Soap &Skin im Centraltheater: Musikdramaturg Christoph Gurk über eine polarisierende Künstlerin
Daniel Thalheim
19.03.2012
Mit "Narrow" am 2. Mai 2012 erneut in Leipzig - Soap&Skin.
Bild: soapandskin.com
Anja Plaschg heißt die junge Österreicherin, die mit ihrer Musik und ihrer Person die Meinungen in Für und Wider teilt. Was ist an der Künstlerin dran, die als "Soap&Skin" bei Konzerten weiße Lilien verteilt, gestandene Musiker und Kritiker begeistert. Auch Musikdramaturg Christoph Gurk ist gespannt, was "Soap&Skin" am 2. Mai im Centraltheater bieten wird. Ihr neuestes Studioalbum "Narrow" verspricht schon einmal eine Fortsetzung ihres "Lovetune for vacuum".
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Herr Gurk, das jüngste Konzert von Anja Plaschg liegt schon ein paar Jahre zurück und war im Centraltheater mit einer ausverkauften Vorstellung sehr erfolgreich. Was ist an der Musik von Soap&Skin so faszinierend?
Ich kenne kaum eine Künstlerin aus dem deutschsprachigen Raum, schon gar nicht in ihrem Alter, die auf Anhieb, in mancher Hinsicht aus dem Nichts, eine so kohärente Ästhetik entwickelt hat. Sie nimmt keine Umwege, um ihre künstlerischen Ziele zu erreichen. Und man glaubt, in jedem Moment den existentiellen Einsatz in ihrer Musik zu spüren.
Selbst gestandene Musiker wie Jonathan Donahue von Mercury Rev und Peter Murphy von Bauhaus sind begeistert von der österreichischen Musikerin. So der Anschein beim Tribut für Nico 2009 in Italien. Nach nur einem Album. Scheinbar ist da noch mehr als "nur" Musik?
Ich kann von hier aus schwer beurteilen, aufgrund welcher Motivationsgrundlage sich die zwei genannten Künstler für die Musik von Soap&Skin begeistern. Das ist eine Frage, die an Jonathan Donahue und Peter Murphy zu richten wäre. Grundsätzlich halte ich es für legitim, dass jemandem eine Künstlerin gefällt, die nur ein Album veröffentlicht hat. Sicher ist da, wie immer bei Protagonisten aus dem Bereich Popkultur, mehr als Musik. Im Fall von Soap&Skin ist es sicher ihre Ausstrahlung, meinetwegen auch ihre Aura, die Ambivalenz von Verletzlichkeit und Unnahbarkeit, mit der sich viele Menschen identifizieren können.
"Narrow" heißt das zweite Studioalbum von Soap&Skin.
Bild: soapandskin.com
Wie war es eigentlich für Sie persönlich, als Soap&Skin 2009 auf der Centraltheaterbühne stand?
Erst einmal habe mich gefreut, dass es uns gelungen ist, der immensen Nachfrage gerecht zu werden und das Konzert von der ausverkauften Skala ins Centraltheater zu verlegen. Es gibt nicht viele Intendanten, die bereit sind, so etwas zu ermöglichen, und dafür sogar eine Repertoirevorstellung opfern. Da dieser Erfolg doch überraschend kam, habe ich mich vor dem Konzert gefragt, ob die Künstlerin den hohen Erwartungen gerecht werden und diese Herausforderung meistern kann. Das ist ihr gelungen.
Es gibt Kritiker, die Anja Plaschg eine stimmliche Nähe zur Ex-Velvet-Underground-Sängerin Nico bescheinigen. Macht es Anja Plaschg einem so einfach?
Da haben die Einflüsse viele Künstlerinnen ihre Spuren hinterlassen. Sieht man einmal von der Tatsache ab, dass Soap&Skin im Jahr 2009 an mehreren Tributveranstaltungen für die ehemalige Sängerin von Velvet Underground teilgenommen hat, finde ich eigentlich nicht, dass ihre Musik übermäßig an Nico erinnert. Ihre Stimme ruft in mir mehr Reminiszenzen an Sängerinnen wie Catpower wach, um nur ein Beispiel zu nennen.
Nicht immer hagelt es Lob. Was kann man von Kritiken halten, die Plaschg eine gewisse kalkulierte Selbstinszenierung vorwerfen?
Ich finde es nicht problematisch, sondern halte es für eine Stärke, wenn eine Musikerin die Kunst der Selbstinszenierung beherrscht. Nur so kann eine Interpretin eine Substanz entwickeln und ihren Anliegen eine Dauerhaftigkeit verleihen.
Viel Neues bietet Soap&Skin auf ihrem aktuellen Album auch nicht, oder?
Warum sollte man von einer Musikerin verlangen, sich mit jeder weitere Veröffentlichung neu zu erfinden? Neil Young hat über sein eigenes Werk einmal gesagt, das alles sei im Prinzip nur ein Song. Als Fan bin ich der letzte, der sich darüber beschweren würde. Im Fall von Soap&Skin finde ich es beeindruckend, wie sie auf ihrem aktuellen Album ihr Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten erweitert und so ihren Ansatz konsequent weiterentwickelt hat.
Polarisiert Soap&Skin noch?
Offenbar schon, sonst würden Sie nicht solche Fragen stellen.
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