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Weltenretter Supermanni: Thomas Störels erster Soloabend im Hause SanftWut

Karsten Pietsch
Super Manni!
Super Manni!
Freilich betritt Störel als Manni die Bühne, seine Fans erkennen ihn. Nun ist der filmidolgestählte Supermanni der Weltenretter, der das Gesäß kreisen lässt, auf dem die Hotline-Nummer steht. Als Manni hat er sich einen Namen gemacht neben seiner Ehefrau Moni, ziemlich tumb waren sie vor Jahren beim ersten Auftritt.

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Aber das Leben hat sie fortgebildet. Thomas Störel, bei SanftWut immer auch der Mann für Komposition und Klavier, kann auch anders, er kann auch allein. „Super Manni!“ ist Programm, bzw. so heißt das Programm.

Kein Kommodenlack, eher ein Magenbitter

Und das ist kein SanftWut-Boulevard, nach Inhalten nicht, nach Darstellung nicht, sondern ein scheinbar süßlicher Abend mit Nachgeschmack geworden: etwas gallig. Kein eingängiger Kommodenlack, eher ein wohliger Magenbitter.

Der Mann ist dreigeteilt: Manchmal reicht es zur Veränderung, mit einem Arm nur im Ärmel der Jacke zu sein. Störel als Störel, Störel als Manni und Störel als Manni als der, der mit dem falschen, roten Palästinensertuch die Welt bedroht. Von Sprengung ist die Rede, doch die umgebundenen Hülsen sind aus Pappe, wenn von Bombenstimmung und Ästhetik der Explosion die Rede ist. (Noch ist zur Premiere die Nachricht fern, dass eine Nacht später in der Moskauer Metro Bomben viele Menschen töteten.)

Themen werden beim Texter und Darsteller Thomas Störel nicht nach Checkliste abgehakt, sondern nach Wesen und Erscheinung hinterfragt. Der Mann kennt die Klassiker seines Geistes. Er hetzt nicht über Florian Silbereisen, sondern über die angehängten Werbebotschaften. Von der explosiven Politik geht es zurück zum Hausmann und seinem Ordnungssinn beim Wäscheaufhängen. Jede Nummer dieses Abends hat einen Präsentator. Womöglich hätten die für solche Konfrontationen auch wirklich Geld ausgegeben. Hat es Störel denn probiert?

Wasserspiegel senken in Schwimmhallen!

Als Super Manni solo: Thomas Störel.
Als Super Manni solo: Thomas Störel.
Foto: Sanftwut
Kleiner, regionaler, kommunaler ist das Thema Schwimmhalle. Leipzigs Stadtväter haben es gerade doch noch geschafft, ein paar Bäder aus Kostengründen nicht zu schließen. Störels Vorschläge, so aberwitzig sie sind, könnten im hiesigen Rathaus auf offene Ohren treffen! Was Wasserspiegelabsenkung betrifft beispielsweise.

Nicht bloß auf der Goldwaage liegen die Worte, sondern die hängt im Windkanal. Aus der harmlosen Frage: „Waren Sie im Zoo? Was ist Ihr Lieblingstier?“ entwickelt Störel in Bezug auf die Namen von Militärfahrzeugen eine Gedankenkette, die auf ihre Weise „Elefant, Tiger & Co." gar nicht verharmlost. Und wir erfahren sogar von Hitlers Tagebüchern aus der Hölle. Das ist weit hergeholt für den Moment, aber nicht weit weg von der Idee. Vom Supermanni-Traum.

In ganz neuem Licht erscheint uns das Märchen vom „Dornröschen“. Zwar sind Märchenparodien vielleicht älter als die Märchen selbst, aber was Störel damit anfängt, ist noch für andere solcher Spuk- und Gruseltraumata ausbaufähig!... (Und wenn das der Chef vom Grimm-Museum in Steinau liest, wird der Störel gleich engagiert).

Gemeinsam – betrachten, zusammen lachen

Dr. Thomas Störel, im ersten Beruf Fachmann in Germanistik und Musik, hat einst seine Dissertation vergleichenden bildhaften Metaphern in Musikkritiken gewidmet, und dann konnte er an den Händen abzählen, wie wenig wortgewaltig die Beschreiber sind. Eine Methode die funktioniert. Auch auf der Kabarettbühne.

Am Flügel konzertiert Störel an diesem Abend nur selten, er schreckt auch mal das Publikum aus süßem Laschen auf. In Anne-Kathrin Gummichs Inszenierung wird rasant gearbeitet und geräumt, Bügelbretter sind auch zum Bügeln da, und zum Wäschefalten, zum Redenhalten oder werden als Umkleidekabine benutzt. Denn der Akteur geht nicht ab in zwei Stunden reiner Spielzeit, keine Blackouts in der Beleuchtung und keine Zwischenmusiken, die zu spontanem Applaus animieren könnten.

Es ist kein Ein-Mann-Stück, denn Störel hat das Publikum bei sich, neben sich. Er steht davor, aber nicht drüber. Gemeinsam betrachtet man die Dinge. Er weiß was er will, sinngemäß hat er es so ausgedrückt: „Sie sollen nicht grundlos lachen, wenn sie lachen“.

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Was ist los in Leipzig?
Im 20. SanftWut-Jahr tut es gut, eigene Wege zu gehen und Fußspuren zu hinterlassen. Uta Serwuschok tat das vor Jahren schon mit einem Lieder-Abend, Ingolf Serwuschok berichtete mal vom Reisen aus dem Nirvana und zurück. Und so kann es weitergehen.

Weitere Aufführungen für "Super Manni!":
am 30. und 31. März sowie am 4. April, jeweils 20 Uhr.

www.sanftwut.de


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