Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche



Kotzorgie und Kannibalismus: Sebastian Hartmann inszeniert Falladas "Der Trinker"

Patrick Limbach
Steve Binetti spielt die Gitarre zu einem klamaukhaften Stück.
Steve Binetti spielt die Gitarre zu einem klamaukhaften Stück.
Bild: R. Arnold / Centraltheater
"Der Trinker" gilt neben "Der Alpdruck" als Hans Falladas persönlichstes Werk. In dem Roman, geschrieben 1944, schildert er mit autobiografischen Zügen, wie die Alkoholsucht den erfolgreichen Geschäftsmann Erwin Sommer in den Ruin treibt. Am Ende findet sich der Protagonist in einer geschlossenen Trinkerheilanstalt wieder, wo er sich schleichend das Leben nimmt, indem er die Auswürfe seiner tuberkulösen Mitpatienten schlürft. Sebastian Hartmann adaptierte den Roman zur Buchmesse für die Bühne. Eine gescheiterte Provokation.


Ein meterhoher Steg spannt sich zu Beginn des Abends quer über den Bühnenrand des Centraltheaters. Mehr Spielfläche räumt der Intendant seinen beiden Schauspielern und E-Gitarrist Steve Binetti nicht ein. Brauchen sie auch nicht, denn gut eine Stunde lang sitzen Samuel Finzi und Andreas Leupold in schwarzen Anzügen nebeneinander auf der Kante und erzählen den Roman nach. Fallada im Schnelldurchlauf.

Beide verkörpern den Trinker, der aus der Ich-Perspektive seinen Leidensweg schildert. Wäre Finzi, bekannt aus "Männerherzen" und dem Kieler "Tatort", nicht so ein begnadeter Schauspieler, hätte nach 20 Minuten wohl mehr als eine einsame Dame den Saal verlassen. Würde der Bulgare den Umgang mit Mimik und Gestik nicht so kongenial beherrschen, hätte man die Augen schließen können.

Großes Theater war die Darbietung, die streckenweise an ein Hörspiel erinnerte, wirklich nicht. Binetti untermalte die Stimmung mit Gitarrenriffs und selbst geschriebenen Songs. "Man muss die Dinge nur sich selbst überlassen", lallt er gleich zu Beginn ins Mikro. Was für eine Weisheit.

Steve Binetti, Andreas Leupold, Samuel Finzi.
Steve Binetti, Andreas Leupold, Samuel Finzi.
Bild: R. Arnold / Centraltheater

Nach rund einer Stunde der Bruch. Unter lauter Geräuschkulisse wird der Prospekt, der mit aufgemalten Vorhang den leeren Bühnenraum verdeckte, mit Ventilator-Wind von der Decke gerissen und durch einen neuen Hintergrund ersetzt. Darauf projiziert Hartmann grelle Animationen des Leipziger Malers Tilo Baumgärtel. Wirre Farbkleckse wechseln sich im Augenkrebs erzeugenden Bilderrausch mit Fliegen, einer Kneipenmeile, einer Eisenbahn, einem Skorpion oder einem Alien ab.

Die Schauspieler dürfen jetzt zumindest ab und an auch im Stehen spielen. Fienzi gerät nun richtig in Wallung, kämpft mit sich selbst, würgt und stampft klamaukhaft, während Leupold seelenruhig, geradezu depressiv die schmerzhaften Symptome des Alkoholikers beschreibt. Die Szene gipfelt in einer mehrminütigen Kotzorgie, bei der beide mitttels Plastikschälchen literweise Fäkalien auf den Bühnenboden würgen. Was vor zehn Jahren provokativ war, zaubert dem Zuschauer heute bestenfalls ein müdes Lächeln auf die Lippen. Als die Schauspieler durch Grimassenspiele ins Klamaukhafte abdriften, macht sich im Saal für kurze Zeit ein wenig Erheiterung breit.


Samuel Finzi, Andreas Leupold.
Samuel Finzi, Andreas Leupold.
Bild: R. Arnold / Centraltheater

Langweilig auch Hartmanns nächster Einfall. Leupold darf Fienzi eine Trinkerleber entreißen, um sie zu verzehren. Dass er sie vorher mit einer Portion roter Götterspeise austauscht, die er sich sodann im Gesicht verschmiert, während sich sein Rollenpartner einen Schluck Theaterblut gönnt, kann die Szene nicht retten.

