800 Jahre Thomana: Forum Thomanum feiert mit rund 360 Veranstaltungen an 18 Orten
Daniel Thalheim
03.01.2012
800 Jahre Thomana startet am 6. Januar 2012 und endet am 12. Januar 2013.
Foto: THOMANA 2012 | Fotograf: Dirk Brzoska
"Olympia ist weg, Thomana ist da", sagte Pfarrer Christian Wolff, als die Leipziger Olympiabewerbung für 2012 vom Tisch war. Erinnert man sich noch? Ex-Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee fiedelte 2004 dafür sein Cello. Aus der Bewerbung wurde nichts, aber die 2004 konzipierten "800 Jahre Thomana" stehen.
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Das kann man üppig nennen. Rund 360 Veranstaltungen verteilen sich von 2012 bis 2013 auf 18 Veranstaltungsorte und über 130 Seiten des kostenlosen Programmbuches. Es geht los. Thomaspfarrer Wolff hält einen Zettel hoch. Darauf steht die erste Vision als Werbeflugblatt geschrieben. "One Bach Family - 2012 - Feiern Sie mit uns: 800 Jahre Thomaskirche, 800 Jahre Thomanerchor, 800 Jahre Thomasschule".
"Kann sich jemand noch an den 18. Mai 2004 erinnern?", fragte der Thomaspfarrer in die Presserunde, die sich am Vormittag des 3. Januar in der Thomaspfarrei versammelte. So richtig wusste niemand mehr, was damals geschah. Wolff klärte auf und erzählte, wie er zum damaligen Oberbürgermeister von Leipzig, Wolfgang Tiefensee, nach dem Scheitern von Leipzigs Olympia-Bewerbung gesagt haben soll: "Keine Sorge, wir haben das Ersatzprogramm."
Detailliert, informativ, bunt: Das Programmbuch zu 800 Jahre Thomana.
Foto: THOMANA 2012/Presse
Erste Plakate wurden rings um die Thomaskirche aufgehangen, erinnerte sich der Thomaspfarrer. "Das, was wir damals im Kopf hatten, haben wir einigermaßen verwirklichen können", so Wolff weiter. "Keiner hat damit gerechnet, dass so viel von dem, was damals als Vision vorhanden war, sich hat realisieren lassen." Jetzt steht das Jubiläum des Thomanerchores, der Thomaskirche und Thomasschule - als Dreiergestirn "Thomana" genannt. Pfarrer Wolff lenkte aber schnell die Aufmerksamkeit auf das Programmbuch zurück. "Das Programm ist das Ergebnis aus einer dreijährigen Zusammenarbeit verschiedener Institutionen", wusste Wolff, der seit 1992 Thomaspfarrer in Leipzig ist und aus Düsseldorf stammt.
"Im Prinzip ist alles vorbereitet und steht", erklärte er weiter. In dem Programm "800 Jahre Thomana - Jubiläum 2012 Leipzig" kann der Besucher im Detail und in einer chronologischen Übersicht erspähen, erforschen und erkunden, wo was und wie oft stattfindet. Alle Angebote wurden auch im Internet veröffentlicht. Im sozialen Netzwerk "Facebook" hat man auch eine Seite, aber junge Leute scheine man außer aus dem Umfeld des Thomanerchores mit dieser Initiative nicht zu erreichen. Die dortigen Statistiken sprächen eine eindeutige Sprache. Dafür könne der Interessierte auch mit Handy und Tablet-PCs auf die Homepage von "800 Jahre Thomana" zugreifen.
Im Druckformat findet man auch die Grußworte von Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung, Thomaskantor Georg Christoph Biller und Thomaspfarrer Christian Wolff. Ein Interview mit dem Thomaskantor ist ebenfalls im Programmbuch enthalten. Ausführlich geschriebene Texte über die Geschichte der "Thomana" befinden sich ebenso im Buch wie Erläuterungen zum Jubiläum des Hospitals Sankt Georg. 2012 feiert es ebenfalls sein 800-jähriges Bestehen. Aber beide Ereignisse wurden nicht miteinander verknüpft.
