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Tanners Interview mit Cynthia Friedrich: So gelbes Licht gibt’s bei uns im Westen nicht

Volly Tanner
Cynthia Friedrich.
Cynthia Friedrich.
Bild: ÖA / TdJW
Wer ist die junge Dame? Was macht sie? Und vor allem, warum ziert sie nicht die Hochglanzillustrierten-Cover? Und schon sind Fragen formuliert, gestellt, beantwortet. Na gut, die Frage mit den Illustrierten hat sich Volly Tanner verkniffen, war ja auch ohne schon interessant genug. Achja: Cynthia Friedrich heißt sie und hier ist das abgetippte Gespräch in Gänze.

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Hallo Cynthia. Am 20.11. gibt es "Die zertanzten Schuhe" als Nachtvorstellung im TdjW. Im Hintergrundteam bist auch Du am Arbeiten. Was genau machst Du da denn?

Nachtvorstellung? Meinst du, weil es um 17 Uhr schon dunkel ist? Also, ja, die Premiere ist am 20.11. Aber ich würde das noch zum Nachmittag zählen... Doch um zurück zu deiner Frage zu kommen: bei "Die zertanzten Schuhe" wirke ich als Regie-Assistentin mit.

Das umfasst in erster Linie viel organisatorische Arbeit, von der Probenplanstrukturierung über das Zusammentrommeln der Beteiligten - die nicht alle am Theater der Jungen Welt angestellt sind -, die Verwaltung des Probenraumschlüssels und die damit verbundene Verantwortung, als Erste vor Ort zu sein; über das Einrichten von Requisiten, das Fahren von Toneinsätzen bis hin natürlich zum Führen des Regiebuches, was bedeutet, genau festzuhalten, was der Regisseur da inszeniert, damit es am Ende auch genau so auf die Bühne kommt...

Auch in einem Jahr zum Beispiel, wenn es nach längerer Zeit wieder aufgenommen werden sollte. Allerdings hatten wir während der nunmehr sich dem Ende neigenden achtwöchigen Probenphase einige Krankheitsfälle und unser Regisseur hatte einen Fahrradunfall. Da musste ich dann auch mal spontan in andere Rollen schlüpfen, also im wahrsten Sinne des Wortes.

Du bist Regieassistentin und Dramaturgin. Das wird man - oder frau - ja nicht von heut auf morgen. Wie bist Du denn zu diesem Job - und vor allem im TdjW gekommen?

Dramaturgie habe ich in Leipzig studiert, an der Hochschule für Musik und Theater – das hat insgesamt vier Jahre gedauert. Also die reine Studienzeit. Vorher hatte ich allerdings schon zwei Jahre Kulturwissenschaften in Hildesheim studiert, oder sagen wir mal, ich war zwei Jahre lang dort eingeschrieben und habe einige Seminare besucht und mich ansonsten ziemlich viel am Theater dort aufgehalten. Was meinen Eltern damals nicht so viel Freude bereitete, sollte sich im Nachhinein als Glücksfall herausstellen, weil für das Studium in Leipzig Praxiserfahrung von mindestens einem Jahr die Zulassungsvoraussetzung ist...

Meines Erachtens ein extrem sinnvolles Auswahlkriterium, denn, Theater kann man nicht einfach studieren, man muss es schon auch machen. Hab ich dann auch, nach drei Jahren an der HMT bin ich für fast zwei Jahre ans Centraltheater gegangen und habe dort als Dramaturgieassistentin und Regieassistentin gearbeitet.

Wenn ich das jetzt alles zusammenfasse hatte ich also rund acht Jahre Ausbildung, theoretisch und praktisch... Und dann war auch noch eine fette Portion Glück mit im Spiel: Ich habe mich blauäugig am TdJW beworben, und es wurde genau zu dem Zeitpunkt eine Stelle frei...

Regie-Assistentin Cynthia Friedrich.
Regie-Assistentin Cynthia Friedrich.
Bild: ÖA / TdJW
Du kommst ja aus Göttingen. Das ist auch nicht gleich um die Ecke. Wie ist Dein Eindruck von Leipzig? So theatralisch?

