Volle Packung Wagner: Drei Theaterbriefe aus Bayreuth 2009 (3)
Karsten Pietsch
13.08.2009
Grüße aus Bayreuth
Foto: Karsten Pietsch
Erstmals Richard Wagner extra für Kinder. – Luftballons hängen am Theatereingang und ein Schild “Richard Wagner für Kinder“, der Namenszug als Autogramm. Zwar fand die Kinderoper “Der fliegende Holländer“ nicht im Festspielhaus statt, sondern auf Probebühne IV mit separatem Zugang, aber doch immerhin auf dem Theater-Areal des Grünen Hügels.
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200 Zuschauer haben hier Platz. Einige der 6 bis 10-Jährigen hatten schon Kostüme für das Stück entworfen. Die Schulen wurden ausgewählt, aus der Umgebung, aus Berlin und der Mainzer Gegend. Schon am ersten Tag sollen die 2.000 Karten weg gewesen sein. Nur wenige Erwachsene durften von den Kindern mitgebracht werden!
An der Längsseite sitzen die Zuschauer auf Kissen und Stufen dem Geschehen von Regisseur Alvaro Schoeck gegenüber, zwei Schiffe sind zu erahnen. Links in schwarzen Planen der Holländer, rechts die Kommandobrücke von Dalands Schiff, technisch auch für Ton und Licht ausgerüstet. Ein Seemann kommt und erzählt von der See, begegnet seinem Selbst als junger Mann, der einst auf Wache einschlief. Ein Herr im schwarzen Anzug sitzt da schon lange auf einem Podest und wartet ab, bis er dran ist. Es ist der Dirigent und musikalische Bearbeiter Christoph Ulrich Meier, der mit freundlicher Mimik seinen Musikern Achtungszeichen gibt. Es sind Damen und Herren der Kammerphilharmonie Leipzig.
Erik kommt als Jäger mit Teddybär in der Hand ins Spiel, zieht Senta am Pferdeschwanz. Ganz klar, dass sie ihrem Super-Star-Holländer folgen wird. Wohin? Eine Treppe hinauf, zu einem Fenster hinaus. Ein Schluss nach den Vorstellungen Katharina Wagners: „Das Ende bleibt offen, und das finde ich schön“, sagt sie, „vielleicht leben ja beide auch nicht mehr, und eventuell wird ja auch Erik erlöst“, meint Katharina Wagner.
Wenn das Schiff den Hafen verlassen will, singt der Matrosenchor. Links neben der Kommandobrücke erstrahlt ein grünes Positionslicht, seefahrtstauglich hätte das nach Steuerbord gehört, oder durch eine rote Glühlampe ersetzt. Aber wer will heute schon noch im Beruf zur See fahren ...
Für die Kleinen eine ganz große Show
Foto: Karsten Pietsch
Nach einer Stunde und 15 Minuten verlässt eine muntere Truppe das Theater, die jungen Leute dürften sich noch ewig an ihr erstes Bayreuth-Erlebnis erinnern. Erwachsene hatten auch ihr Erlebnis, und Profi-Sänger mit gutstudierten Holländer-Partien sollen schon die Akteure dieser gekürzten Fassung beneidet haben!
“Diese Holländer“-Fassung hat das Zeug, auf Tournee zu gehen und die Runde über die Spielpläne der Stadttheater zu machen. So sei sie auch der Oper Leipzig für eine kleine Spielstätte herzlich empfohlen.
In Bayreuth soll künftig immer ein Wagner-Werk, das gerade nicht im Festspiel-Plan steht, für Kinder aufbereitet werden. Produzent Alexander Busche meint aber: „Mit dem Venusberg im Tannhäuser dürfte es schwer werden!“. Dabei ist das doch auch nichts anderes als der Elfenreigen über Urgroßmutters Ehebett.
Kindgerechte Festspiele - empfohlen für Leipzig?
