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Rock-Revival beim L.E.Band: Im Leipziger Villakeller röhrten die E-Gitarren auf

Daniel Thalheim
Überraschung des Abends: Do I Smell Cupcakes?
Überraschung des Abends: Do I Smell Cupcakes?
Foto: Daniel Thalheim
Lange Haare, Karohemden, Bärte und E-Gitarren sah man lange nicht mehr in den Clubs. In Leipzig haben sich zwei Veranstalter einfach gedacht, zwei Konzerte zu einem zu machen. So buhlten am 27. Januar im Leipziger Villakeller sechs Bands um die Gunst der jungen Besucher. "L.E.Band Classic Rock Night" hieß das Motto.

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Den Ort kann man eigentlich nicht verfehlen. Sobald es an einem Kellerfenster in der Leipziger Lessingstraße laut dröhnt, muss etwas los sein. Kellerparty? Nicht ganz. Der Villakeller lädt zum Konzert. Die Konzertreihe "L.E. Band" startet ins neue Jahr - das heißt Nachwuchsarbeit für Mitveranstalter Dirk Tschentscher-Trinks. Am Abend des 27. Januar beginnt der Abend besonders pünktlich.

Die Leipziger "Kulturlounge" packt zum Konzert noch zwei junge Bands aus Magdeburg und Berlin. Nun verkürzen sich die Auftritte der übrigen Formationen. Dem jungen Publikum stört es nicht. Beginnt die Berliner Truppe mit dem besonders langen Namen um 20 Uhr ihr Konzert. "Do I Smell Cupcakes?" nennt sie sich. Ein Name, bei dem sogar Sänger Kevin Traeger seine Probleme hat, wie er zwischen zwei Songs lächelnd bemerkt.

In My Days sorgte für Zustimmung.
In My Days sorgte für Zustimmung.
Foto: Daniel Thalheim

Die musizierenden Napfkuchen bringen die Anwesenden nicht mit Omas Backrezepten aus dem Häuschen. Ihr Fragezeichen bleibt nicht lange im Raum stehen. "Do I Smell Cupcakes?" mischt einen Teig aus verschiedenen Einflüssen, scheut auch nicht davor, Blechblasinstrumente hinzu zu tun. Die Band surrt mit seinem soeben veröffentlichten Debüt "Springs" umher. Es ist nicht ihre erste Veröffentlichung. Unter Eigenregie warfen die Napfkuchen 2008 mit kürzeren Longplayern mit den Namen "Access to Entries", und "Pillow" um sich. Das Konzert geht weiter. Leider zu kurz für viele Anwesenden. Mädchen jubeln der Band zu. So mancher ruft nach "Zugabe!".

Umgebaut wird schnell. Nur keine Zeit verlieren. Doc Foster Band nennt sich das auf ein Trio geschrumpfte Quartett. Der zweite Gitarrist Maik Hummel ist nicht da. Ohne ihn erscheinen die sonst so melancholisch dahintreibenden Songs amputiert. Ihr Flirt mit Country, Folk und Rock mag an dem Abend nicht so richtig zünden. Drei Alben hat die Band schon auf dem Kerbholz. Ihr jüngstes Lebenszeichen hört auf den Namen "Wolf". Die Doc Foster Band machte seitdem noch mit zwei weiteren Veröffentlichungen von sich Reden. Doch das Publikum hält sich mit seinen Reaktionen zurück. Der überspringende Funken fehlt.

Live beim L.E.Band-Konzert 2012: Fire In The Backyard mausert sich.
Live beim L.E.Band-Konzert 2012: Fire In The Backyard mausert sich.
Foto: Daniel Thalheim

Das Eis taut schnell auf, als das Feuer im Hinterhof entzündet wird. Fire In The Backyard heißt das Leipziger Trio, das seine Instrumente an die Verstärker anschließt. Bassist und Sänger Markus Hellriegel, Gitarrist Dustin Wagner und Tino Pfundt lassen sich erst einmal Zeit. Der Sound muss stimmen. Dabei können sie Villa-Techniker Daniel Lichtenberger ruhig vertrauen. Der Knagge-DJ versteht es, dass die Ohren nicht annähernd knacken. Auch wenn es aus den Boxen ordentlich brummt.

Das im Mai 2010 gegründete Trio orientiert sich an amerikanische Rockbands, die den Wüstenstaub schon zum frühen Morgen gurgeln: Queens of the Stone Age, Foo Fighters, Soundgarden, Kyuss. Entsprechend erdig geht es in den Songs der Hinterhof-Abfackler ab. Rock'n'Roll ist für die drei Musiker kein Fremdwort. Das denken auch die Gäste, die die Show von Fire In The Backyard zum ausgelassenen Tanzen und Umherhüpfen nutzen. Jubel bleibt nicht aus.