Wäre an diesem Punkt das Stück zu Ende gewesen, könnte man den Abend als durchwachsenen Erfolg verbuchen. Doch Sebastian Hartmann dehnt die Inszenierung unnötigerweise in die Länge und penetriert die Zuschauer mit weiteren nervtötenden Einfällen, etwa indem er seine Akteure als buckelige Glöckner von Notré Dame auftreten lässt.

Was hat das mit Hans Fallada zu tun? Nichts. Vielleicht wollte der Noch-Intendant die Gunst der Stunde nutzen, um sein Publikum noch einmal nach Strich und Faden zu verladen. Die Rechnung ging auf. Schauspieler und Team erhielten tosenden Beifall.


Funktionen

del.icio.us Mister Wong Technorati Blogmarks Yahoo! My Web Google Bookmarks



Weitere aktuelle Nachrichten der L-IZ.

Der Stadtrat tagt: Petitionen alle nicht abhilfefähig

Petitionen alle nicht abhilfefähig
Erneut standen einige Petitionen im Stadtrat zur Abstimmung. Einen längerer Weihnachtsmarkt als bislang forderte eine Petitentin, in einer weiteren Petition zum Freiheits- und Einheitsdenkmal wurde versucht einen neuen Wettbewerb am Standort Wilhelm-Leuschner-Platz zu starten und eine dritte Eingabe von Bürgern richtete sich gegen die Schließung der Beratungsstelle Caktus .V.. Alle drei Petitionen wurden als „nicht abhilfefähig“ vorab eingeschätzt. Der Stadtrat folgte dieser Haltung drei Mal durchgehend einstimmig. mehr…

Polizeibericht: Gescheiterter Trickbetrüger, Auto- und Fahrrad-Diebe geschnappt

Ein Trickbetrüger versuchte mit dem „Enkeltrick“ Euros zu ergaunern +++ In der Mochelesstraße wurde ein BMW gestohlen +++ In Borna konnte eine Auto-Diebin festgenommen werden und in Neulindenau wurde ein Fahrrad-Dieb geschnappt. mehr…

Der Stadtrat tagt: Zentraler Busbahnhof für den Fernverkehr weiter in Planung

Heike König (Grüne)
Die Stadt Leipzig sucht weiter nach einer zentralen Bushaltestelle für den Fernverkehr am Leipziger Hauptbahnhof. Stadtrat Jens Hermann-Kambach (Linke) hatte Ende Januar die Durchführung eines Workshops beantragt, um nach möglichen Lösungsszenarien zu suchen. mehr…

Der Stadtrat tagt: Keine Überprüfung der ÖPNV-Tarife

Naomi-Pia Witte (Linke)
Der Stadtrat beschäftigte sich am Mittwoch wieder einmal mit den MDV-Tarifen. Die Linken beantragten, dass der Verkehrsverbund vor Beschluss der turnusmäßigen Fahrpreiserhöhung zum 1. August 2015 dem Verwaltungsausschuss zu jedem Produkt nachvollziehbare Tarifbestimmungen vorlegen soll. mehr…

Leipzigs Stadtmuseum bittet um Mithilfe: Was ist aus Siegesdenkmal und 25 Zentnern Stalin geworden?

Das Stalin-Denkmal auf dem Augustusplatz.
Es gibt Zeiten, da sind einige Leute geradezu närrisch nach einem Denkmal und denken nicht daran, dass ihr Denkmal bei künftigen Generationen sogar für Verstimmung sorgen könnte. Das war auch in Leipzig immer wieder mal der Fall. Das will das Stadtgeschichtliche Museum im September in einer Ausstellung mit dem Titel "Freiheit! Einheit! Denkmal!" thematisieren, die sich verschiedenen politisch umstrittenen Leipziger Denkmalen widmet. mehr…