Foto: Karsten Pietsch
Neues am Gesamtkunstwerk Festspiel-Besuch
Ein Paar Bratwürste in der Steigenberger-Gastronomie am Festspielhaus kosten vier Euro, eine Kugel Eis zwei Euro. Das Gasthaus Kropf am Rande des Parks ist wieder geöffnet, unter neuem Wirt, wo der halbe Liter Mohren-Bier zwei Euro kostet, und sich Wagnerianer über die Besetzungen der Partien von vor 20 und vor 10 Jahren die Köpfe heiß reden. Nur Festspielsonntagsabend war die Wirtschaft geschlossen.
Im Stadtmagazin “Bayreuth 4U“ steht eine Liste “10 Gründe, warum du in diesem Jahr deinen Urlaub in Bayreuth verbringen solltest“. Nummer 1: “Wegen der starken Polizeipräsenz zu den Festspielen kannst du im August nachts über den Markt schlendern, ohne verprügelt zu werden.“ Freilich gibt es Radeberger Bier in der Festspielgastronomie, auch eine Art, Bayern und Sachsen in freundschaftlicher Verbindung zu sehen.
Neun Jahre Wartezeit haben Kartenbesteller, wenn sie jeden Herbst brav das Formular einsenden. Im Internet tauchen Kartenvermittler auf, die sich als “legaler Sekundärmarkt“ bezeichnen. Ein Kartenwiederverkäufer am Hügel wurde just in einem Nachrichtenmagazin beschrieben und zitiert, früher war er lautstark und sehr direkt, jetzt fragt er brav, ob man eine Karte übrig habe. Aber auch der wurde schon als Wagnerianer im Saal gesehen!
In der Public-Viewing-Übertragung auf Bayreuths Festwiese gab es nach der Vorjahrespremiere mit den “Meistersingern“ nun “Tristan und Isolde“. Es soll mit der “Walküre“ weitergehen. Doch was wird., wenn sich die Leute an die Gartenstuhlatmosphäre mit Kaffee und Kuchen und spielfilmhaft geschnittenen Opern gewöhnen sollten? Digital abgemischter Sound geht doch auch so schön ins Ohr!
Im Internet kann man dieser Tag einen Wagner-Experten-Check absolvieren, darin fällt die Bemerkung, dass Richard W. mit der Stadt Leipzig gar nichts weiter zu tun hat, als dass er da 1813 geboren wurde.
Die Drogenpolitik und der Umgang mit Suchtkranken in Leipzig ist und bleibt offenbar ein heißes Eisen, das von dem einen oder anderen Protagonisten mit mehr oder weniger Eifer am Glühen gehalten wird. So schlug ein Interview von Michael Burgkhardt in der LVZ hohe Wellen. Der Chef der Bürgerfraktion im Stadtrat, gleichzeitig Suchtmediziner, ging mit der Stadt und dem Umgang mit der Drogenszene Leipzigs hart ins Gericht. mehr…
Am Dienstag, 22. Mai, wurden im Festsaal des Neuen Rathauses die Leipziger Agenda-Preise 2012 verliehen. In fünf Kategorien wurden Preisgelder in einem Gesamtumfang von 14.000 Euro sowie Sachpreise im Wert von rund 10.000 Euro vergeben. mehr…
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Am 24. Mai um 15 Uhr lädt der Garten Annalinde mit Kaffee und Kuchen herzlich zur Eröffnung seiner Gartensaison ein. Seit Juni 2011 gibt es den mobilen Nutzgarten auf der Freifläche hinter der Bibliothek Plagwitz. Neben Kohl und Kartoffeln in Säcken werden dort Radieschen, Salat und Tomaten zusammen mit einer Vielzahl weiterer, teils alter Kultursorten in mobilen Hochbeeten angebaut. mehr…
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Die Königin der Instrumente, die Orgel, ist zu Pfingsten in der Kirche Zuckelhausen, Zuckelhausener Ring, zu entdecken und zu hören. Am Sonnabend, dem 26. Mai 2012, erläutert Orgelbauer Stefan Pilz bei einer Orgelführung um 10 Uhr die Funktionsweise der Johann-Gottlob-Mende-Orgel (1822). mehr…
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