Fliegender Wechsel auf der Bühne. Aus Magdeburg kommt "In My Days". Ganz anderes Kaliber, schießt es einem durch den Kopf beim Betrachten der Musiker. Dicke Gitarren, Topfhaarschnitte, enge Hosen. Brit Pop der erste Gedanke. Sänger, Songschreiber und Gitarrist Dennis Zwickert, der zweite Gitarrist Steven Samsel, Bassisten Charly Schröder und Drummer Tino Finke kamen schon viel rum in den vergangenen drei Jahren ihres Bestehens.

Zu ihren größten Erfolgen zählt die Teilnahme am Local-Heroes Landesfinale in Sachsen-Anhalt 2010 und 2011 und der zweimalige Gewinn des pop10 Acoustic Awards. Zahlreiche Festivalauftritte und Radioauftritte komplettieren ihre Konzertgeschichte, die die Band in einer langen Auftrittsliste versammelte. Derzeit nimmt "In My Days" ihr erstes Album auf. Kostproben gibt es auf ihrer "Facebook"-Seite. Herzschmerz mit E-Gitarren auch beim Auftritt im Villakeller, der vor allem vom "schwachen Geschlecht" ziemlich gut aufgenommen wird.

Bluesrock aus Torgau: Footsteps kommt im Februar mit neuer Scheibe rum.
Bluesrock aus Torgau: Footsteps kommt im Februar mit neuer Scheibe rum.
Foto: Daniel Thalheim

Nichts für Mädchen ist "Footsteps". In welche Fußstapfen das langhaarige Trio tritt, wird jedem beim Hören ihrer Songs klar: Brummender Bluesrock aus den Südstaaten der USA dröhnt aus den aufgestellten "Marshall"-Boxen. Jimi Hendrix, Lynyrd Skynyrd oder Stevie Ray Vaughan sollte man im Hinterköpfchen haben, wenn man zu einem Footsteps-Konzert geht. Lucas Fiege, Marius Gebhardt und Hendrik Herder geht es darum, den totgesagten Bluesrock wieder Leben einzuhauchen. Das gelingt ihnen auch bei ihrer Villakeller-Show. Wer die Truppe beim Rock'n'Roll-Overdose-Festival sah, kann sich zwar an größere Scharen von Blues-Freunden erinnern. Doch was sind ein paar wenige, standhafte Gemüter zur fortgeschrittenen Stunde, wenn doch bald ein weiteres Studioalbum ums Eck spaziert kommt? Kein großes Ding, kommentiert die Band seit Frühjahr auf ihrer Homepage. Man spielt einfach weiter.

Je weiter die Nacht voran schreitet, umso undankbarer auch ein Auftritt. The Core übernimmt die Aufgabe des Rausschmeißers. Dabei frönen die Musiker aus Gera seit 2008 ebenso druckvoll dem Bluesrock wie ihre Kollegen von Footsteps. Sie hätten sicher einen Auftritt zu früherer Stunde verdient. Durchhaltevermögen ist jedenfalls da. Das dürfte vor allem die Leipziger Blues-Szene freuen. Der Nachwuchs ist schon längst in den Fußstapfen der großen ostdeutschen Acts angekommen.

Fabian Hentschel, Clemens Reichmann, Lukas Hauser und Alexander Strenge bewaffnen sich mit Hammond-Orgel, Bass, Schlagzeug, E-Gitarre und Gesang und werden noch ihren Auftritt beim diesjährigen Bandclash-Auftritt im Werk 2 vor einer Woche im Gedächtnis haben. Dort gewann der Vierer den Zutritt zum Bandclash-Landesausscheid, der im März im Anker stattfindet. Dann könnte der Zuschauerzuspruch sicher größer sein als am 27. Januar.

Den Februar sollte man als Motto-Konzertgänger auch im Blick haben. Bei "L.E.Band" drehen am 17. Februar besonders harte Burschen auf: Death-Core heißt es mit Beyond the setting Sun, A Dawnless Day, Relive your Fall und Your Redemption im Villakeller. Am 24. Februar ist das Thema "L.E.Band" ganz der Weiblichkeit gewidmet. Molllust , After the silence und Canterra stehen auf dem Programm. Für knapp 5 Euro Eintritt kann man dabei sein.

Mehr Veranstaltungen rund um Theater, Musik und Bildung auf der Villa-Seite:

www.villa-leipzig.de


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