietet erstmalig einen Überblick über die äußerst vielgestaltige Bach-Rezeption eines großen Kulturraums", und verweist noch auf andere Veröffentlichungen. "Zu den weiteren Publikationen, die im Jahr 2011 durch das Bach-Archiv Leipzig realisiert wurden, zählen unter anderem Johann Christoph Friedrich Bach. Briefe und Dokumente, herausgegeben von Ulrich Leisinger (=Leipziger Beiträge zur Bachforschung, Band 9), CPE Bach – The complete works: -Volume 2.1 und 2.2: Trios Sonatas I + II, herausgegeben von Christoph Wolff, sowie Keyboard Concertos from Manuscript Sources - Volume 9.5, herausgegeben von Elias N. Kulukundis, das Bach-Jahrbuch 2011 sowie die Beiträge zur Geschichte der Bach-Rezeption: 'Diess herrliche, imponirende Instrument'. Die Orgel im Zeitalter Felix Mendelssohn Bartholdys, herausgegeben von Dr. des. Anselm Hartinger, Prof. Dr. Dr. h. c. Christoph Wolff und PD Dr. Peter Wollny im Rahmen des Projekts Bach-Mendelssohn-Schumann."

Es scheint nicht einfach für die emsigen Mitarbeiter in der Bosestraße zu werden, das kommende Jahr noch erfolgreicher zu gestalten, als das verflossene.

Mehr Bach im Bach-Archiv Online
www.bach-leipzig.de


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