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Am 6. Januar in der Thomaskirche: Jubiläumsjahr der Thomana endet mit Uraufführung einer "Missa brevis" von Krzysztof Penderecki

Redaktion
Der polnische Komponist Krzysztof Penderecki.
Der polnische Komponist Krzysztof Penderecki.
Foto: Bach-Archiv Leipzig
Mit einer "Missa brevis" von Krzysztof Penderecki endet die fünfteilige Reihe der vom Bach-Archiv Leipzig zum Jubiläumsjahr Thomana 2012 beauftragten Uraufführungen. Das Werk des polnischen Komponisten erklingt am Sonntag, 6. Januar, um 9.30 Uhr in der Thomaskirche zu Leipzig im Rahmen des Epiphanias-Gottesdienstes.


Der Thomanerchor Leipzig musiziert unter Leitung von Thomaskantor Prof. Georg Christoph Biller. Im Jahr 2012 wurden bereits Kompositionen von Georg Christoph Biller, Hans Werner Henze, Heinz Holliger und Brett Dean uraufgeführt.

Die 800-jährige Tradition der Thomaskirche, des Thomanerchores und seiner Kantoren ist eine Geschichte von Uraufführungen. Johann Sebastian Bach hat in seinen ersten Leipziger Jahren annähernd jeden Sonntag eine neue Kantate zur Uraufführung gebracht, aber auch viele seiner Vorgänger und Nachfolger im Amt des Thomaskantors schufen seinerzeit Werke für den berühmten Knabenchor. Vor diesem Hintergrund beauftragte das Bach-Archiv Leipzig als Partner der Thomana 2012 fünf zeitgenössische Festmusiken für die höchsten Kirchenfeste 2012/2013, die in ihrer formalen Anlage und ihrem Entstehungsanlass an die musikalische Tradition der Thomana anknüpfen.

Die fünf Auftragskompositionen wurden, bzw. werden im Rahmen des Festjahres 2012 an Ostern, Pfingsten, zum Reformationsfest und an Weihnachten, bzw. beschließend zu Epiphanias 2013 jeweils im liturgischen Rahmen des Festgottesdienstes uraufgeführt und regulär im Rahmen der traditionellen wöchentlichen Motette in der Thomaskirche wiederholt.

Mit der "Missa brevis" legt Penderecki seine erste Messkomposition für den liturgischen Zusammenhang vor (das "Polnische Requiem", 1980-2005 komponiert, besitzt einen völlig anderen Entstehungshintergrund). Das Werk für Kinderchor und Männerstimmen a cappella, die einzige Komposition im Zyklus der Festmusiken, die nur vokal besetzt ist, basiert auf einem früheren Stück Pendereckis, dem "Sanctus und Benedictus" für Kinderchor. Dieses entstand bereits 2002 und wurde nun um die drei Messsätze "Kyrie", "Gloria" und "Agnus Dei" zur Missa ausgeweitet.

Der polnische Komponist Krzysztof Penderecki.
Der polnische Komponist Krzysztof Penderecki.
Foto: Bach-Archiv Leipzig

Im Innern entfaltet Penderecki eine Reihe musikalischer Varianten, die den Gehalt des Messtextes plastisch erlebbar werden lassen. Die Satzfaktur etwa ist teils polyphones Geflecht, teils homophone Bündelung und kann damit einzelne Aussagen und Bitten intensiv ausgestalten oder auch kontextuell in den Vordergrund rücken. Der sehr gerade, passagenweise auch gezielt schlichte Zuschnitt des Stücks spiegelt sich in Pendereckis harmonischer Sprache: Punktuell durch leere Quinten archaisch anmutend, formuliert die Missa den alten Text vielfach im Rückgriff auf das traditionelle Dur-Moll-System - das in vielen Farben genutzt wird.

Neben Krzysztof Penderecki (Polen) beteiligten sich vier weitere namhafte Künstler unterschiedlicher Herkunft, Konfession und kompositorischer Auffassung an dem Uraufführungprojekt und bestätigten im Jubiläumsjahr der Thomana so den Ruf des Thomanerchores als Ensemble von Weltgeltung. Den Reigen der Festmusiken eröffnete am Ostersonntag 2012 eine Komposition des amtierenden Thomaskantors Georg Christoph Biller, ihm folgte zu Pfingsten 2012 die Uraufführung "An den Wind" von Hans Werner Henze (Deutschland/Italien). Nach Heinz Holligers "hölle himmel" zum Reformationsfest 2012 legte zuletzt Brett Dean (Australien/Deutschland) mit seiner Weihnachtsmusik "The Annunciation" Zeugnis ab von der musikhistorischen Bedeutung der Trias aus Thomanerchor, Thomasschule und Thomaskirche. Partner des Projekts sind der Leipziger Thomanerchor und das Gewandhausorchester zu Leipzig, ermöglicht wird es durch maßgebliche Förderung der Kulturstiftung des Bundes, der Ernst von Siemens Musikstiftung und des BMW Werks Leipzig.

Das Bach-Archiv Leipzig versteht sich als musikalisches Kompetenzzentrum am Hauptwirkungsort Johann Sebastian Bachs. Sein Zweck ist, Leben, Werk und Wirkungsgeschichte des Komponisten und der weit verzweigten Musikerfamilie Bach zu erforschen, sein Erbe zu bewahren und als Bildungsgut zu vermitteln. Die besondere Stärke des Bach-Archivs liegt in dem Perspektivenreichtum, den es im Zusammenwirken von Forschungsinstitut, Bibliothek, Bach-Museum, künstlerischem Betriebsbüro und Servicefunktionen auf eine der herausragenden Künstlerpersönlichkeiten der europäischen Kulturgeschichte richten kann.

Am Samstag, 5. Januar, um 15 Uhr gibt es in der Thomaskirche ein Komponistengespräch und eine öffentliche Probe zur Sechsten Festmusik / UA Krysztof Penderecki. Auf dem Podium: Krysztof Penderecki (Komponist), Thomaskantor Prof. Georg Christoph Biller, Dr. Christiane Schwerdtfeger (Dramaturgin).

Am Sonntag, 6. Januar, um 9.30 Uhr gibt es dann den Gottesdienst in der Thomaskirche mit der Uraufführung der Sechsten Festmusik "Missa brevis". Der Eintritt ist frei.



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