Werktor auf für „Rheingold“, leicht gekürzt, wagner-fein vom Blatt gespielt, jazzig-beswingt: Studierende machen im Westwerk Oper
Karsten Pietsch
15.06.2012
Das Rheingold
Wenn durch die alten Fabrikhallenfenster die Plagwitzer Abendsonne scheint, erklingt im Westwerk Richard Wagners „ Rheingold“. Vorher und danach gibt’s am Ufer des Karl-Heine-Kanals Bier, Wein, Bratwurst und Schaschlik. In einer Stunde und kaum 45 Minuten ist alles vorbei aus Wagners Musikdrama, viel mehr der gekürzten, aber ergänzten, zuweilen jazzig-beswingten Fassung, die Leipziger Studierende samt Lehrern davon übrig gelassen haben.
Anzeige
Für 7,50 Euro muss dass Publikum aus Gestühl verzichten und mitwandern vom Grunde des Rheins zur Götterburg-Baustelle, ins Nibelheim-Bergwerk und zur Burgeinweihung.
Baustellen-Theater
Wenn schon Baustelle, so ist es auch das Material, mit dem sonst eingerüstet wird, dass hier die Räume andeutet. Unten drunter ist das Orchester einsortiert. Fast könnte man es Bühnenbild nennen. Wie von der Straße könnten die meisten der Kostüme kommen, die göttlichen Roben aus dem Gewandhausfoyer. Personell ist es ein großer Aufzug.
Allein 24 Namen stehen für die Erstellung der „Neufassung für Kammerorchester, Band und Big-Band“. Zusammengetan haben sich die Hochschule für Musik und Theater mit Institut für Kunstpädagogik und Fachrichtung Dramaturgie, Universitäts-Institut für Kunstpädagogik, und Medienfakultät der Hochschule für Technik, Wirtschaft, und Kultur, dazu noch das Humboldt-Gymnasium. Anja-Christin Winkler steht für Regie und Produktionsleitung. Falls es für sie bei dieser Arbeit und einen akademischen Grad oder irgend eine Bewertung ging, wollen wir hiermit alle nur möglichen Sterne zuerkennen. Vermutlich kann sie ein Extra-Drama über das Making off verfassen.
Leipzig – Kongo
Wie Flyer von der letzten Demo liegen Zettel am Boden, darauf Hinweise auf die heutigen Rohstoffschätze und die Kinderarbeit im modernen globalen Dorf Nibelheim: Coltan aus Afrika steckt in jedem Handy. Gruben gibt es z. B. im Kongo. Etwa 30 Prozent der Arbeiter in den Coltan-Minen sind Kinder und Jugendliche.
Musikstadt – an den unmöglichsten Orten
Für 7,50 Euro muss dass Publikum aus Gestühl verzichten und mitwandern.
Foto: Karsten Pietsch
Womöglich ist das die Zukunft der Musikstadt Leipzig und der Opernschulenidee, die Udo Zimmermann wieder fallen ließ: in Leipzig finden Oper, Konzert und Theater an den unmöglichsten aller Nicht-Orte statt! Temporär, aber regelmäßig. Mit Geduld und Ausdauer.
Vielleicht wird das mal die Frage beim Stellen-Casting: „Da steht ja Leipzig bei Ihnen in der Vita! Wo haben Sie denn da gespielt?“
Und wenn schon Leipzigs Operintendant neulich Besucher einschwor, dass bereits die Arbeit an der Kunst als Kunsthandwerk naturgemäß Beachtung und Achtung einfordert, so gilt das hier besonders: Es gehört ja nicht zum Studium, als Kulturprogramm ein „Rheingold“ stemmen zu müssen. Aber auch nicht verboten ist, stundenlange Arbeit am menschlichen Material und Können eine Zeit lang mit dem Willen und unbedingten Wollen zu verbinden.
„Weiche, Wotan, weiche!“
Musikalisch entsteht in der leeren Werkhalle ein Sound aus Nachhall, Live-Ton und Mikrofonverstärkung, das Resultat mixt sich unter den Reglern, zwischen den Boxen und den vier Wänden. Da hört sich vieles weg. Texte erscheinen verständlich größtenteils an Monitoren.
Schön wie auf der Opernbühne und akustisch fast so wie dort erklingt die Erda mit der Stimme von Gisela Schönhals. Und Wotans Beschwörung, den Ring doch nicht zu behalten, um der Macht über die Welt die Fähigkeit zur Liebe zu opfern. Statt Groß-Video-Screen machen es viele kleine Monitore ... auch nicht!
Wenn es schon für große Videowand nicht reicht, müssen eben viele kleine Monitore im Spielraum verteilt werden, und schon ist das Medienkunst. Funktionieren kann das nur auf Sichtweite.
