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Damen kotzen nicht, Damen speien – „Splitternacht“ im Theater Fact

Robert Weigel
Die flippige Träumerin und der pedantische Realist: "Splitternacht" im Theater Fact.
Die flippige Träumerin und der pedantische Realist: "Splitternacht" im Theater Fact.
Foto: Tom Schulze
Zwei Worte, die das selbe meinen, müssen nicht zwangsläufig auch den gleichen Anklang finden. Wer das nicht glaubt, wird seit dem 1. Mai im Theater Fact in der Hainstraße eines Besseren belehrt. Dort treffen in Susanne Mewes „Splitternacht“ zwei Charaktere aufeinander, die ihr Zynismus eint – und die doch unterschiedlicher nicht sein könnten.

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Nach dem Filmriss noch nicht ganz nüchtern: Nele Hamann als Liz und Stefan Senf als Julian.
Nach dem Filmriss noch nicht ganz nüchtern: Nele Hamann als Liz und Stefan Senf als Julian.
Foto: Tom Schulze
Da ist zum einen Liz, das junge Möchtegern-Starlet, dem der große Auftritt auf den Bühnen des Big Apple durchs Oberstübchen wabert und die auch sonst gern träumt. Hier und jetzt ist sie hart auf dem Boden der Jet-Set-Bude eines unanständig reichen Typen gelandet, bei dem sie das Wochenende wohl ein bisschen zu heftig gefeiert hat. Nicht splitternackt zwar, wie es der Titel des Stücks glauben machen könnte – aber doch ziemlich nah dran – wacht die deftig berlinernde mit einem gewaltigen Filmriss hinter der Couch auf.

Und prallt unmittelbar auf den anderen Protagonisten des tragisch komischen Zwei-Personen-Stücks – Julian, den frohmütigen Pedanten und Angestellten des schwerreichen Wohnungseigentümers, der die Reste des vergangenen Exzesses mit peinlicher Genauigkeit zu beräumen versucht. Hier der Jude, Realist durch und durch, da die Ungläubige, die Träumerin – das Feld ist bereitet für gut 60 Minuten kurzweilige Unterhaltung.

An der Grenze zur Erträglichkeit - und darüber hinaus.
An der Grenze zur Erträglichkeit - und darüber hinaus.
Foto: Tom Schulze
In denen loten Nele Hamann und Stefan Senf die Grenzen ihrer Widerparts zum Teil hell glänzend aus auch wenn Liz manchmal etwas überdreht wirkt und Julian teilweise zu bieder – aber auch das passt ja irgendwie zu den Rollen. Immer wieder bringen sich beide an die Grenzen der gegenseitigen Erträglichkeit, und immer wieder gehen sie darüber hinaus. Sie schreien, flirten, führen sich hinters Licht. Und finden doch immer wieder zur Wahrheit im Gesagten des anderen.

Weil Julian, der Gutmensch, der Moralist, es im Leben alles andere als leicht hat, am ständig klingelnden Handy dauernd seine Sylvia beruhigen muss. Und weil die derbe Liz, die durch das ganze Stück mit dem Würgereiz und ihrer spärlichen Bekleidung kämpft, doch eigentlich auch nur ein bisschen geliebt werden will.

Da gerät fast zur Nebensache, dass der ganze Plot nicht an einem x-beliebigen Dienstag spielt (ja, Liz' Filmriss hat den ganzen Montag überdauert) sondern an eben jenem 11. September 2001, als die westliche Welt mit den schrecklichen Möglichkeiten des fundamentalistischen Terrorismus konfrontiert wurde. Den Newsticker aus New York mimt ein Radio, dass in kurzen Schnippseln die Schreckensbotschaften in die hippe Bude bringt.

Träume im Wandel der Wirklichkeit: Liz und die Twin Towers in New York.
Träume im Wandel der Wirklichkeit: Liz und die Twin Towers in New York.
Foto: Tom Schulze

Und so relativiert Liz ihre Träume auf fast schon makaber komische Weise und Julian merkt, dass ein frohes Gemüt allein nicht ausreicht, die manchmal grausame Wirklichkeit des Lebens zu ertragen. Und so bleibt das mittendrin trotzig herausposaunte „Damen kotzen nicht, Damen speien“ auch nur eine halbe Wahrheit. Denn am Ende tun alle, ob Männlein oder Weiblein, im Angesicht des Übels genau das gleiche – egal, wie man es nennen mag.

"Splitternacht" von Susanne Mewe im Theater Fact, Hainstraße 1.
Nächste Vorstellungen: 27. / 28. / 29. Mai, jeweils 20 Uhr.

www.theater-fact.de


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