Große Fußstapfen: Dicke Schwarten und Bärte wie 1969
Daniel Thalheim
08.04.2012
Sechziger und Siebziger in Rauch und Schwaden: Footsteps auf der Bühne.
Bild: Footsteps/Presse
Wohin ist die Ästhetik der vergilbten 8-Millimeter-Filme verschwunden, die ein Woodstock-Festival erst so richtig lebendig macht? Heute muss alles so klar, sauber und bereinigt erscheinen. Das digitale Zeitalter - der große Gleichmacher. Dabei geht es anders. Röhrenverstärker angeschaltet, aufgedreht und raus mit dem Blues.
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Drei junge Männer gingen einfach in ein Studio, verbrachten ein paar Wochen drin und kamen mit langen Haaren und Vollbärten wieder heraus. Sie brachten ein Album mit, das wie ein mit Absinth gefülltes Glas grün glänzt und auf den Namen "Further" hört. Zwei Wochen Arbeit, und schon hat Footsteps aus Leipzig und Torgau die Quintessenz des Bluesrock in ein Scheibchen gegossen. Das kann sich hören lassen.
"Further" reist mit seinen Zuhörern wieder direkt in die Jahre 1967 bis 1969, als die Rockmusik gerade ihre Unschuld verlor, The Beatles beinahe Geschichte waren, The Rolling Stones für Furore sorgten und neue Gruppen wie Cream, Black Sabbath, Led Zeppelin und Deep Purple Rockmusik ein neues Lebensgefühl einhauchten. Irgendwo dazwischen verortet sich Footsteps. Die drei Rocker treten in die Fußstapfen der ganz Großen in der Rock'n'Roll-Welt und haben keine Mühe, sie auszufüllen.
Design wie 1969: "Further" ist das zweite Album der Leipziger.
Bild: Footsteps/Presse
"Ich denke, das hängt stark mit unserer Sozialisierung zusammen. Wir sind mit dieser Musik aufgewachsen", sagt Bassist Hendrik Herder zu Klang auf "Further". Gereifter sind sie geworden, schreiben kompaktere und härtere Songs. Das tut dem Gesamtbild der Scheibe gut. Wenn auch "Härte" im Bluesrock heute noch anders definiert wird, als bei den unzähligen Schwermetall-Barden.
Bei den laut röhrenden und stampfenden Rhythmen auf "Further" fällt nicht auf, dass Sänger Marcus Fiege noch nicht den warmen und vollen Klang in seiner Kehle hat, der beim Blues für Lebenserfahrung und Lebensgefühl steht. Das aber kann nicht den Hörgenuss schmälern. Lieder wie "You better watch out", "Space girl" und "Trapped in the blues" atmen die Zeit, als noch Schlaghosen, lange Haare, Karo-Hemden und Vollbärte angesagt waren. Erlebniswelten, die die Musiker nur vom Hörensagen, aus Videos sowie Plattensammlungen kennen lernten und auf "Further" wieder beleben.
Footsteps ist eben eine Band, die auf die gute alte Schule steht. Ohne Schnickschnack und Umschweife brummen klare Ansagen aus den Boxen. Sowohl auf Konserve als auch im Konzertsaal. Eine Frühjahrstour führt das Trio quer durch die Bundesrepublik und am 17. Mai erneut die Villa. Vorbeischauen lohnt sich. Das Album "Further" kann man entweder beim Konzert direkt aus den Händen von Footsteps erhalten oder über ihre Internetseite bestellen.
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