euro-scene 2011: Frauen tanzen, Männer machen Musik, Ljubljana trifft Leipzig zur Eröffnung
Karsten Pietsch
09.11.2011
euro-secene 2011: Ann-Elisabeth Wolff und Gewandhausdirektor Andreas Schulz.
Bild: Karsten Pietsch
So schwarz war der Gewandhaussaal noch nie. Schwarzes Podium, Orchesteremporen unter schwarzen Tüchern, Beleuchtung wie auf der Guckkastenbühne. So ertanzt sich die euro-scene das Gewandhaus, drei Jahre hat es von der Idee und Planung gedauert.
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Dresdner Palucca-Absolvent aus Ljubljana
Aus Ljubljana kommt die Truppe „Flota“ nach Leipzig, mit dem Stück „Srh“, auf Deutsch: Beben, von Choreograf Matjatz Faric, 1965 in Slowenien geboren, der einst an der Dresdner Palucca-Schule studiert hat.
„Ljubljana ist uns nahe, und mitten in Europa gelegen, mit dem Zug zu erreichen, eine zauberhafte kleine Stadt“, schwärmt Festivaldirektorin Ann-Elisabeth Wolff. „Wir wollen ja Truppen entdecken, dazu muss man unterwegs sein. Wer dann schon in Avignon oder bei den Wiener Festwochen auftritt, reist danach um die ganze Welt.“
euro-scene 2011: Eröffnung im Gewandhaus.
Bild: Karsten Pietsch
„Schwer in Worte zu formen“
Eine Frau tanzt schon zur Einstimmung vor Stückbeginn mit einer mannsgroßen Puppe vor einem Spiegel. Musik setzt ein, Darsteller überqueren temporeich, von eilig über gestresst bis gehetzt die Bühne oder verweilen in hektischer Aktivität.
Ein Pianist, fünf männliche Schlagzeuger und eine Schlagwerkdame lassen, in Podiumsbreite aufgestellt, Gerätschaften der Sinfonieorchester-Drums nach der Komposition von Milko Lazar in Philipp-Glass-Manier schwingen.
Wieder trifft zu, was Ann-Elisabeth Wolff zum Pressegespräch am Vorstellungstag avisisierte: „Das ist ja auch das Schöne bei uns, dass vieles schwer in Worte zu formen ist. Nicht alles kann man mit Sprache ausdrücken, in Worten beschreiben..“
Schwarzes Podium, Orchesteremporen unter schwarzen Tüchern, Beleuchtung wie auf der Guckkastenbühne.
Bild: Karsten Pietsch
Schmissige Bewegungssprache
Im Programmheft wird „schmissige Bewegungssprache und der Klang auf der Haut“ angekündigt, durch „männliche Brille auf weibliches Bild“ blicken oder „mit weiblichem Blick männliche Bilder sehen“. Im eine Stunde währenden rasanten Auf und Ab auf dem Podium fehlt die nackte Frau nicht, wie auch nicht das Spiel der Frauen mit den Männern - mit Hilfe von Puppen.
Wenige Klischee des vermeintlichen Tänzerideals bedienen die fünf Tänzerinnen, die wohl einige Jahrgänge vertreten und auch unterschiedliche körperliche Formen. Was die Speckbarbie, mit Verlaub sei ein Begriff aus der Jugendsprache anno 2010 verwendet, dort an Rasanz und Präzision über die Bühne wirbelt, hat enorme Präsenz.
Teil 2 der Festivaleröffnung spielte mehr mit dem Ambiente des Konzerthauses als den Intentionen von Theater und Tanz. Ivo Dimchev als Stimme und Emilian Gastov am Keyboard, beide aus Bulgarien kommend, zeigen laut Programmheft „Meine vokale und physische Antwort auf eine Konzertsituation“. Ja, Stimme und Atmung wirbelten in Höhen und Tiefen, bis zum Tanz kam es bei dieser Improvisationsperformance nicht.
Heftiger Applaus vom Premierenpublikum für alle Beteiligten. Nicht zu übersehen war, dass die euro-scene-Eröffnungen über ein Stammpublikum verfügen können, um nicht zu sagen Abonnenten.
Nach der Vorstellung gab es Sekt und Reden für alle im Gewandhausfoyer. Draußen verteilt jemand Flyer für ein „Schwanensee“-Gastspiel der Russischen Staatlichen Ballettakademie demnächst im Gewandhaus. Und drüben an der Oper steht auf einem Plakat „Licht an!“, aber an dem Abend blieb das Licht aus.
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