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Keine Spur von Heimatliebe: "Deutschland tanzt nicht" in der Skala

Patrick Limbach
Deutschland tanzt nicht, heute und an weiteren Terminen in der Skala: Hier Birgit Unterweger und Melanie Schmidli
Deutschland tanzt nicht, heute und an weiteren Terminen in der Skala: Hier Birgit Unterweger und Melanie Schmidli
Foto: R.Arnold/Centraltheater
Was ist Deutschland? Dieser tiefgründigen Frage geht Regisseur Mirko Borscht in seiner neuesten Skala-Produktion mit dem plakativen Titel "Deutschland tanzt nicht" nach, die am Freitag Premiere feierte. Wie von Borscht gewohnt, reduziert er hierzu die Barriere zwischen Publikum und seinen drei Akteurinnen auf ein Mindestmaß.

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Der Zuschauerraum wird zum Spielort, das Publikum an Bistrotischen um die grell erleuchtete Spielfläche drapiert. Wer mag, lässt sich von Kellnern Bier in Plastikbechern ausschenken. Das Gesamtambiente (Bühne: Christian Beck) erinnert unweigerlich an eine Szene aus einem Horrorfilm. Der große Stumpf einer toten Eiche wirft anfangs die Blicke der Zuschauer auf sich. Erst entsteigen seinen Ästen zur Fanfare aus einer bekannten Bierwerbung Rauch und Nebel, dann die drei Protagonistinnen des Abends: Gespenstisch anmutende, kahlköpfige Wesen mit buckeliger Oberbekleidung, die einem Science-Fiction-Film entnommen sein könnten (Kostüme: Elke von Sivers).

Sie sind an einem ihnen unbekannten Ort gestrandet, wo sie auf Geheiß einer düsteren Stimme aus dem Off Aufgaben zu erfüllen haben. Sie stampfen Äpfel zu Saft oder erklären den Zusammenhang typisch deutscher Tugenden wie Sicherheit und Gemütlichkeit am Beispiel des deutschen Kleingärtners.

Mit verdientem Schlussapplaus auf der Bühne: Emma Rönnebeck, Birgit Unterweger und Melanie Schmidli
Mit verdientem Schlussapplaus auf der Bühne: Emma Rönnebeck, Birgit Unterweger und Melanie Schmidli
Foto: R.Arnold/Centraltheater
Deutsche Identität verbindet der Regisseur, soweit vorhanden, mit Tugenden wie Sparsamkeit, bekannten Persönlichkeiten wie den Gebrüdern Grimm oder erfolgreichen Weltkonzernen wie BASF und Lufthansa. Während des Abends lässt er ihre Namen und Begrifflichkeiten in einer Endlosschleife auf die Saalrückwand projezieren (Video: Kai Schadeberg).

Borschts Deutschstück ist eine Reise zur Rückbesinnung auf ein vordergründig kulturell bedingtes Identitätsbild. Ein gefährlicher Standpunkt. Allzu leicht begibt man sich mit dieser Perspektive in das Fahrwasser der radikalen Rechten. Zwar entstammt Borscht keineswegs diesem gesellschaftlich geächteten Personenkreis. Vielmehr war er derjenige, der mit "Kombat Sechzehn" den deutschen Anti-Neonazifilm schlechthin abgeliefert hatte. Trotzdem erscheint seine Intention des Abends dem Betrachter zu durchsichtig, die politische Intention des Abends kann bestenfalls erahnt werden.

Die schauspielerische Leistung von Emma Rönnebeck, Melanie Schmidli und Birgit Unterweger steht außer Frage. Alle drei erhielten verdienterweise viel Schlussapplaus. Doch der im Programmflyer angekündigte Schlabtausch, deutsch gegen deutsch, blieb den Zuschauern leider erspart.

Deutschland tanzt nicht in der Skala am 19.09., 29.09., 09.10., 24.10. jeweils ab 20 Uhr mit Emma Rönnebeck, Melanie Schmidli, Birgit Unterweger
Regie: Mirko Borscht, Bühne: Christian Beck, Kostüme: Elke von Sivers, Dramaturgie: Johannes Kirsten

Informationen und Karten
www.centraltheater-leipzig.de


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