Gewandhaus Leipzig: Musical "Phantom der Oper" sorgt für Begeisterung
Daniel Thalheim
07.01.2012
"Das Phantom der Oper" sorgte am 6. Januar in Leipzig für zufriedene Mienen.
Bild: Argo Konzertagentur
Wer kennt nicht die Geschichte über das Phantom aus der Pariser Oper? Die 1910 von Gaston Leroux geschriebene Geschichte brachte Andrew Lloyd Webber 1986 auf die Musical-Bühnen der Welt. Nun wagte sich Sangessternchen Deborah Sasson an eine Neuinszenierung des Literaturstoffs und brachte ihn am 6. Januar ins Leipziger Gewandhaus.
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Der Vorverkauf soll gut gelaufen sein, so die Auskunft an der Gewandhauskasse. Am Abend des 6. Januar füllte sich das Gewandhaus schnell. Von überall her strömten Besucher zum Augustusplatz, um die Neuinszenierung vom "Phantom der Oper" zu sehen. Die Sitzreihen waren nahezu vollständig besetzt, als die Geschichte pünktlich um 20 Uhr startete.
Im Vorfeld dazu hieß es, dass die Geschichte anders und weniger schrill sein solle. Die Preisträgerin des "Echo Klassik" Deborah Sasson wollte sich nicht an den Bühnenstoff von Musical-Autor Andrew Lloyd Webber wagen, sondern an die Originalvorlage des französischen Romanautors Gaston Leroux. Er veröffentlichte die Story um den entstellten Einzelgänger und die Pariser Theatertruppe an der Orgel schon 1910.
Neue Musik und neue Texte versprach die Sopranistin. Mit dem Produzenten- und Autorenteam Roland Heck und Gerd Köthe wollte sie "Phantom der Oper" in einem ganz anderen Gewand zeigen. Das passte sogar auf die Gewandhausbühne. Denn man brauchte für die Kulisse nur Vorhänge, Projektionen der Pariser Oper und eine Lichtinszenierung, um die verschiedenen Szenen und Erzählebenen hervorzuheben. So wollten die Bühnenkünstler mehr Tiefe erzeugen. Das kam bei den Besuchern gut an. Auch inhaltlich versuchte man mehr zu erzählen.
Ein flotter Feger: Das Phantom der Oper als Musical.
Bild: Argo Konzertagentur
Natürlich spielte Deborah Sasson die Hauptrolle der Opernsängerin "Christine". In sie verliebte sich das allgegenwärtige Phantom, das sie zu sich holte und im Laufe der Geschichte erkannte, dass man Liebe nicht erzwingen kann. Ihr Herz gehörte einem anderen... einem Grafen.
"Phantom" Axel Olzinger war manchem Besucher aus anderen Musicals wie "Grease" oder "Tanz der Vampire" bekannt. Gruselig war die Stimmung bei der Szene auf dem Friedhof. Das plötzliche Erscheinen des maskierten Gespenstes wurde mehrfach wirkungsvoll in Szene gesetzt. Mal tauchte er im Spiegel auf, der sich als Tür in die Unterwelt entpuppte. Dann erschien das Phantom im Geschehen kurz hintereinander an verschiedenen Stellen der Bühne.
Wohl deswegen und seiner Gesangleistungwegen applaudierte das Publikum nach den Soloeinlagen dem liebestollen und fiesen Phantom. Zuerst zurückhaltend, dann lauter und lang anhaltender. Auch Deborah Sasson begeisterte mit ihren Einsätzen in der Rolle der "Christine". Nils Schwarzenberg sorgte als tuntiger Direktor Moncharmin immer wieder für Erheiterung. Szene für Szene wurde beklatscht.
Angesungene Opernarien wie aus Charles Gonouds "Faust" lockerten die Story auf. Wenn auch ein paar vom Band eingespielte Rülpser herhalten mussten, um zu verdeutlichen, dass das Phantom seine Finger im Spiel hatte. Es setzte alles daran, dass "Christine" zum Sangesstar der Pariser Oper wurde und Starsolistin "Carlotta" mit allen Mitteln aus dem Weg geräumt wurde. Spätestens jetzt war in Leipzig der Taupunkt überschritten.
Deborah Sasson sorgte mit ihren Einsätzen für Applaus.
Bild: Argo Konzertagentur
Als der erste Teil mit dem finalen Sturz des Kronleuchters auf Leinwand flimmernd endete, war der Beifall besonders groß. Er überdeckte auch ein anderes Ereignis, das sich im Gewandhausparkett zutrug. Ein Gast wurde bewusstlos, rutschte vom Sessel und musste hinausgetragen werden. Im zweiten Teil war auch dieser Zwischenfall vergessen. Komische Einlagen, eine heitere Verfolgungsjagd, eine deutsch gesungene "Marseillaise" und ein beschwingtes Finale sorgten für Heiterkeit und lang anhaltenden Applaus.
Während des Stücks fand man auch heraus, dass der orgelnde Maskenträger "Erik" hieß. Ein tanzendes Ensemble suchte singend den "Notausgang" aus der Unterwelt, bis sie alle die Vermählung von "Christine" und ihrer großen Liebe "Graf Raoul de Chagny" am Schluss des Stücks feierten. Das Phantom blieb in den Katakomben, nachdem es den Graf mit Handfesseln gequält hatte und einsah, dass er wohl für immer einsam bleiben würde. Nach der Befreiung des Grafen begann der Lauf einer Pistole plötzlich freundlich auszusehen. Das Phantom war Geschichte. Für die Gäste im Leipziger Gewandhaus war schnell klar, dass die neue Produktion sehr unterhaltsam und ganz anders als Webbers Inszenierung war.
Bis zum Schluss schauten die Anwesenden konzentriert dem Geschehen zu. Noch lange saßen sie nach der kunterbunten Schau in ihren Sesseln und bedachten das Ensemble mit ausgiebigem Applaus. "Ohne Kitsch", zog die hessische Internetzeitung "HNA.net" am 29. Dezember 2011 als Fazit. Ein Leipziger Operettengänger sagte im Gewandhaus noch während der Pause begeistert: "Fast wie eine Produktion in der Musikalischen Komödie!"
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