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Theater der Jungen Welt: Verwaltungsdirektorin Lydia Schubert im Kurzinterview

Daniel Thalheim
Lydia Schubert: Alte neue Verwaltungsdirektorin am Theater der Jungen Welt.
Lydia Schubert: Alte neue Verwaltungsdirektorin am Theater der Jungen Welt.
Foto: Daniel Thalheim
Frisch bestätigt aufgrund ihrer Leistungen am Theater der Jungen Welt, stand die "alte" und neue Verwaltungsdirektorin Lydia Schubert L-IZ.de zu einem Gespräch zu ihrer erneuten Ernennung, dem Haus und ihren Zielen zur Verfügung. Noch rasch ein paar Bilder in der Wandelhalle des Ratshauses und los ging´s.

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In den vergangenen zehn Jahren hat sich das TdJW zu einem beliebten Anlaufspunkt für die Leipziger gemausert. Das ist auch Ihrer Arbeit zuzuschreiben, Frau Schubert. Was hat Sie eigentlich ans TdJW verschlagen?

Mein großes Interesse gilt seit Kindheitstagen der Kultur, besonders der klassischen Musik. Seit meinem fünften Lebensjahr spiele ich Violine und wurde an der hiesigen Musikschule unterrichtet. Anrechtskonzerte im Gewandhaus, des Bach'schen Weihnachtsoratorium und die Passionsaufführungen mit dem Thomanerchor gehörten zum Jahreslauf. Dann habe ich mich aber ganz bewusst für ein Betriebswirtschaftsstudium in Chemnitz entschieden. Nach dem Diplom hat es mich mehr durch einen Zufall an die Theater Chemnitz als Assistentin des Verwaltungsdirektors verschlagen. Die Aufgaben dort, an der direkten Schnittstelle zwischen Kunst und Verwaltung, begeisterten mich von Anfang an und bereiteten mich idealerweise direkt auf meine jetzige Tätigkeit in ihrer ganzen Komplexität vor.

Ich las in der "Zeit“, dass eine Verwaltungsdirektorin für das TdJW in Leipzig gesucht wird, fand das diese Aufgabe zu mir passen könnte, bewarb mich, wurde zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, danach zu einem zweiten und am 1. April 2008 konnte es losgehen. Ich bekam eine Aufgabe, die mir von Beginn am riesig Spaß machte und in der ich voll aufgehen konnte. Eine Arbeit, die mit ihren vielen Facetten und Anforderungen nie Routine werden wird und mich täglich vor neue Herausforderung stellt, wo ich ständig Neues lerne, wo Kreativität und Ideen gefragt sind. Alles, was ich sehr mag.

Ist bis 2017 Verwaltungsdirektorin am TdJW: Lydia Schubert.
Ist bis 2017 Verwaltungsdirektorin am TdJW: Lydia Schubert.
Foto: Daniel Thalheim

Wenn man sich Ihre Ziele für die kommende Zeit anschaut, dann gibt es noch viel zu tun: Wann haben Sie Ihre Ziele fürs TdJW erreicht?

Vielleicht wenn wir es geschafft haben, unser Personal um ein Drittel aufstocken zu können. Aber Spaß beiseite. Mit 51 Mitarbeitern, davon 6 Teilzeitstellen und einem Gesamtetat von 3,1 Millionen Euro haben wir über 50.000 Besucher in der letzten Spielzeit erreicht. Das ist im Vergleich zu anderen Häusern einfach phänomenal, aber natürlich stelle ich mir auch in meiner Verantwortung als Verwaltungsdirektorin weitergehende Fragen: wo sind Grenzen erreicht und wie schaffen wir es immer wieder, die Mitarbeiter zu Höchstleistungen und 200-prozentigem Einsatz zu motivieren. Wenn Sie in das Actori Gutachten schauen, wird Ihnen Gewahr: im TdJW ist nichts mehr wirklich zu optimieren, eher sind genau meine Bedenken im Vergleich zu anderen Theatern herausgearbeitet worden. Mein Ziel ist es, immer wieder etwas Besonderes mit unserem Haus zu erreichen, dies mit zu gestalten und qualitativ hochwertige Kunst für junges Publikum und alle Generationen zu ermöglichen.

Was muss mit dem LOFFT noch geklärt werden?

Zunächst kann ich sagen, dass derzeit unsere Zusammenarbeit sehr entspannt ist. Wir denken über gemeinsame Projekte nach und freuen uns natürlich mit dem LOFFT, wenn der gemeinsame Neubau mit der Schaubühne Lindenfels in Plagwitz Wirklichkeit geworden ist. Natürlich freuen wir uns dann auf eine Spielstätte für 100 Zuschauer, die uns momentan einfach fehlt. Es gibt viele, vor allem Jugendstücke, die für eine Zuschauerzahl von 100 bis 150 ausgelegt sind. Gegenwärtig nutzen wir dafür unseren Großen Saal, wo wir dann aber die Zuschauerkapazität reduzieren müssen bzw. unsere angemietete Spielstätte in der Demmeringstraße, die nur 66 Zuschauer fasst.


Können Sie das genauer erklären?

Dies schränkt uns einerseits im Bespielen des Großen Saals sehr ein und auf der anderen Seite müssen wir entsprechend mehr Vorstellungen spielen, um der großen Nachfrage gerecht zu werden. Bei 699 Vorstellungen pro Spielzeit, die von einem 13-köpfigen Puppen- bzw. Schauspielerensemble und nur sehr wenigen Gästen gestemmt werden, kommen auf einen "Vielspieler“ am Haus ungefähr 180 Vorstellungen und drei Neuinszenierungen in einer Spielzeit. Verglichen mit anderen Theatern sind das fast doppelt so viele Vorstellungen bei nicht annähernd der gleichen Bezahlung. An dieser Stelle ist es auch eine meiner wichtigsten Aufgaben, hier strukturell etwas zu verändern und immer wieder auf diese Ungleichgewichte hinzuweisen und nach Lösungen zu suchen.

Eine dritte Spielstätte für Kinder- und Familienvorstellungen wird auch gesucht. Reicht die Bühne in Lindenau nicht aus - und warum?

Mehr zum Thema:

Der Stadtrat tagt: Lydia Schubert wird erneut als Verwaltungsdirektorin fürs TdJW bestellt
Seit dem 1. April 2008 war sie Verwaltungsleiterin ...
Wir haben drei Spielstätten. Eine davon ist angemietet – wir brauchen, wie gesagt, eine 100er Spielstätte um einen stückadäquaten Bühnen- und Zuschauerraum zu haben. Natürlich hat es auch viel mit einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung zu tun – müssen wir in der momentan angemieteten Spielstätte 2 mal spielen, um der Nachfrage gerecht zu werden, kostet es nicht nur mehr Geld sondern auch schauspielerische Energie.

Im Hinblick auf die Actori-Diskussion: Warum ist aus struktureller und künstlerischer Hinsicht eine Zusammenlegung mit der Musikalischen Komödie nicht möglich?

Es können künstlerische Konzepte nur auf Basis von Strukturentscheidungen getroffen werden. Das Actori-Gutachten sieht in dem besagten Szenario eine völlige Neustrukturierung der Musikalischen Komödie vor, was natürlich auch eine Reduzierung des Ensembles mit sich bringen würde. Das ist als politisch nicht gewünscht anzusehen.


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