Von der Genauigkeit des Augenblicks: Element of Crime live in Leipzig
Michael Freitag
01.03.2010

Element of Crime: nach ausverkauftem Konzert im Haus Auensee am 18. August auf der Parkbühne
Quelle: myspace.com/elementofcrime
Meist erinnert man sich bei Element of Crime an den Refrain, sie werden zu geflügelten Worten, gehobenem Kneipengespräch und manchmal Alltagsphilosophie. Das Leben findet auch beim neuen Album der Band in den Zwischenbereichen genauer Augenblicke statt. Und nach ihren Konzerten bleibt dieser tiefblaue Nachhall.
Warum ist ihr Kind so dumm, wie klein? Wer weiß das schon, genauso wenig wie der Verzehr von Erdbeereis mit dem sozialen Miteinander in heutiger Zeit korrespondiert. Oder doch? Die Geschichten des Bandleaders Sven Regener wirken seit Jahrzehnten in die Köpfe und Herzen, gelebte Melancholie frei von der Unerträglichkeit des zwanghaft Zusammengereimten. Ob es der Regen ist, der immer da niedergeht, wo man gerade steht oder die schlichte Feststellung, dass eine S-Bahn unter der Erde fahrend keine mehr ist. Die Geschichte wird bedingungslos zu Ende erzählt. Und dabei offen gelassen.
Immer ist die Pinsellinie sauber und leicht auf den Gemälden der 1985 gegründeten Band gezogen, um sich nur scheinbar in Schwarz oder Weiß zu flüchten. Großstädtischer Treibsand als über Jahre gewachsenes Sittenbild einer erodierenden Zeit. Den Soundtrack liefern die seelisch hängengebliebenen Songs voller Tiefenschärfe aus dem Hause Element of Crime.

Glücklich der, welcher sich dann auch die Zeilen dazwischen erinnern kann
Quelle: myspace.com/elementofcrime
Egal ob es heißt: "Verloren sind die, die im Dunkeln was sehn - Du bist nur verliebt" oder "Liebling, sag mir morgen früh nochmal, dass wir glücklich sind" - immer darf man wahlweise befreit mitsingen oder leise weinen – Text und Trompete lassen beides zu. In jedem Fall sind es die Refrains, die in dunklen Stunden wiederkehren. Glücklich der, welcher sich dann auch die Zeilen dazwischen erinnern kann, denn oft versteckt sich die Hoffnung in wenigen Worten vor allzu schnellen Augen und Ohren.
Wann kommt der Wind (wieder nach Leipzig)? Am 18. August 2010 um 20 Uhr sind Element of Crime auf der Parkbühne Leipzig mit ihrem aktuellen Album „Immer da wo Du bist bin ich nie“. Auch ohne Komma wieder eine dieser seltsamen Genauigkeiten einer sehr eigenen Band. In jedem Fall wartet wohl eine tiefblau aufgeladene Sommernacht, für die man sich rechtzeitig Karten sichern sollte. Es sei denn, man will im Clara-Park sitzen und den verwehten Texten eines Sven Regeners aus der Ferne lauschen. Mit einem schweren Rotwein in der Hand versteht sich.
Zwei Songs des aktuellen Albums zum Reinhören
www.myspace.com/elementofcrime
Element of Crime offiziell im Netz mit Video
www.element-of-crime.de/html/1024_videos.html
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