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Ein Sommernachtstraum: Frank Schletters Inszenierung bringt Publikum zum Kichern + Bildergalerie

Daniel Thalheim
Eine Liebeserschrockene Helena zwischen Demetrius und Lysander.
Eine Liebeserschrockene Helena zwischen Demetrius und Lysander.
Foto: Daniel Thalheim
Wer kennt sie nicht, die Komödie von William Shakespeare? Schon die klassische Vorlage der verwickelten Geschichte um den Herzog von Athen und die Königin der Amazonen ist phantastisch-komisch. Elfen, Waldgeister und verliebte Griechen tummeln sich in der um 1600 erschienenen Komödie, welche als Blaupause für viele Verwechslungsgeschichten in die Geschichte einging. Regisseur Frank Schletter setzt mit seinem TheaterPACK noch eins drauf: in Kürze, Würze und Spielfreude ein praller Theaterabend. Das Premieren-Publikum honorierte es gestern mit lang anhaltendem Applaus.

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In dieser kostümierten Inszenierung feiert "Ein Sommernachtstraum" in der TheaterPACK-Fassung am 15. Juli seine Premiere. Schon oft in unzähligen Varianten aufgeführt, ahnt man auf was man sich beim Schletterschen Theater einlässt - eine Mischung aus Improvisation, Ulk und Staub von der Straße. Und das fahrende Volk der Theaterleute der TheaterPACK-Truppe gab gleich mehrere Rollen pro Person während des Stücks.

An der Sommertheaterbühne des Leipziger Westwerks finden sich die PACK-Besucher inmitten vom neugierig schauenden und umherschleichenden Elfen wieder. Das Publikum ist sofort Teil der Inszenierung, die erst langsam Fahrt aufnimmt und dann mit vollen Segeln gen "Happy End" zum lang anhaltenden Applaus mündet. Die Geschichte ist relativ rasch erzählt. Für die große Hochzeit des Herzog von Theben und der Königin der Amazonen bereiten die Hausmeister und Handwerker Squenz, Zettel, Schnauz und Schlucker ein Stück vor, das "Pyramus und Thisbe" heißt und schon in der Antike bekannt war.

Pyramus und Thisbe haben Konversationsprobleme durch die Mauer Schnauz.
Pyramus und Thisbe haben Konversationsprobleme durch die Mauer Schnauz.
Foto: Daniel Thalheim

Hier geht es um Bacchus und Liebe. Ein Motiv, das sich natürlich auch im "Sommernachtstraum" wieder findet. Das üben die Hausmeister fleißig. Hingegen verfolgen die Hauptprotagonisten andere Ziele: Hermia, Lysander, Helena und Demetrius begeben sich auf echte Liebespfade, verstricken sich in Beziehungsgeflechte, bis alles gut ausgeht und jeder nach gewissen Raufereien seinen Partner (wieder)findet - wie auch Theseus und Hippolyta, die beiden HerrscherInnen, die nur stimmlich und mimisch per Puppenspiel anwesend sind. Ebenso Oberon und Titanie, das Herrscherpaar über das Elfenvolk. Selbst Elfe Puck findet sein Glück.

Der Einstieg ist sanft und ruppig zugleich. Hausmeister Schnauz fegt den Boden, schaut grimmig ins Publikum - hat es wieder Müll liegen lassen. "Wattn los? Jemand gestorbn oder watt? Konversation!", ruft es hinter dem riesigen Schnauzbart. Die Feen kichern wie kleine Vögel manchmal piepsen. Das Elfenvolk ist in wechselnder Besetzung da, raunt, tuschelt und bewegt sich während die Hausmeister sich über die Rollen beraten und streiten. Fast beiläufig steigt die TheaterPACK-Mannschaft in das Stück ein, das durch Mimenspiel, schreiend komische Dialoge und Situationen das Publikum zum Feixen und Lachen bringt. "Yo!", oder doch eher "Yo-chen"?

Sogar der Mond hat ein Gesicht in Frank Schletters Inszenierung von "Ein Sommernachtstraum".
Sogar der Mond hat ein Gesicht in Frank Schletters Inszenierung von "Ein Sommernachtstraum".
Foto: Daniel Thalheim

Auf jeden Fall ein großes "Ja!" in den Augen und Gesichtern der Anwesenden als die Pause einkehrt, nachdem die ersten drei Akte des Theaterstücks über die Bühne getrieben wurden, inklusive verhextem Esel und vor Schreck davon stiebenden Handwerkern mit beherztem Griff an den Hosenboden.

Elfe Puck hat zwar keine Sprechrolle bekommen, dafür tanzen seine Elfenbrüder und -schwestern unablässige Freudentänze in ihren fantasievollen Kostümen. Ein typisches Merkmal für Hochzeitstücke wie "Ein Sommernachtstraum", wie es jemand nach dem Stück einem anderen Gast zuraunt.

Rasant und textsicher. Mit immenser Geschwindigkeit schlüpfen die Hauptdarsteller Frank Schletter (Zettel/Demetrius), Simone Cohn-Vossen (Squenz/Helena), Sabine Kaminski (Schnauz/Hermia) und Alexander Aue (Schlucker/Lysander) von Kostüm zu Kostüm, werfen sich an die Brust, brüllen wie Löwen - oder miauen zumindest, hüpfen von Schoß zu Schoß und versuchen sich zu kabbeln.

Das Hohelied der Liebe entpuppt sich bei ihnen als Liebeswahn, inklusive Stalking, übertriebene Verliebtheit und all das, was Hormone mit einem Menschen, wenn zwei Blicke aufeinander plautzen und nicht mehr voneinander lassen können. Mancher im Publikum hat hier rasch ein Problem: die zusammen gekniffenen und tränenden Augen wieder zu öffnen, um weitere absurd-komische Szenen zu erblicken.

Ab und an raunt ein "Scheiße" vom TechnikPACK herüber. Die CD springt, wenn die Ton-Einspieler kommen sollen. Aber alles läuft dennoch gut, kurz improvisieren und es klappt. Wer des "Sommernachtstraum" unkundig ist, wird schnell verwirrt vom Hin und Her im Liebesreigen und der verschiedenen Erzählebenen, die auch Fallstricke sein könnten, wenn die Dramaturgie nicht stimmt. Aber Monika Eppelt, Karolin Tendis und Julia Zürcher haben ganze Arbeit geleistet um die Regie von Frank Schletter zu unterstützen und ein spannungsgeladenes PACK-Stück geschaffen, das Theatergänger zwei runde unbeschwerte Stunden bereitet.

Das atemberaubende und urkomische Spiel von insbesondere Simone Cohn-Vossen, Sabine Kaminski, Frank Schletter und Alexander Aue tut sein übriges.

"Es ist eine Inszenierung, die wir schon einige Jahre am Laufen haben", flüstert Frank Schletter beim Herausgehen so manchem ins Ohr und tuschelt weiter: "Jedes Mal wird es mit neuen Elfen aufgeführt. Heute zum ersten Mal mit ihnen und auf der Westwerkbühne seit einem Jahr. Von daher ist es eine kleine Premiere heute." Die Dienstagsvorstellung ist bereits ausverkauft. Am 16., 17., 18. und 19. Juli erfährt das vom TheaterPACK umgeschriebene Shakespeare-Stück seine Fortsetzung auf der Sommertheaterbühne des Westwerks an der Karl-Heine-Straße.

TheaterPACK Online
www.theaterpack.com

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