Werktor auf für „Rheingold“
Foto: Karsten Pietsch
Über eine Brücke schreiten die Götter nach Walhall – hier wunderbar möglich, hier klettert man jene Leiter hinauf, wo es früher vielleicht zur Kranbahn ging, und verschwindet im gläsernen Abteil.
Ach ja, keine anderen Einfälle sollten es sein, als dass am Ende die Götter Sektgläser schwenken. Und das ein kleiner Junge, von seiner Sandburg aus, die Geschichte erzählt, dem Wotan bringt er anfangs das Holz für den Speer, nimmt es ihm am Ende wieder weg, um daraus ein Schwert zu bauen. Auf dem Besetzungszettel heißt er Kleiner Wotan.
Zur Premiere am Donnerstagabend donnerten Applaus und Jubel, Blümchen gab es von etlichen für viele. Neidisch muss die gute alte Philippuskirche, eine Straßenecke weiter, geworden sein, einst Kirche, Orgel-Jazz-Hall und zeitweise auch Kinoorgelsaal ...
Wagner-Wettlauf
Im Leipziger Wagner-RING-Wettrennen hat diese Produktion jetzt die Nase vorn.
David Timm will seinen konzertanten Teilen nächstes Jahr eine „Götterdämmerung“ in der Paula, jüngst gehörter Ausdruck für Paulinum – Aula und Kirche, am Augustusplatz folgen lassen. Dirigent Ulf Schirmer pendelt nach konzertanten Teilen auch mal über'n Platz zum gleichen Orchester, um einen RING ohne Worte zu dirigieren. Bevor es dann, Jahr für Jahr, szenisch zugehen soll.
In Sachsen-Anhalt ist man jetzt schon dabei, eine ständige Konferenz der Intendanten zu gründen, weil der Landes-Kulturminister Sorge hat, ob sich tatsächlich Halle und Dessau jeweils einen RING leisten können.
Wenn es denn das Publikum begeistert, soll es so sein!
Theater ist nicht, was kühn geplant war, sondern was stattfindet. Wenn der Vorhang oder das Werktor aufgeht. Zum Beispiel im Westwerk. Nächste Vorstellungen: 15., 19., 20. Juni 19:30 Uhr, Kartentelefon: 4158302, www.hmt-leipzig.de, kbb@hmt-leipzig.de.
Fußball ist in Deutschland längst keine Nebensache mehr. Ganz akademisch werden Nachwuchstalente auf ihre Profikarriere vorbereitet. So auch in Berlin bei Hertha BSC. Die F-Jugend des SV Lindenau 1848 schaute sich zu Pfingsten die Nachwuchsakademie auf dem Berliner Olympiapark an. Und unterlag der U9 von Hertha in einem Freundschaftsspiel mit 4:7. mehr…
Er war eigentlich noch nicht so alt, was die Sache irgendwie noch ein wenig unerklärlicher macht. Jedenfalls fuhr der 46-jährige LVB-Mitarbeiter die Straßenbahn der Linie 10 auf der Karl-Liebknecht-Straße stadteinwärts, als er wohl gemerkt haben muss, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Jedenfalls brachte er auf der Höhe Steinstraße seine Straßenbahn zum stehen und brach anschließend im Fahrgastraum zusammen. mehr…
Über die aktuellen Gründe liegen noch keine Erkenntnisse vor, als MDR Info am Dienstag, 21. Mai, meldet: „In einem Leipziger Jobcenter ist eine Mitarbeiterin brutal angegriffen worden. Wie die Polizei mitteilte, schlug ein Mann mit einem Hammer auf die Frau ein. Sie wurde dabei schwer verletzt.“ Der Angreifer habe bereits Hausverbot gehabt und sei „bereits mehrfach auffällig geworden“. mehr…
Im Jahr 2013 begeht Leipzig nicht nur den 200. Jahrestag der Völkerschlacht oder den Geburtstag Richard Wagners, 2013 jährt sich auch die Gründung der Schola Cantorum zum 50. Mal. Dies ist Grund und Anlass für die Mitglieder und Mitarbeiter des Kinder- und Jugendchores der Stadt Leipzig, einen Blick in die spannende und wechselvolle Geschichte des Ensembles zu werfen. Und natürlich zu feiern. Die wichtigsten Festkonzerte in Leipzig sind im Juni. mehr…
Wagner kann einen närrisch machen. Oder besonnener. Am 22. Mai werden eine Reihe Leute in Leipzig wieder ganz närrisch, schütteln sich die Hände, enthüllen ein Denkmal, lauschen im strengen Anzug einem Festkonzert oder klatschen Beifall, wenn im Opernhaus der Schriftsteller Friedrich Dieckmann den ersten Richard-Wagner-Preis bekommt. mehr…
