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Spaß beim letzten Mal: Dernière von „Joseph und seine Brüder“ in den Cammerspielen

Eva-Maria Kasimir
Ging am 14. Januar vorerst ein letztes Mal über die Cammerspiele-Bühne: Joseph und seine Brüder von Thomas Mann.
Ging am 14. Januar vorerst ein letztes Mal über die Cammerspiele-Bühne: Joseph und seine Brüder von Thomas Mann.
Bild: Hannes Fuhrmann / Cammerspiele
Das letzte Mal ist für die Beteiligten immer ein Spaß. Die Dernière, die letzte Vorstellung eines Theaterstücks, ist mit Gags gespickt, die jedoch nur die Theatercrew versteht. So gerät auch die planmäßig letzte Aufführung von „Joseph und seine Brüder“ in den Cammerspielen am 14. Januar zum Vergnügen für Ensemble, Regie und Technik.

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„Zum Beispiel in der Szene, als Jakob seinem Bruder Esau seine Habseligkeiten vor die Füße legt. Dieses Mal gab es eine kleine Figur“, weiht Regisseur Christian Hanisch ein. Er und Susann Schreiber geben dem Stück, welches im März vergangenen Jahres Premiere feierte, auch seine Dramaturgie. „'Joseph und seine Brüder' ist ein vier Bände umfassendes Werk und damit eine unglaubliche Menge an Stoff", so Hanisch zum Buch von Schriftsteller Thomas Mann (1875 - 1955), das zwischen 1933 und 1945 erschien.

Alles auf die Bühne zu bringen, das scheint ihm und Schreiber zu viel. Die typische Josephsgeschichte, in der er nach Ägypten geht und dort Traumdeuter des Pharaos und schließlich Retter des Volkes Israel wird, kennt wahrscheinlich jeder. "Uns interessierte eher die Vorgeschichte“, sagt Hanisch. Und so kommt es, dass Joseph und seine Brüder im gleichnamigen Stück nicht die Hauptrolle tragen, sondern ihr Vater Jakob, gespielt von Thomas Deubel.

Joseph und seine Brüder: Cammerspiele Leipzig inszenierten die ersten beiden Bände des Thomas-Mann-Werkes.
Joseph und seine Brüder: Cammerspiele Leipzig inszenierten die ersten beiden Bände des Thomas-Mann-Werkes.
Bild: Hannes Fuhrmann

Jakob betrügt seinen Bruder Esau um den Erstgeborenensegen und muss, die Rache des starken Esaus fürchtend, fort zu seinem Onkel Laban. „Du hast Deinen Bruder betrogen, so wirst auch Du betrogen werden“, prophezeit ihm dieser. So geschieht es. Der Onkel selbst betrügt ihn, gibt ihm nicht seine Tochter Rahel, gespielt von Jenny Kühl, zur Ehefrau, sondern deren Schwester Lea.

„Alles ist wiederkehrend“, erklärt Hanisch die Faszination der Bibelgeschichte. „Die Motive dieser einzelnen Geschichten reichen in ihren Urformen weit zurück.“ Sie konzentrieren sich auf die menschlichen Abgründe, damals wie heute entsetzend und brutal – im Stück spritzte das Kunstblut nicht zu knapp. Dabei übernehmen die Schauspieler oft mehrere Rollen, machen so aus der Not der knappen Mittel eine Tugend. Schauspielerin Diana Nitschke bindet sich die Haare unters Kinn und wird so zu Esau, dem Behaarten. Bindet sie sie zurück, schlüpft sie in die Rolle des Onkels Laban. Ein übergeworfenes blaues Hemd macht aus ihrer Kollegin Sabrina Weidner den Joseph. Ein Rock ließ sie zu Lea werden.

Es bereitet Spaß, den Akteuren beim fließenden Rollenwechsel zuzuschauen und zu sehen, wie sich der Lauf der Geschichte immer aufs Neue in Gang setzt. So bleibt nur zu hoffen, dass die Cammerspiele, wo die Stücke von erfahrenen Amateuren aufgeführt werden, „Joseph und seine Brüder“ doch noch einmal auf die Bühne bringen. Vielleicht gibt es erneut eine Dernière, eine letzte Vorstellung, inklusive Gags.

Mehr Cammerspiele im Internet:
www.cammerspiele.de


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