Theater der Jungen Welt: "Die zertanzten Schuhe" entführen in eine poppige Märchenwelt
Daniel Thalheim
20.12.2011
Kaffee, Cornflakes und Mahnungen von Papi helfen nicht: Drei königliche Discomiezen wollen tanzen.
Foto: Tom Schulze
"Girls just wanna have fun", hieß es einst bei Cindy Lauper in ihrem gleichnamigen Hit. Regisseur Kay Link übernimmt die Aussage für "Die zertanzten Schuhe" und überträgt das Märchen der Gebrüder Grimm in die heutige Zeit. Er erzählt von drei tanzwütigen Discomiezen, die in einem Traumschloss ihre Traumprinzen suchen. Die kleinen Besucher des Theaters der Jungen Welt sind außer sich vor Freude.
Anzeige
Selten wackelten die Sitzreihen, als in einem Theaterstück fetzige Popmusik lief. Erwachsene gehen es eben ruhiger an. Kinder sind da ganz anders. Sie klatschen, wippen und pfeifen mit, wenn es in die Vollen geht. Warum nicht? Sie lassen sich eben in den Zauber eines Bühnenstücks hineinreißen. Wie am Vormittag des 20. Dezember, als im Theater der Jungen Welt die Bude wieder voller Kinder aller Altersstufen war.
Der Grund ist das Märchen über drei verwöhnte Prinzessinnen, die ihren alleinstehenden Vater um den Verstand bringen, weil sie Nacht für Nacht ins Discoleben entfleuchen. Da kann der alte König machen, was er will. Einsperren hilft nicht, mahnen auch nicht, schimpfen bringt ebenso nichts. Wie schaffen es die drei Nachtschwärmerinnen immer wieder aus dem Schloss. Sind sie etwa Ausbrecher-Königinnen?
Und die adeligen Rätselrater, die herausfinden sollen, wie die Prinzessinnen es schaffen, trotz Sicherheitsverwahrung nach draußen zu gelangen und unzählige Schuhe zertanzt zurücklassen, verlieren ihre königlichen Köpfe. Bis keiner mehr übrig ist. Übers Rätsel zerbrach sich niemand den Kopf. Konnten sie auch nicht - sie schliefen ein. Das ändert sich erst, als ein Soldat auftaucht und das Rätsel der zertanzten Schuhe löst, sich eine der Töchter schnappt, mit ihr liebt und lebt. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute.
Nachtschwärmer mit Krönchen - Tanzmiezen in "Die zertanzten Schuhe".
Foto: Tom Schulze
Soweit die Geschichte, die jedes Kind kennt. Was hat Kay Link aus dem Stoff fürs Großmütterchensesselchen gemacht? Er dreht das Licht aus, bis die Kinder quieken. Dann führt der Regisseur durch Lichtspiel, Bühnenbild und Schauspieler durch anderthalb Stunden rasante Bühnenfahrt samt Motorrad, drei zickigen Discoqueens, einem gelösten Rätsel und Happy End. Knalleng in Pop und Märchen gewickelt,
Wie Link das schafft? Mit Hilfe von Bühnen- und Kostümbildnerin Olga von Wahl, Choreografin Bettina Werner und Komponist Erich A. Radke. Zunächst führt er in den Märchenstoff sanft ein, lässt den von Reinhart Reimann gespielten König mit Kammerdiener antreten. Wieder Schuhe zertanzt, löchrig, ausgetretene High Heels. Finger reinstecken, durchkucken. Erste Bäuchlein wackeln in der unruhigen Zuschauerschar vor Lachen. Der Throninhaber eines Königreiches, wo man nicht tanzen und singen darf, ist sauer.
Wilder Ritt auf dem Moped - Girls just wanna have fun.
Foto: Tom Schulze
Drei übernächtigte Prinzessinnen beteuern, sie schliefen brav in ihren Bettchen. In Wahrheit haben sie es faustdick hinter den Ohren. Doch der sauertöpfische König kommt einfach nicht hinter das Geheimnis. Bis eines Tages ein bettelarmer Soldat auftaucht. Mime hier: Emmanuele Peters, der als Soldat genug Pech im Leben hatte. Er wittert seine Chance, wenigstens mit vollem Magen die "Rue de la Schafott" entlang zu schreiten. Szenenwechsel. Da mutiert der König zur Statue, auf der Tauben ihr Geschäft verrichten. Dann verwandelt er sich in ein TV-Ansager, der den nächsten Aufruf zum Rätselraten startet. Will jemand von den kleinen Untertanen mitmachen? Keiner will den Kopf verlieren. Stille.
Ist der erste Teil noch ein sanftes Vorspiel, wo Anke Stoppa, Anna-Lehna-Zühlke und Elisabeth Fues die drei Discomiezen spielen, die im Kinderzimmer dem Soldaten mit Schlaftrunk verrührten Wein vorsetzen und so versuchen, unbemerkt in die Unterwelt abzutauchen, so lässt sich Soldat Peters im zweiten Teil - dem weisen Rat der Alten (Uschi Marr) mit der schwarzen Katze sei Dank - nicht wie seine eitlen Vorgänger hinters Licht führen. Er folgt den Tanzmäusen mit den Zauberstiefeln und dem Zaubermantel, die er von der Alten erhalten hat.
