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Engagement für Freies Theater: Amelie Deuflhard erhält Caroline-Neuber-Preis der Stadt Leipzig 2012

Daniel Thalheim
Amelie Deuflhard ist Preisträgerin des Caroline-Neuber-Preises 2012.
Amelie Deuflhard ist Preisträgerin des Caroline-Neuber-Preises 2012.
Bild: www.leipzig.de
Schon jetzt ist es bekannt. Amelie Deuflhard, Intendantin des Hamburger Kampnagel-Theaters wird im März 2012 im Leipziger Centraltheater mit einem Preis ausgezeichnet. "Carolin-Neuber-Preis" heißt dieser und wird verliehen, weil sie eine Theatergründerin im besten Sinn sei. 1984 ist das Kampnageltheater als Spielstätte gegründet worden. Es geht um Engagement und Initiative.

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Seit einem Jahr tobt auch in Hamburg die Spardebatte an den Kultureinrichtungen. Schauspielhaus schleifen, Museum dicht machen - das sind Szenarien, die erstaunlich dem ähneln, was gerade mit Naturkundemuseum, Skala und Musikalische Komödie durch Leipzig in den Köpfen hin und her rollt. "Kulturpolitik nach Excel-Tabelle" nannte Spiegel Online die gescheiterten Pläne des Hamburger Kultursenators, der mit dem Widerstand der Theatermacher nicht gerechnet hatte. Und irgendwie passt da auch das Kampnagel-Theater herein, weil es eine freie Spielstätte ist. Und eine ziemlich erfolgreiche dazu. Auf "Kampnagel" als neutralem Ort wurde sogar die Hamburger Kulturkürzungspolitik diskutiert.

"Die Jury würdigte mit ihrer Entscheidung Amelie Deuflhard als eine engagierte Theaterfrau, 'eine Theatergründerin im besten Wortsinn' ", heißt es aus dem Leipziger Kulturdezernat zur Würdigung von Amelie Deuflhard mit einer Summe von 6.000 Euro. Die Begründung: "...Vergleichbar der Neuberin, welche in historischen Dokumenten als ausdauernd und kühn beschrieben wird, hat Amelie Deuflhard in den 90-er Jahren in Berlin und heute auf Kampnagel in Hamburg unermüdlich Möglichkeiten der Professionalisierung, Finanzierung und ästhetischen Selbstentzündung der von ihr geleiteten Theater geschaffen und politisch diskutiert."

Intendantin des Hambuger Kampnageltheaters: Amelie Deuflhard.
Intendantin des Hambuger Kampnageltheaters: Amelie Deuflhard.
Bild: www.leipzig.de
Und weiter über die 1959 in Stuttgart geborene Akademikerin, die aus der geisteswissenschaftlichen Ecke der Geschichts- und Kulturwissenschaft zum Theater kam: "Sie hat ein Netzwerk von Theaterschaffenden etabliert, das kulturpolitisch seine Verankerungen gefunden hat und dessen Wege in und aus ihren Theatern heraus führen - so dass heute für denjenigen, der sich für innovatives Theater interessiert oder auf der Suche nach neuen Talenten ist, kein Weg mehr an ihnen vorbeiführt...“

Dabei war ihr Lebensweg nicht immer mit Theater verbunden. Zunächst hat die Mutter von vier Kindern nach ihrem geisteswissenschaftlichen Studium an der Universität Tübingen und im Museum für Technik und Arbeit in Mannheim gearbeitet, bevor sie 1996 als Produzentin für Theater/Tanz- und Musikprojekte in Berlin in Erscheinung trat. Danach leitete Amelie Deuflhard von 2000 bis 2007 die Sophiensäle in Berlin und baute diese zu einem der wichtigsten Produktionsorte für die Freie Szene im deutschsprachigen Raum aus. Jetzt war sie endgültig im Theater angekommen. Nicht zuletzt, weil sie 2003 Vorsitzende des Vereins „Zwischen Palast Nutzung“ war, der eine künstlerische Bespielung des Palastes der Republik zum Ziel hatte.

Damit verbunden war auch ihr Engagement als eine der künstlerischen Leiterinnen von „Volkspalast“, einer festivalartigen Bespielung des inzwischen abgerissenen Palastes der Republik. Seit August 2007 ist Amelie Deuflhard Intendantin von Kampnagel Hamburg, Deutschlands größter freier Spiel- und Produktionsstätte für die darstellenden Künste. Jetzt der Preis in Leipzig für ihr Verdienst, das irgendwie tatsächlich an das Engagement einer Frau erinnert, die als "Neuberin" in die Geschichte einging. Die deutsche Theaterreformatorin, Schauspielerin und Theaterprinzipalin Friederike Caroline Neuber (1697-1760) erhielt 1727 das sächsische Privileg, ein festes Theater zu führen.

Die Verleihung des Caroline-Neuber-Preises 2012 an Amelie Deuflhard findet am 4. März 2012 während einer Matinee im Centraltheater Leipzig statt. Bisherige Preisträgerinnen waren die Schauspielerin Jutta Hoffmann (1998), die Schauspielerin Inge Keller (2000), die Regisseurin Konstanze Lauterbach (2002), die langjährige Intendantin des Berliner Hebbel-Theaters Nele Hertling (2004), die Regisseurin Karin Henkel (2006), die Festivaldirektorin der euro-scene Leipzig Ann-Elisabeth Wolff (2008) und die Choreographin Sasha Waltz (2010).

Kampnagel-Theater im Internet
www.kampnagel.de

Stadt Leipzig mit der ursprünglichen Meldung
www.leipzig.de

Kulturkürzungsdebatte auf Hanseatisch
www.hamburger-feuilleton.de/tag/deutsches-schauspielhaus/page/2/


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