50 Jahre Pop floppt - Die Zweite: Leipzig möchte keine Jahrhundertshow
Daniel Thalheim
31.01.2012
Bild: HDTV Entertainment
Der erste Versuch klappte schon nicht. Nun floppt der zweite. "50 Jahre Pop" will anscheinend keiner in Leipzig sehen. Woran kann das liegen, fragt sich Medienmann Holm Dressler. Lag es an der hochkarätigen Besetzung? An der mangelnden Werbung? Oder am schwindenden Interesse? Oder gar am Format?
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Am 31. Januar teilte das Büro von Holm Dressler mit: "Auch der zweite Anlauf, in Leipzig eine große Fernsehshow zu '50 Jahre Pop' zu produzieren, hat nicht geklappt." Der Geschäftsführer von "Holm Dressler Television GmbH" ist nach eigenen Worten "fassungslos" über das nicht vorhandene Interesse der Leipziger. "Selbst eine derart hochkarätige Besetzung an nationalen und internationalen Popstars, wie sie für den 3. und 4. Februar angesagt war, findet bei den Bewohnern der Bach-Stadt keinerlei Resonanz", gibt sich der Veranstalter resigniert.
Mit dem zweiten Anlauf setzte das Team um Holm Dresseler noch weniger Karten als beim ersten Mal ab. 209 verkaufte Tickets für die beiden Shows am kommenden Wochenende. 2011 gingen noch knapp 2.000 Billetts an Mann und Frau. "Damit wäre nicht einmal der 'Goldene Krug' in Hintertupfing zur Hälfte gefüllt gewesen", schimpft Dressler. Weiter heißt es von ihm: " 'Es wurde zuwenig Werbung gemacht!', höre ich viele sagen. Ich weiss nur, dass in Leipzig 200 Litfasssäulen, 100 Kulturflächen, das Strassenbahnfernsehen, die große Video-Leinwand vor dem Hauptbahnhof und die Citylight-Kästen darin mit unseren bunten Logos für die Popshows nicht zu übersehen waren."
Und ein großer, ebenfalls unübersehbarer Artikel in der LVZ möchte man fast hinzufügen, der trotz seiner Größe letztlich auch keine Überzeugungskraft entfalten konnte.
Kommt das Aus für die Show? - "50 Jahre Pop" floppt zum 2. Mal in Leipzig.
Bild: HDTV Entertainment
Waren es die Kartenpreise? "Sorry, Leute, aber 50 Popstars zum Nulltarif kann nicht funktionieren. Und zwischen 40 und 70 Euro sind dafür nicht zuviel, denke ich. Zumal die teuersten Karten noch am besten verkauft wurden. Nein, Freunde, es liegt eindeutig an meinem Festhalten am Veranstaltungsort Leipzig! Keine Ahnung, warum das so ist! Ich selbst wollte es beim ersten Mal nicht wahrhaben", meint Dressler.
Wäre er mit seiner Show in Oberhausen und Frankfurt besser aufgehoben gewesen, fragte man in seinem Team. Kann man in Leipzig - Bachstadt, Kulturstadt, Szenestadt, Kabarettstadt, Sportstadt, Buchmessestadt - eine Popshow im Großformat veranstalten?
Kann man eigentlich, wenn man eine Dimension kleiner denkt. Eine singende Pop-Schnute wie Kylie Minogue lockte bei ihrem jüngsten Auftritt in Leipzig im April 2011 nur knapp über 5.000 Zuschauer in der Arena. Nur Kiss und Rammstein schafften es gemeinsam mit Mario Barth die Arena oder die Sportschüssel daneben komplett auszufüllen. Oder Herbert Grönemeyer. Wenn es aber um die Sternschnuppen aus den Hitparaden geht, wird es schwierig. Chris Norman, Midge Ure, No Angels und Die Prinzen wären mit von der Partie gewesen. Sogar an die ostdeutschen Rocker hatte man gedacht: City, Die Puhdys und Petra Zieger & Band hätten ihre Lieder gesungen. Oder eben auch bekannte Popsternchen wie Holly Johnson von Frankie goes to Hollywood. Oder Boy George - erinnert sich jemand noch an Culture Club? Oder gar Marc Almond?
