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Furioser Auftakt der 20. euro-scene mit Alain Platel: Out of context – for Pina

Matthias Caffier
Alain Platel: Out of context – for Pina.
Alain Platel: Out of context – for Pina.
Foto: Chris Van der Burght, Gent
Die Erwartungen an das neue Platel-Tanzstück waren hoch, der Zuschauerraum des Centraltheaters am Donnerstag, 2. November, dem Eröffnungsabend des 20. Festivals der euro-scene Leipzig, bis auf den letzten Platz gefüllt.

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Nach dem Verlöschen des Saallichts und dem Öffnen des roten Samtvorhanges folgt die erste Überraschung: Die Bühne ist leer. Vor einem schwarzen Rundhorizont stehen lediglich zwei Mikrofone und am Boden liegt – ganz hinten – ein Stapel Decken in ausgewaschenem Rot.

In die Stille hinein treten erst nach etlichen Minuten ein Mann, gefolgt von einer Frau aus dem Zuschauerraum auf, queren die Bühne und beginnen sich in aller Ruhe bis auf die Unterwäsche zu entkleiden. Nach und nach folgen auf diesem Wege sieben weitere Tänzerinnen und Tänzer, bis die Compagnie le balletts C de la B aus Gent komplett ist.

Die zweite Überraschung besteht in der Abwesenheit von Musik, zumindest am Anfang. Stattdessen ertönen aus den Lautsprechern Tiergeräusche: Man hört mehrfach ein Muhen, erkennt auch Raubtiergeräusche und wundert sich dann schon fast nicht mehr, wenn die inzwischen in Decken gewickelten Akteure sich zu beschnuppern beginnen und wechselweise ihre „Hufen“ schwingen. Einer krächzt ins Mikrofon "Laissez moi".

Alain PlateL Out of context – for Pina.
Alain PlateL Out of context – for Pina.
Foto: Chris Van der Burght, Gent

Es bleibt unklar, ob sich aus dieser Konstellation ein stringenter Tanztheaterabend entwickeln und wenn ja, welche Richtung er einschlagen wird.

„Out of context – for Pina“ (Aus dem Zusammenhang – Für Pina) hat weder ein klar umrissenes Thema, noch folgt Platel hier einem musikalischen Kontext. „Meine Idee war – so erläuterte der Choreograf auf der Pressekonferenz – die Tänzer kommen, sie kommunizieren und danach gehen (zu lassen).“ Den Nebentitel „für Pina“ fügte er erst nach dem Tode Pina Bauschs, der „Mutter und Großmutter des europäischen Tanztheaters“ hinzu: Er ist seine Referenz an sie.

Alain Platel: Out of context – for Pina.
Alain Platel: Out of context – for Pina.
Foto: Chris Van der Burght, Gent
Was die drei Tänzerinnen und sechs Tänzers des Balletts C de la B an Kommunikation dann in neunzig Minuten auf der Bühne entwickeln, ist einfach hinreißend: Da wird einerseits mit den Armen und Beinen geschlenkert, werden Köpfe gerollt und sich am Boden gewunden, während parallel dazu andere Tänzer immer neue Bilder formen. Der Abend gewinnt zunehmend an Leichtigkeit, steckt damit das Publikum an erzeugt stellenweise Heiterkeit. Zur Aufforderung, mitzutanzen, ist es dann nur noch ein Schritt. Getraut hat sich das zwar niemand, dafür entert einer der Tänzer den Zuschauerraum, klettert durch das Parkett und sucht dort nach Halt.

Am Ende steigen die Tänzerinnen und Tänzer wieder in ihre Straßenkleidung; einige von ihnen setzen sich unter das Publikum, während ein anderer Teil die Bühne auf dem Weg verlässt, auf dem er gekommen war.

Lang anhaltender Jubel und ein Konfettiregen für die Compagnie bestätigten die Anerkennung der Ballettzeitschrift "tanz" für diese Produktion: Sie zeichnete „Out of context – for Pina“ zur Produktion des Jahres 2010 aus.

Infos zum Programm der 20. euro-scene Leipzig unter: www.euro-scene.de


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