Der zweite Teil steigt auch gleich mit der rasanten Mopedfahrt im Mondlicht ein, die wegen Benzinmangels im finsteren Wald endet und die drei Prinzessinnen in Streit geraten lässt. Irgendwie gelangen die Drei trotzdem an ihr Ziel - das Zauberschloss im Märchenwald. Da staunen die Kinder. Farbig, grell und schnell mit wilden Filmanimationen und wechselndem Bühnenbild von Olga von Wahl ist die Szene unterlegt. Vorher feuern die Kinder im voll gepackten Saal die Protagonisten an, sich möglichst zu beeilen. Holt der humpelnde Soldat die drei noch ein?
Im Traumschloss wird getanzt: Statt gezierter Rokoko-Knicks wilder Techno-Beat.
Foto: Tom Schulze
Er kann! Was nun folgt, ist der heiße Tanzabend bei Techno und Pop, bei dem die Kinder laut im Takt klatschen und im Rhythmus wippen bis die Stuhlreihen wackeln. Im Zauberschloss, wo der Bär steppt, liegt das Rätsel der zertanzten Schuhe.
Wie hieß es von der weisen Frau? Hat der Unglücksrabe das Rätsel gelöst, dann solle er schnell zurück ins königliche Schloss gehen und Meldung erstatten. Wer aber länger bleibt, findet sein Glück. Soll er oder soll er nicht? Eine Frage, die Regisseur Kay Link gerne den Kindern stellt, die sich inzwischen mitten im Stück befinden und mitfiebern mit dem, was vorne geschieht. Der Soldat bleibt, verliebt sich in Prinzessin Iphigenie. Beide müssen sich aber voneinander trennen, treffen sich im väterlichen Schloss wieder und stehen füreinander ein. Der väterliche König ist wankelmütig. Das Happy End ist aber sicher.
Was auch sicher ist, ist: dass das Theater der jungen Welt seit seiner Erstaufführung am 22. November mit "Die zertanzten Schuhe" immer ein volles Haus hat. Da schreiben Eltern wie Kinder ins Gästebuch, wie toll und großartig sie das Stück finden. Sogar "Zugabe!" rufen viele der kleinen Theatergänger. Lange bleiben sie auf ihren Sesseln sitzen und hoffen, das Stück ginge weiter. Irgendwie. Aber es passiert nicht. Die Theatertruppe bereitet sich schon für die nächste Vorstellung vor.
Und die Moral der Geschichte? Lass dich nicht mit Discomäusen ein. Irgendwann könnten sie einem zu Hause auf der Nase herumtanzen. Denn wie schon Cindy Lauper Mitte der Achtziger Jahre wusste: "Girls just wanna have fun." Aber wer weiß...
Die nächsten Vorstellungen finden am 21. und 22. Dezember jeweils um 9.30 und 12 Uhr statt. Zwischen den Feiertagen wird "Die zertanzten Schuhe" am 26. und 27. Dezember aufgeführt. Zum letzten Mal vorerst.
Die Drogenpolitik und der Umgang mit Suchtkranken in Leipzig ist und bleibt offenbar ein heißes Eisen, das von dem einen oder anderen Protagonisten mit mehr oder weniger Eifer am Glühen gehalten wird. So schlug ein Interview von Michael Burgkhardt in der LVZ hohe Wellen. Der Chef der Bürgerfraktion im Stadtrat, gleichzeitig Suchtmediziner, ging mit der Stadt und dem Umgang mit der Drogenszene Leipzigs hart ins Gericht. mehr…
Am Dienstag, 22. Mai, wurden im Festsaal des Neuen Rathauses die Leipziger Agenda-Preise 2012 verliehen. In fünf Kategorien wurden Preisgelder in einem Gesamtumfang von 14.000 Euro sowie Sachpreise im Wert von rund 10.000 Euro vergeben. mehr…
Die Lebenshilfe Leipzig organisiert vom 8. bis 10. Juni zum zweiten Mal ein Geschwisterseminar mit der renommierten Sozialwissenschaftlerin Marlies Winkelheide (Bremen/Geschwisterkinder.de) und ihrem Team. Dieses wendet sich an die Eltern und Geschwisterkinder in Familien mit behinderten Kindern und findet in der Jugendherberge in Dahlen bei Leipzig statt. mehr…
Den 29. Mai kann, wer Lust hat, sich über diese seltsame Stadt am sächsischen Westrand ein paar Gedanken zu machen, vormerken im Kalender. Es ist ein Dienstag. Und die Stadt lädt ein in die Kongresshalle, konkret in den Händelsaal. Ab 19 Uhr darf man rein und schon mal die Fühler ausstrecken, 19.30 Uhr beginnt die Auftaktveranstaltung für ein Leipziger Zukunftsprojekt. Motto: Leipzig weiter denken. mehr…