Die Leipziger Ignoranz gegenüber "50 Jahre Pop" zwingt Holm Dressler und sein Team zur Aufgabe. Einen dritten Versuch wird es wohl nicht geben. Nicht einmal ein Trojanisches Pferd mag sich Holm ausdenken, kein Weg hinein für dieses Format in dieser Stadt. "Denn mit nur 209 verkauften Tickets und einem daraus resultierenden Umsatz von ca.15.000 Euro kann man keine Popstars, keine Halle, keine Dienstleister bezahlen. Und auch wenn über die TV-Lizenzen für Deutschland und über die ausländischen Fernsehsender nach den Shows noch erhebliche Einnahmen zu erwarten gewesen wären!" Dabei glaubten so viele an die Show um die Geschichte der Popmusik des 20. Jahrhunderts.
"Freunde und Medienpartner wissen, mit welcher Leidenschaft und Hingabe ich diesen zweiten Anlauf unternommen habe. Mein besonderer Dank gilt MDR 1 Radio Sachsen, aber auch MDR 1 Radio Thüringen und Radio Sachsen-Anhalt! Sie haben beide rund um die Uhr die Popshows beworben! Mein größter Dank gilt natürlich dem ZDF und 3sat, die mit unerschütterlichem Glauben an den Erfolg bis zuletzt an meiner Seite gestanden haben", so Dressler in seiner Mitteilung. Aber wenn für den 3. Februar nur 75 Karten, für Samstag, den 4. Februar 82 Karten und an Kombi-Tickets 52 verkauft wurden, kann man eben höchstens die Moritzbastei füllen, nicht die Arena. Ebenso wenig den Kohlrabizirkus, wo die Show am 3. und 4. Februar hätte stattfinden sollen.
Vielleicht überschätzt Holm Dressler sogar die Leipziger Medien, wenn er sagt: "Ich sehe schon die Leipziger Medien mit 'Pop-Flopp'-Schlagzeilen auf mich einschlagen, doch liebe Kollegen der schreibenden Zunft, erklärt mir bitte, warum ich mit meinen 50 Popstars von Anfang an das Gefühl hatte, in Leipzig nicht willkommen zu sein!"
Doch spätestens hier merkt der findige Leser dann doch auf. Wen meint der Mann und wer sei daraufhin Schuld, dass sein gerade eben noch als durch eine breite Medienlandschaft promotetes Festival beschriebenes "50 Jahre Pop"-Spektakel den Bach hinunter rollte? Erwähnt wurde er und seine Veranstaltung oft genug, so dass sich andere Veranstalter schon ein wenig wunderten. Wenn skeptisch, dann vielleicht schlicht journalistisch abwägend, wo Dressler vielleicht erwartete, dass ob der aufgebotenen Namen die schreibende Zunft vor Ehrfurcht erstarrt und nur noch die üblichen Promo-Zeilen hervorstammeln würde? Man weiß es nicht. Die Zeilen jedoch sprechen von großer Enttäuschung nach einem geplatzten Vorhaben.
Vielleicht ist es auch einfach nur das Format, welches im offenbar angesprochenen Großraum Leipzig schlicht keinen Zuspruch findet. Warnende Stimmen jedenfalls hatte es gegeben, natürlich nicht von involvierten Veranstaltungspartnern. Und da gibt es diese Eigenart der Messestädter, die sich Neuleipzigern nicht immer gleich erschließt. Der Leipziger lässt sich erfahrungsgemäß ungern etwas laut erzählen oder überstülpen. Er lernt selbst kennen und entscheidet.
Vielleicht überzeugten weder Format noch die marktschreierische Präsenz um ein Ereignis in Medien, die eher vom älteren Publikum wahrgenommen werden. Aber Dressler möchte Leipzig treu bleiben. "Ich liebe Leipzig und ich bin gerne in der Stadt!" Aber dann lieber ohne "50 Jahre Pop".
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