Leipzig ist sehr schön theatralisch. Schon allein des Lichtes wegen! Also die Straßenbeleuchtung meine ich. So gelbes Licht gab es bei uns im Westen nicht..., ich steh da total drauf, darin sieht alles aus wie Kulisse. Aber mal Scherz beiseite. Die Stadt pulsiert, es passiert extrem viel in extrem kurzer Zeit.

Wenn ich allein daran denke, wie sich die Karl Heine Straße entwickelt hat seitdem ich hier bin, und die Gegend rund um den Lindenauer Markt. Da geht was. Göttingen ist eher... beschaulich. Da weiß man, was man hat, und das bleibt auch so. Wobei ich jetzt zur Verteidigung meiner Heimatstadt sagen muss, dass sie mit zwei sehr guten Theaterhäusern gesegnet ist.

Du durftest schon am Centraltheater arbeiten. Jetzt bist Du am TdjW. Gibt's weltweit ein Traumtheater für Dich? Irgendwo, wo Du hin möchtest? Und warum? Was würde Dich reizen?

O là là! Nein ich glaube mein Traumtheater ist nicht irgendwo auf der Welt versteckt und wartet auf mich, sondern es ist genau andersrum. Es ist meine Aufgabe und auch mein Bestreben, eigene Träume und Energien in das Theater, an dem ich gerade bin, einfließen zu lassen... das habe ich am Centraltheater getan und das tue ich auch am Theater der Jungen Welt. "Theater" sind doch die Menschen, die es machen – und die, die zuschauen. Wenn das Theater jeden von den Anwesenden ein kleines bisschen reicher macht als er ohne das Theater gewesen wäre - das ist dann wohl Traumtheater.

"Die zertanzten Schuhe" ist ja ein Märchen mit viel Musik. Kay Link - der schon für die MuKo einige Produktionen erstellte - macht Regie. Wie gestaltete sich denn die Zusammenarbeit mit einem Operettengeprägten? Anders als mit einem reinen Theatermacher?

Was ist denn reines Theater? An der Skala habe ich Mirko Borscht assistiert, der vom Film kam und dann die Theater-Großinstallation "Der Tag des Opritschniks" inszenierte, und Mareike Mikat, die Schauspielregie studiert hat und für "Mädchen in Uniform" mit Puppen und Live-Musik arbeitete...

Nein, für mich als Regieassistentin ist die Arbeit kein bisschen anders, wenn man bedenkt, dass sie einfach immer wieder irgendwie anders ist. Kay hat sehr detaillierte Vorstellungen davon, was auf der Bühne passieren soll. Das unterscheidet ihn von Regisseuren, die ihren Schauspielern große Freiräume für Improvisation lassen oder es sogar darauf anlegen, überfordernde Momente des Leerlaufes zu erzeugen, wie zum Beispiel Jürgen Kruse.

Ob das nun eine Genrefrage ist, möchte ich mal dahingestellt lassen. Interessant ist allerdings, dass wir in der Produktion mit zwei Breakdancern arbeiten. Dann sind da die Schauspieler und Schauspielerinnen, eine Puppenspielerin haben wir auch dabei und auf der Regieseite sitzen auch noch zwei musikalische Leiter, eine Choreographin und die Bühnen- und Kostümbildnerin... es kommen also sehr viele Menschen aus verschiedenen künstlerischen Bereichen mit unterschiedlichen Arbeitsweisen zusammen, was selbstverständlich gelegentlich zu Missverständnissen und Kollisionen führt, aber auch das gehört zum Theaterprozess.

Im besten Falle erblüht daraus ein großes facettenreiches Gesamtkunstwerk. Aber davon kannst du dir ja ab dem 20. November selbst ein Bild machen.

Danke für das Gespräch!

Die zertanzten Schuhe Online
www.theaterderjungenweltleipzig.de/premiere-die-zertanzten-schuhe


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