Am 24. Mai um 15 Uhr lädt der Garten Annalinde mit Kaffee und Kuchen herzlich zur Eröffnung seiner Gartensaison ein. Seit Juni 2011 gibt es den mobilen Nutzgarten auf der Freifläche hinter der Bibliothek Plagwitz. Neben Kohl und Kartoffeln in Säcken werden dort Radieschen, Salat und Tomaten zusammen mit einer Vielzahl weiterer, teils alter Kultursorten in mobilen Hochbeeten angebaut. mehr…
Das nächste Monatlich Gespräch über Wissenschaft findet am Mittwoch, 23. Mai, um 19:30 Uhr im Haus des Buches (Gerichtsweg 23) statt. Moderiert wird es von Bettina Kremberg und Ulrich Johannes Schneider. Im Mittelpunkt steht Martin Seel, der über "111 Tugenden. 111 Laster" spricht. mehr…
Die Königin der Instrumente, die Orgel, ist zu Pfingsten in der Kirche Zuckelhausen, Zuckelhausener Ring, zu entdecken und zu hören. Am Sonnabend, dem 26. Mai 2012, erläutert Orgelbauer Stefan Pilz bei einer Orgelführung um 10 Uhr die Funktionsweise der Johann-Gottlob-Mende-Orgel (1822). mehr…
Mitteldeutschland befindet sich mitten in der Luther-Dekade. 2012 ist das Jahr der Musik. 2017 jährt sich Luthers Thesenanschlag zum 500. Mal. Und die Evangelische Verlagsanstalt hat ein Heft-Projekt gestartet, das im Mai 2011 mit Nürnberg startete und den Verlag auf Jahre beschäftigen wird: Orte der Reformation. Das wichtigste Heft liegt jetzt mit "Wittenberg" vor. mehr…
In Verfassungsschutzberichten landen nicht nur die wirklich staatsgefährdenden Organisationen. Oft beobachten die Schlapphüte auch Parteien und Vereine, von denen sie die Gefährdung nur vermuten. Manchmal über Jahrzehnte ohne Ergebnis. Da ist es schon erstaunlich, dass die Bundesregierung allein diese Beobachtungen zum Vorwand nehmen will, Vereinen ihre Gemeinnützigkeit abzuerkennen. mehr…
Am 2. Juni beginnt in Leipzig die Automesse AMI. Der Zweijahresturnus, den die Automobilbranche ausgehandelt hat für den Leipziger Branchentreff, zeigt Früchte: Die Aussteller zerreißen sich nicht mehr zwischen den Messen. Die Ausstellerzahl in Leipzig steigt. Das Messetrio aus AMI, AMICOM und AMITEC verzeichnet ein zweistelliges Flächenwachstum von über 10 Prozent. mehr…
Die Reihe "Recht auf Stadt" erlebt am 31. Mai eine weitere Auflage. Die zweite Veranstaltung, diesmal im Werk 2, dreht sich dabei rings um Fragen moderner Stadtentwicklung und die Rolle aller Beteiligten dabei. Diesmal unter dem Motto: "Kapitalanlage - Von Investoren-UFOs und Stadtteilzentren". mehr…
Flotte Sprüche, schwarze Business-Anzüge, dunkle Sonnebrillen. Die "Men in Black" sind nach zehn Jahren Leinwandabstinenz zurück. Im dritten Teil des SciFi-Franchise reist Will Smith ins Jahr 1969, um seinem Partner Tommy Lee Jones das Leben und die Menschheit vor einer vernichtenden Alien-Invasion zu retten. mehr…
Mit dem Sieg bei Fortuna Chemnitz hat der 1. FC Lok sein Saisonziel erreicht, steigt als Sechster in die neue Regionalliga auf. Geplant war alles ein wenig anders. Eigentlich sollte es der dritte Platz werden, eigentlich sollten die Neuzugänge einschlagen und von einem Trainerwechsel war vor der Saison auch nicht die Rede. Ein Saisonrückblick. mehr…
„Mut zu machen, dass wir Zeichen gegen Willkür und Gewalt setzen können“. Das ist für die in Berlin lebende Filmemacherin Karin Kaper die Botschaft ihres Filmes „Aber das Leben geht weiter“. Es geht um die - authentische - Vertreibungsgeschichte der Familien Queißer und Zukowscy, die in einem Bauernhof bei Görlitz aufeinander treffen. Ein L-IZ-Interview. mehr…
Das Fazit der "Frankfurter Rundschau" war am Ende eindeutig: Was da am Wochenende in Frankfurt zu erleben war, war ein Sieg für die Blockupy-Bewegung. Die Stadt Frankfurt selbst blamierte sich mit ihrem martialischen Großaufgebot an Polizei gründlich, mit ihrer Argumentation gegen vermeintliche "Linksextremisten" sowieso. Ein weiterer Versuch, die berechtigte Kritik der Demonstranten an der Erpressungspolitik gegenüber Griechenland zu diskreditieren. mehr…