Leipziger Comicfest für professionelle Freaks und Familien gestartet
Michael Freitag
28.08.2009

Jens das Podium zum Starttag des 2. Leipziger Comic- und Familienfestivals: Rasmus Nielsen, Schwarwel, Henry Steinhau, Nadja Enis, Raban Ruddigkeit
Foto: L-IZ.de
Das Angebot ist breit, der Markt am Samstag wird für eine freie Veranstaltung im Bereich Illustration, Bewegtbild und vielem mehr mit 64 Ausstellern groß. Was gestern mit einer Podiumsdiskussion in der Moritzbastei begann, nennt sich 2. Leipziger Comic- und Familienfest. Bereits am Eröffnungsabend wurde das Potential, was die Agentur Glücklicher Montag hier in diesem Jahr versammelt, deutlich.
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Kultzeichner Schwarwel hatte geladen und es gab verbale Blumen, Einsichten in eine wachsende Kreativbranche und Fachgeplänkel mit anschließendem Konzert. Wer sich als Illustrator versuchen möchte, hat im Falle eines Fernbleibens am gestrigen Donnerstag etwas verpasst.
Die vier Grafik-Profis und Moderator, Jurnalist und Dozent Henry Steinhau zeigten Arbeiten aus den Gebieten Manga, Reinzeichnungen, freie Kreativ- und professionelle Auftragsarbeiten. Über allem in der Diskussion und der gesamten Szene stand und steht wohl der klare Rahmen: Es ist ein Business, welches oft unterschätzt, in unzähligen Lebensbereichen weit ausserhalb von Comicheften Verwendung findet und manchmal auch selbst zu leise auftritt. Ein Grund mehr also, das Leipziger Comicfest als einen jährlichen Treffpunkt der Szene und Gäste zu verstehen.

Beispiel für eine Drehanweisung: Lars Rasmus Nielsen (ua. Carlsson Verlag und Dozent Animation School) erklärt die Facetten des Illustratorenlebens
Foto: L-IZ.de
Und so stellte Podiumsgast Raban Ruddigkeit (Herausgeber Freistil) denn auch bald fest: "Illustrationen stecken in fast allen Lebensbereichen, in nahezu jedem Logo, doch werden oft garnicht bewußt wahrgenommen."
Und wie jede Branche im kreativen Bereich kämpft oft der Einzelne allein und um vernünftige Preise für die Arbeiten, die frei oder im Auftrag am Zeichentisch entstehen. Nicht grundlos also die Mitpräsentation der Debatte durch den Illustratoren Organisation e.V., durchaus prominent mit Vorstand Jens Rasmus Nielsen vertreten. Mit über 900 Mitgliedern versucht man hier die Szenerie noch klarer zu vernetzen, versteht sich als Gewerkschaft und Interessenvertreter der Illustrationsgilde Deutschlands. "Es wird langsam darüber im Verein auch geredet, über Preise und was man dafür macht." ging Jens Rasmus Nielsen denn auch auf den zentralen Punkt: Kreativität gegen Geld und die Verschwiegenheitsklauseln der Auftraggeber ein. Angebote des Vereins sind dabei zentral die Beratung bei Vertragsgestaltungen, Preisbildung und Umgang mit den Kunden und natürlich auch untereinander.
"Die Szene ist eigentlich mittlerweile gut vernetzt." konnte der professionelle Reinzeichner und unter anderem Auftragnehmer bei Filmen von Bully Herbig (Sissi) deshalb gestern Abend auch vermelden. Wie breit dabei die "Dienstleistungen" eines Illustrators sein können, wurde unter anderem bei Arbeitsbeispielen zu Drehsets und Arbeitszeichnungen für Szenenanweisungen deutlich.

Der Job und die Stammkunden: Beispiele aus dem Hause Agentur Glücklicher Montag
Foto: L-IZ.de
Quereinsteigerin, Neuleipzigerin und Mangazeichnerin Nadja Enis brachte dabei schon zu Beginn den Vertrieb übers Internet ins Gespräch. Seit einigen Jahren verkauft sie eher international ihre Zeichnungen übers Netz, und nennt mittlerweile genau 3 Stammkunden ihr eigen. Wer in diesem Moment "nur 3" dachte, wurde von Schwarwel schnell in die Realität zurück geholt. Mit dem Satz "Mehr wirst Du auch nie haben." kam er freundlich auf die seit nun fast Jahrzehnten erlebte Realität im Illustrationsbusiness zu sprechen. "Wir reden hier nicht von Aufträgen. Da sind viele Kunden, aber nur mit wenigen bist Du auf Jahre wirklich verbunden." In seinem Fall die oft benannten Die Ärzte, Farin Urlaub solo aber auch das With Full Force.
Im Fazit suchte man dann eher spaßbetont nach einer Klärung der etwas dialektikfreien Frage: "Freak oder Profi". Das wohl beides von nöten ist, konnte sich schnell in den Ausführungen des Lokalmatadors Schwarwel finden: "Es ist wahnsinnig schwer, das beides, also das Kundengespräch und die kreative Arbeit miteinander zu verbinden. Da musst Du dann jedes Mal aus dem eigenen Kopf aussteigen. Aber auch die Chemie zwischen Kunde und Dir muss stimmen. Sonst funktioniert es garnicht."
Man einigte sich am Schluss im Angesicht des aufgezeigten Spannungsfeldes zwischen introvertiertem Arbeiten und dem extrovertierten Verkauf auf ein pontiertes Substantiv: Illustratoren sind wohl "professionelle Freaks". Der folgerichtige freakig-musikalische Aufklang des Festivals "Fil - Die Stimme Berlins" kam im Anschluss vor vollen Stuhlreihen auf der Bühne zur Sache.

Der Reinzeichner und der Schweinevogelvater an einem Tisch
Foto: L-IZ.de
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