Cammerspiele Leipzig: Rock'n'Roll, Literatur, Märchen und Improtheater auf dem Fahrplan
Daniel Thalheim
22.12.2011
"Boeing Boeing" im Januar bei den Cammerspielen Leipzig.
Bild: Mathias Schäfer
Seit knapp zwölf Jahren gibt es die Cammerspiele schon. Auf dem Gelände der Kulturfabrik am Connewitzer Kreuz finden Leipziger Theatergänger hier Off-Theater. Unkonventionell und frisch, so Jan-Henning Koch. Er ist künstlerischer Leiter der Cammerspiele und unter anderem verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit. Für den Januar verspricht er Rock'n'Roll, Märchen, Romantik, Spaß und Anspruch.
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Zuletzt erhielten die Theaterleute am Connewitzer Kreuz den "Sächsischen Amateurtheaterpreis 2010" für ihr Stück "Darjeeling Express". Das gibt es zwar im aktuellen Spielplan nicht mehr, dafür lockt der Cammerspiele-Vorstand im neuen Jahr mit Literatur, Märchen, Komödie und Rock'n'Roll im Terminkalender.
"Mit 'Boeing, Boeing' zeigen die Cammerspiele eine der weltweit erfolgreichsten Boulevardkomödien", so Koch zum Marc-Camoletti-Stück über fliegende Beziehungskisten. 1960 veröffentlichte Marc Camoletti (1923-2003) sein Stück, das 1965 von Filmregisseur John Rich in die Kinos gebracht wurde. Hier hatten Schauspieler wie Tony Curtis und Jerry Lewis große Auftritte.
Gleichzeitig premierte "Boeing Boeing" am Broadway und wurde als Dauerbrenner 1991 ins "Guinness-Buch der Rekorde" aufgenommen - als weltweit meistgespieltes französisches Theaterstück. Die Inszenierung soll ein rasantes Stück über drei Stewardessen sein, die Probleme mit ihren Affären bekommen, weil eine neue "Boeing" die Flugzeiten verkürzt und so das Liebesleben der drei Damen durcheinander bringt.
Computer Says No im Sixties-Gewand der Kinks, The Who & Co.
Bild: Computer Says No / Presse
Nach diesem Tanz auf den Lachmuskeln gibts dann anspruchsvolle Literatur. Koch dazu: "Die Cammerspiele Leipzig inszenieren die ersten beiden Bände des umfangreichsten Werks von Thomas Mann. Das Publikum erlebt die Geschichten Jakobs und das Heranwachsen seines Sohnes Joseph." Der künstlerische Leiter der Cammerspiele meint die Romantetralogie "Joseph und seine Brüder", die zwischen 1933 und 1945 in vier Teilen erschien. In Anlehnung an die biblische Geschichte geht es in dem von Christian Hanisch inszenierten Theaterstück ebenfalls um einen Liebesreigen. Wer die Romanvorlage von Thomas Mann kennt, weiß, dass es bei "Joseph und seine Brüder" ernst zugeht.
Ebenfalls auf den Spielplan der kleinen Bühne hat es "Das kalte Herz" geschafft, ein romantisches Märchen von Wilhelm Hauff. Die 1827 zum ersten Mal erschienene Erzählung dreht sich um einen jungen Mann, der sein Herz gegen eines aus Stein tauscht. Elisa Jentsch inszeniert das Kindertheaterstück seit der Vorweihnachtszeit und führt es im Januar noch zweimal auf. Nichts für Kinder ist hingegen der dritte Teil der Cammerspiele-Konzertreihe "Blow Up".
Darüber hinaus wird es Februar 2012 eine neue Reihe geben. Jan-Henning Koch: "2012 wird ab Februar einmal im Monat eine Leipziger Band beziehungsweise ein Solokünstler die Möglichkeit haben, das eigene Oeuvre in einem akustischen Parforceritt darzubieten – die 'Cammerconcerts' in gemütlicher Cammerspiele-Atmosphäre!"
Die Cammerpiele-Veranstalter erwarten Musiker und kleine Zwei- bis Dreimann-Bands, die vorwiegend ohne Strom spielen, vielleicht nur leicht unter Strom stehen. Für die Cammerspiele soll das neue Format "eine Plattform für noch nicht etablierte Musiker mit dem ganz besonderen Charme eines dynamischen Off-Theaters" sein und ab Februar monatlich stattfinden. Den Anfang machen drei Acts, deren Namen einigen Szenegängern geläufig sein könnten. Koch stellt den Musikfreunden die Gruppe "Contrast" vor, die in den Siebzigern als "Mexico Sounds" die Clubs zwischen Ostsee und Erzgebirge unsicher machten. Eigene Kompositionen haben die Herren zwar nicht, aber spielen gerne ihre großen Helden Santana, Cream, Thin Lizzy, Wishbone Ash, J J Cale, Neil Young und ZZ Top nach.
Beim "Blow Up III" mit dabei: Motorcycle Motherfeed.
Bild: Motorcycle Motherfeed / Presse
Koch zu der Band: "Inzwischen konzentrieren sich 'Contrast' auf ihre drei Favouriten Thin Lizzy, Wishbone Ash und ZZ-Top. Sie werden der Headliner des 'Blow Up! III Festivals' sein!" Nicht so alt sind die Formationen Motorcycle Motherfeed und Computer Says No, die je zur Hälfte aus Bassist Karòly Csèpke und Schlagzeuger Christian Feist bestehen und sich dem Rock'n'Roll verschrieben.
Schnörkellos, meint Koch, wenn er zum Sound von Computer Says No sagt: "Ihr griffiger Sixties-Sound hat Energie, markante Hooklines und genügend Hüftschwung für Band und Publikum. Die Kinks pfeifen mit Pete und Carl um die Wette, während Ringo vergnügt in die Hände klatscht und John das alte Chuck Berry-Tape wieder aufwickelt."
Motorcycle Motherfeed sollte man sich wohl ebenfalls vormerken. "Die Musiker heizen mit Eigenkompositionen ein, die alle auf den Grundpfeilern des Blues und Rock'n'Roll ruhen. Sie stehen für die Generation der in den Siebzigern und Achtzigern geborenen Musikkonsumenten." Als "Krönung des Abends" bezeichnet der Cammerspiele-Vorstand die Kapelle Lee Baby Sims, in der Drummer und Cammerspiele-Darsteller Christian Feist ebenfalls mitmischt.
Mit "LTMF" holten sich die "Blow Up"-Veranstalter noch ein interessantes Duett aus Wien. "Hier wird auf die Konventionen des Rock und des Roll gepfiffen! Höret, sehet und seid empört!", meint Jan-Henning Koch zu dieser Kapelle, bevor er dazu übergeht die Improshow von "VierVolt" anzukündigen. Bei diesem Bühnenspaß können die Zuschauer den Schauspielern alles an Ideen zuwerfen - sie spielen alles. Der Gast als Regisseur - ein beliebter Spaß in Leipzig.
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