Wolff erklärt, warum das nicht funktionieren würde: "Darüber haben wir lange nachgedacht. Wir haben entschieden, beide Ereignisse voneinander zu trennen, weil es schwierig wird, beide Jubiläen in Einklang zu bringen. Es gibt aber keine Konflikte zwischen der Thomana und dem Krankenhaus Sankt Georg. Die Trennung erfolgte deshalb, weil wir kein gemeinsames Motto finden konnten und es nach außen schwer zu kommunizieren ist." Deswegen fehle auch das am 20. März 1212 gegründete Hospital im Reigen der Veranstaltungsorte.
Künftige Besucher anderer Einrichtungen wie Gewandhaus, Universitätsbibliothek, Bach-Museum, Commerz-Bank, Moritzbastei und vielen weiteren sehen ebenfalls, was in Leipzig im "Thomas-Jahr" los ist. Zum Beispiel auch, dass sich die "Prinzen" mit dem Thomanerchor, Gewandhausorchester und Vokalensemble amarcord zum Bürgerfest am 21. März im Neuen Rathaus einfinden werden. Doch nicht täglich fände etwas statt. Vieles balle sich in den drei Festwochen. Dazu kämen noch die regulären Veranstaltungen der Thomaskirche.
Die drei Festwochen erstrecken sich im März, September und Ende Oktober bis Anfang November 2012. Selbst das diesjährige Bachfest steht unter dem Motto "800 Jahre Thomana". Übers gesamte Jahr verteilt gibt es auch eine Vortragsreihe zur Geschichte der Thomana. Den Anfang macht Universitätsprofessor Enno Bünz, der im Gemeindesaal des Matthäi-Hauses am Dittrichring am 9. Januar auf die politischen Hintergründe der Gründung des Augustinerchorherrenstiftes im 13. und 14. Jahrhundert eingehen wird.
Musikalisch geht es schon am 6. und 7. Januar in der Thomaskirche los, wenn Festgottesdienstmusik und Kantaten zum Verweilen einladen. Einen Festakt gäbe es im März auch. Ob der derzeit amtierende Bundespräsident Christian Wulff dann noch im Amt ist, vermochte keiner in der Runde zu spekulieren. Für die Festrede am 20. März soll er zugesagt haben. Auch ohne ihn soll das Festjahr aufdrehen.
"Mein persönlicher Wunsch ist, dass wir mit der hier gespielten Musik eine stärkere Fundierung ins städtische Leben hineinbringen können. Das sind die Wurzeln, woraus unser tägliches Handeln entspringen muss", sagte Wolff abschließend und fragte, woher die Leichtfüßigkeit in der Politik käme, die sich aktuell zeige. "Das Forum Thomanum ist da nur ein kleiner Wurzelzweig für ein stärkeres Fundament."
Gleichzeitig verweist der Thomaspfarrer auf die niedrigschwelligen Preisangebote und kostenlosen Veranstaltungen im gesamten Kirchenjahr der Thomaskirche. "Wir wollen diese Musik im besten Sinne popularisieren." Er beschrieb, dass früher die Leipziger auch wegen der Musik zum Gottesdienst gekommen wären. "Das war Pop!"
Ob das die Besucher des Thomana-Festjahres auch so sehen, können sie nur vor Ort feststellen. Das Programm könne man jederzeit im Thomasshop kostenfrei mitnehmen. Eine Zusendung für eine Schutzgebühr von 5 Euro könne auch erfolgen. Bis Januar 2013 kann man mit dem informativen Hilfsmittel die zahlreichen Ausstellungen, Konzerte Vorträge besuchen. Vieles bei freiem Eintritt oder mit einer Spanne von 2 bis 52 Euro.
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