Der Stadtrat tagt: Ein Platz für Addis Abeba

Katharina Krefft (Grüne)
Sollen in Leipzig Straßen und Plätze nach Partnerstädten benannt werden? Ja, sagen die Grünen und die CDU. "Es gibt den Wunsch, Straßen und Plätze nach Partnerstädten zu benennen", betont Fraktionschefin Katharina Krefft. Aber: "Es ist der Wunsch, dass dies in ein städteräumliches Konzept eingebunden wird." mehr…

Der Stadtrat tagt: Jetzt hammer's – nicht, kein W-LAN in Bus und Bahn

Jens Herrmann-Kambach (Die Linke)
Einsteigen und lossurfen. Das finden nicht nur CDU und Die Linke schick, auch die Verwaltung hatte sich im Vorfeld der heutigen Sitzung mit einem Alternativvorschlag zum „W-LAN in Bussen und Bahnen“ auf den Weg gemacht. Der Blick aller richtet sich dabei nach Dresden, wo derzeit ein Modellversuch läuft. Neben der Zeit der Prüfung, in welcher man abwarten will, was die Dresdner so an Wohlgefühl bei den Fahrgästen rückmelden, geht es beim Prüfauftrag eigentlich nur um die berühmten zwei Dinge: Zeit und Geld. mehr…

Der Eisvogel brütet wieder: Floßgraben ab sofort nur eingeschränkt befahrbar

Floßgraben.
Zur Sicherung der Brut- und Wohnstätten des Eisvogels (Alcedo atthis) sind das Befahren des Floßgrabens und das Betreten der Uferbereiche auf einer Breite von 20 Meter ab sofort bis zum 15. August für maschinenbetriebene Wasserfahrzeuge gar nicht und für muskelbetriebene Fahrzeuge nur noch täglich von 11 bis 13 Uhr und 16 bis 18 Uhr möglich, meldet das Leipziger Umweltamt naxch einer Beratung am heutigen Mittwoch, 16. April. mehr…

Der Stadtrat tagt: Tempo 30 vor Schulen, Kitas und Horten

Baudezernentin Dorothee Dubrau (parteilos)
Demnächst müssen Autofahrer vor Schulen und Kitas auf die Bremse treten. Auf Initiative von Grünen und SPD beschloss der Stadtrat, dass vor allen Schulen und Kitas in der Stadt Tempo-30-Zonen eingerichtet werden. Begründung: Geschwindigkeitsbeschränkungen vor Schulen und Kitas sind ein probates Mittel zur Erhöhung der Verkehrssicherheit für Kinder. mehr…

Der Stadtrat tagt: Statt Bürgerinitiative und Petitionsentgegennahme gegen Moschee - Parteienwerbung im Rathaus und ein kleiner Saalsturm

Alexander Kurth (NPD) stürmt gegen 14 Uhr in den Ratssaal, versucht die Unterstützerunterschriften gegen den Moscheebau an den Mann zu bringen. Der Mann heißt Burkhard Jung und war durch eine Nebentür in den Ratssaal gekommen. Draußen vor der Tür Rufe der Gegendemonstranten, Feuerwehrleute irgendwie zwischen den Fronten und ein großes Wahlbanner der NPD. Die „Bürgerinitiative“ mit Parteienwerbung im Rathaus. mehr…

Der Stadtrat tagt: Alles barrierefrei oder was?

Sabine Heymann (CDU)
Monatelang tobte die Debatte um die Verteilerebene zwischen Straßenbahn, S-Bahn und Hauptbahnhof am Citytunnel. Rollstuhlfahrer vor Treppen, Debatten im Stadtrat, hier und da auch der Vorwurf, der eine oder andere kenne sich schlicht nicht mal mit den örtlichen Gegebenheiten aus. Dies möchte die Leipziger CDU nachhaltig ändern und so stellte sie heute ihren Antrag für Barrierefreiheit bei Bauprojekten und Großveranstaltungen der Stadt zur Abstimmung. Flankiert von einem ausführlichen Verwaltungsstandpunkt. mehr…