Der 1. August naht. Es sind nur noch etwas mehr als zwei Monate. Und ziemlich sicher ist schon abzusehen, dass Leipzig den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für die unter Dreijährigen nicht wird erfüllen können. Die Stadtverwaltung gab sich im November 2012 zwar sehr ambitioniert, die Bedarfsdeckung durch Neubauten, Kapazitätserweiterungen und Modul-Kitas doch noch zu erfüllen. Aber die meisten geplanten Einrichtungen stehen 2013 nicht zur Verfügung. Die Eltern zeigen sich natürlich entsprechend besorgt. mehr…
Am 15. Mai wurde im Sächsischen Landtag der CDU/FDP-Antrag "Polizeipräsenz im Internet erhöhen - Soziale Netzwerke zur Polizeiarbeit nutzen!" behandelt. Ein Antrag wie aus der Wunschkammer des braven Bürgers, der das Internet sowieso für eine gefährliche Welt hält und sich jetzt auch dort ein paar präsente Ordnungshüter wünscht. Und so eine Art Kooperation zwischen wachsamem Bürger und aufmerksamer Polizei. Und der naive Glaube an die "sozialen Netzwerke". mehr…
Diese emotionale Aufwallung schaffte es längst zum Klassiker im reichlich gefüllten, goldenen Spruchbeutel der City-Tunnel-Prosa: "Ich will die Milliarde nicht sehen!", entfuhr es Ende der 1990er Jahre dem damaligen Sächsischen Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, Kajo Schommer. Gemeint war, die geplante Investitionssumme für den City-Tunnel auf eine Milliarde zu begrenzen - D-Mark, wohlgemerkt, denn in einer anderen Währung rechnete damals auch ein Mitglied des Dresdner Kabinetts nicht. mehr…
Am Freitag, dem 24. Mai um 20:15 Uhr, ist der Bestsellerautor Martin Walker bei Lehmanns Media zu Gast und liest aus seinem aktuellen Bruno-Krimi „Femme Fatale“. Der im französischen Périgord lebende Ire ist nicht nur Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist („The Guardian“), sondern auch ein sehr, sehr sympathischer Zeitgenosse und Medienliebling. mehr…
Am Sonntag, den 26. Mai um 10 Uhr wird es während des beliebten Familienfrühstücksbuffets im Unikatum Kindermuseum spannend, denn Museumsmitarbeiterin Annekatrin Naumann möchte die Gäste ab 4 Jahren zu Zeitjägern machen und sie mit auf eine aufregende Schatzsuche durch die aktuelle Ausstellung „Ach du liebe Zeit!“ und den Hofgarten nehmen. mehr…
Der letzte Rundgang der Reihe „Sanierungs- und Fördergebiete“ des Stadtforums Leipzig findet am Montag, 27. Mai, um 17:30 Uhr am Platz der Biedermannstraße/Ecke Bornaische Straße, gegenüber der Litfaßsäule, statt. Es handelt sich um einen Rundgang durch das Sanierungsgebiet Connewitz, mit Standpunkten an der Biedermannstraße und Auerbachstraße, dem Herderplatz und Kronengarten sowie den Stadthäusern Hermannstraße. mehr…
Am Sonntag, 26. Mai, ist um 19 Uhr in der Kirche Panitzsch eine musikalische Annäherung an die romantischen Kompositionen Richard Wagners aus der Richtung des Jazz zu erleben. Unter dem Motto „Wagner in Jazz“ hat Stephan König anlässlich des 200. Geburtstages von Wagner musikalische Themen aus Wagner-Opern für sein Jazz-Trio bearbeitet. mehr…
Im Rahmen der Festwoche "150 Jahre SPD" macht die Dialog-Box der SPD in Leipzig in der Petersstraße, Höhe Hugendubel, Station. Neben der Bewerbung der Veranstaltungen rund um die Festwoche "150 Jahre SPD" möchte die SPD Leipzig die Dialog-Box nutzen, um mit den Leipzigerinnen und Leipzigern zu verschiedenen Themen ins Gespräch zu kommen. Der Dienstag, 21. Mai, steht dabei ganz im Zeichen der europäischen Bürgerinitiative "Wasser ist Menschenrecht". mehr…
Ein Vortrag am Mittwoch, dem 22. Mai, 19 Uhr, im Ariowitschhaus, Hinrichsenstr. 14, beleuchtet das Verhältnis Martin Luthers zu den Juden. Referent dieser Veranstaltung der Jüdisch-Christlichen Arbeitsgemeinschaft ist Professor Martin Steinhäuser. mehr…
Die Grüne-Fraktion fordert nach dem heutigen Bericht der Bild-Zeitung (21.05.) über 6,5 Prozent mehr Lohn für Sachsens Beamte ab 2014 eine Klarstellung von Sachsens Finanzminister Georg Unland (CDU). mehr…