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Neu im Plattenregal: Ein Kraftklub besingt das "K"

Daniel Thalheim
Versaute Discos, leere Straßen, Nein zu Berlin: Kraftklub aus Chemnitz.
Versaute Discos, leere Straßen, Nein zu Berlin: Kraftklub aus Chemnitz.
Bild: Tim Kloecker / Universal Music
Knapp 53.000 Leuten gefällt das auf Facebook. Ausverkaufte Shows, Kraftmeier-Texte und "Platte des Monats". Das klingt nach einem englischen Import von der Insel. Falsch und richtig gedacht. Kraftklub ist kein reines britisches Echo. Aber irgendwie schon. Kraftklub kommt aus Sachsen. Unverbraucht, frisch und frech rocken die fünf Chemnitzer auf ihrem Debüt. "K" heißt der 45-Minüter. Ist Kraftklub zu jung für Rock'n'Roll?

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Kraftklub: K

Hastig, punktgenau, schlagfertig und eingängig. Klingt so eine Gruppe, die erst seit zwei Jahren gemeinsam musiziert und aus dem "Osten" kommt? Die Musikzeitschrift "Tonspion" mag das nicht so recht glauben. Als "Lichtblick beim jüngsten Bundesvision Song Contest" bezeichnete das Onlinemagazin die Klänge aus der Stadt mit dem Karl-Marx-Kopf.

"Loses Mundwerk" wird der Band auch bescheinigt. Das passt auch zum Bandnamen. Kraftklub klingt nach Muckibude, nach Karl-Marx-Stadt und gar nicht nach Kraftwerk. Auch wenn es "Zeit Online" nervt: "Unverbraucht", heißt es bei der Musikzeitschrift "Visions". Dort wurde "K" zur Platte des Monats gekürt. Wenn auch nicht viel Neues erklingt. Aber wenigstens brennt England wieder einmal auf einer deutschen Langrille wie lange nicht mehr. Man kennt das ja. Der Blick zur Inselmusik war schon immer die große Schwäche der Deutschen.

"K", seit 20. Januar 2012 im Handel.
"K", seit 20. Januar 2012 im Handel.
Bild: Universal Music
Auf "K" soll auch mehr sein als das rot-weiß-blaue "Made in U.K"-Markenzeichen. Rap erklingt im Wonnestück "Kein Liebeslied" durch. Mehr auch in den lyrischen Ergüssen der Band. Beschreibungen ja, keine Wertungen. Kein erhobener Zeigefinger frei nach dem Motto: Seht mal her, im Osten sind nur Verlierer unterwegs. Zieht die Mauer wieder hoch, hier wird eh nichts.

Falsch gedacht. Kraftklubs Texte lassen das schmutzige Leben auf der Straße vorm geistigen Auge aufblitzen. Irgendwo zwischen Klubkultur, Arbeitslosigkeit, fehlenden Perspektiven, leeren Discos, Jugend, Lebensmut und dem Hereinkommen ins Konzert um jeden Preis - wenn es auch nur mit dem Fotoapparat ist oder über die Gästeliste.

Der Fünfer verweigert sich der Hauptstadt. Kraftklub sträubt sich gegen das Zeitungsrascheln, das bei Kraftklub Begriffe wie "Senkrechtsstarter", "Durchstarter" und "Newcomer" aufleuchten lässt. Was ist dran, wenn bei Felix Brummer, Karl Schuman, Till Brummer, Steffen Israel und Max Marschk ihr Sex-Appeal in engen Hosen anschwillt, sie unbekümmert "Wir sind deine neue Lieblingsband" postulieren. Das meinen sie nicht ernst. Auch nicht, wenn sie ausrufen "Wir sind nicht wie die anderen Bands".

Da können sich die von ihrer Plattenfirma "Universal" beschriebenen "tanzbaren Gitarrenrhythmen" schnell als Dauerzappler entpuppen. Zwei, drei Schweinegriffe am Gitarrenhals, ein Viervierteltakt, ein stampfender Beat - Kraftklub steht unter Strom. Inselmusik eben. Nichts Neues, aber den Nerv der Zeit treffend. Wieder einmal. Deutsch gesungen, angriffslustig und mit viel Bock auf "K".

Klingt kraftvoll, ist es auch. Ganz ohne "Kraft meiner Hühnersuppe", "Mus-Kellen" und genörgeltem Geschwafel aus dem hohen Norden. Aus Chemnitz überraschenderweise, das nach "K" eigentlich "Kemnitz" heißen müsste.

Kein Wunder, die Brummer-Brüder heißen eigentlich Kummer. Sie sind die Söhne von Jan Kummer. Kummer ... wer? Kenner wissen: AG Geige rollte in den Achtzigern die DDR-Musik auf wie kalte Butter das frische Brot. Kummer rollte mit. "K" ist ganz frei nach Kraftklub so zu verstehen: Das Ritalin ist abgesetzt. Der Osten kommt - musikalisch.

Veröffentlichungsdaten

Album: K
VÖ: 20. Januar 2012
Label: Universal Music
Webseite: www.kraftklub.to

Offizielles Video "Zu jung"



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