Lok-Aufsichtsratschef Olaf Winkler: „Im Verein herrscht ein besseres Klima“

Olaf Winkler, 1.FC Lok Leipzig.
Mehr als ein Jahr ist die aktuelle Führungsriege beim 1. FC Lok im Amt. Die Spauke, Kesseler, Gruschka und Mieth sind einstmals vom Aufsichtsrat in das Präsidium berufen worden, nachdem Notzon, Dischereit und Wickfelder nacheinander zurückgetreten waren. Aufsichtsratschef Olaf Winkler blickt zurück auf ein Jahr voller Veränderungen - aber auch nach vorn. Ein Gespräch über bessere Kontakte, einen möglichen Oberliga-Abstieg und mehr Macht für den Aufsichtsrat. mehr…

Leipziger April-Stadtratssitzung im Livestream und Liveticker

Livestream aus dem Leipziger Stadtrat.
Auch in der April-Sitzung des Leipziger Stadtrates stehen wieder spannende Themen auf der Tagesordnung: Beendigung des Wettbewerbes Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal und Durchführung eines Bürgerentscheides, Skate-Anlagen in Leipzig, Bretschneider-Park, Naturbad und Spielplatz in Großzschocher, Discounter in Knauthain, Kurze Südabkurvung am Flughafen, Tempo 30 vor Schulen und Kindergärten, WLAN in Bussen und Bahnen, Planung eines zentralen Busbahnhofes, Stand im Kita- und Schulhausbauprogramm, Arbeitszeitregelungen bei der Berufsfeuerwehr, ... Außerdem natürlich auch wieder einige Anfragen von Einwohnern, die in der Fragestunde beantwortet werden. mehr…

Sparkasse Leipzig: Auch 2013 ein solides Ergebnis - trotz europäischer Niedrigzinspolitik

Hauptsitz der Sparkasse Leipzig im Löhr's Carré.
Wohin geht die Reise für die Sparkasse Leipzig im Jahr sieben der weltweiten Finanzkrise, die noch immer vor sich hingärt? Da kommen zwar ein paar "Erfolgsmeldungen" aus Griechenland. Aber die Leipziger Geldspezialisten brauchen nur die niedrigen Zinsen der EZB zu sehen, um zu wissen: Zu Ende ist die Malaise noch lange nicht. Und sie macht auch das eigene Geschäft schwieriger. mehr…

Steigende Mieten in Leipzig: Linksfraktion beantragt eine wohnungspolitische Stunde

Der Eigentums-Wohnungsbau in Leipzig - wie hier in der Lassallestraße - boomt.
Am Mittwoch, 16. April, taucht er erstmals auf der Tagesordnung der Ratsversammlung auf: der Antrag Nr. V/A 536/14 der Linksfraktion, der dann zur Beratung im Mai ansteht: "Durchführung einer wohnungspolitischen Stunde". Ein Antrag, der Stadträtin Naomi Pia-Witte besonders am Herzen liegt. "Wir brauchen dringend ein wohnungspolitisches Konzept in der Stadt", sagt sie. Die üppigen Zeiten sind vorbei. mehr…

Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Die L-IZ-Suche.
Tagesansicht: heute | gestern | vorgestern
Tagesansicht: heute | gestern | vorgestern
Anzeigen.
- Schaltung: 6 Tage vorher, VA-Tag und 3 Tage nachher - Termine Stadtrat 2013 am 23.01., 20.02., 20.03., 17.04., 15.05., 19.06., 10.07., 18.09., 16.10., 21.11., 11.12. - Termine Stadtrat 2014 am 22.01., 12.02., 19.03., 16.04., 21.05., 18.06., 16.07., 17.09., 15.10., 20.11., 10.12. - Positionierung: in ungeraden Monaten: Die Linke oben, Die Grünen unten - Grünen-Banner: 1 (Monate 1, 4, 7, 10), 2 (Monate 2, 5, 11), 3 (Monate 3, 6, 9, 12)
Fraktion Die Linke im Stadtrat Leipzig

_Neues aus der Fraktion:

Weitere News und Termine der Fraktion Die Linke im Stadtrat Leipzig
Quick Reifendiscount
Monatsmagazin 3VIERTEL
Website Schwarzes Leipzig
Gewinnspiele & Aktionen.
Bücher:
Leipziger Leselust ... seit 2004 bespricht die L-IZ regelmäßig die neuesten Bücher aus Leipzig.
Unser Senf
Aktuelle Dossiers.
Anzeigen.
Link-Tipps.
Forum Café LE
Bildblog