Kunst-Funkmarathon in Lindenau: Kunstraum D 21 und Essential Existence Gallery locken mit neun Events in sieben Tagen
Daniel Thalheim
21.08.2010

Prawatt
Foto: Kunstraum D21
Kurse, Vorträge, ein Konzert und viel Radio kommen auf kunstinteressierte Leipziger in der kommenden Woche zu. Ab morgen, Sonntag den 22. August heißt es im Leipziger Westen "Funk Now!" mit Künstlern wie Tetsuo Kogawa, Julian Priest, Michelle Teran und Ligna. Zur Krönung der spannenden Woche treten die Klangkünstler Prawat in der EEG auf.
"Unsere aktuelle Ausstellung präsentiert Künstler und Kunstkollektive, die sich die Demokratisierung und Aneignung der Radiofunktechnologien zunutze machen, zur kritischen Erkundung sozialer Gegebenheiten auf der Suche nach neuen Assoziationsformen", erklären die Macher der "Fink Now!"-Reihe des Kunstraums D 21 in der Nähe des Lindenauer Markts.
Nicht nur Kunstinteressierte sind eingeladen, in den verschiedenen Workshops und Performances des japanischen Künstlers Tetsuo Kogawa und der Hamburger Radiogruppe Ligna, das Feld der Radiofunktechnologie zu erkunden und aktiv mitzugestalten. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit Radio Blau, wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und dem Kulturamt der Stadt Leipzig, mit freundlicher Unterstützung der Filmgalerie Alpha60.

Prawatt aus Polen machen keine Musik, sondern erzeugen Klänge - am 30. August in der EEG im Westwerk.
Foto: Kunstraum D21
Dieser Workshop soll tragbare Radiogeräte und ihre möglichen Bedeutungen vorstellen. Die Teilnehmer werden hier mögliche Sendungen diskutieren. Ab 17 Uhr findet auf Radio Blau und im Stadtraum eine erste Performance statt, die die Teilnehmer zusammen mit Ligna auswerten. Anmelden sollte man sich, wenn auch kurzfristig.
Schon am Mittwoch, den 25. August haben dann nicht nur Workshop-Teilnehmer ab 18 Uhr die Chance, Tetsuo Kogawa kennen zu lernen. Radiokunst auf japanisch wird es auf Radio Blau heißen. Tetsuo Kogawa stellt auf Radio Blau seine Radio-Kunst- und Micro-FM-Manifeste vor, erzählt von der Mini-FM-Bewegung der Achtziger Jahre, „Radio Home Run“ in Japan und seinen Begegnungen mit Félix Guattari. Diese Radioperformance setzt der Japaner am 26. August fort.

Tetsuo Kogawa beim Transistorbau - Interessierte können lernen, wie man eigenes Radio Zuhause machen kann.
Foto: Kunstraum D21
"In seiner Vortragsperformance gibt die japanische Zentralfigur der Micro-FM-Begwegung Einblicke in seine über 30 Jahre dauernde Aktivität für die Demokratisierung des Rundfunks und führt sein Konzept für Radio-Kunst der Zukunft vor, die das Medium Funk selbst nutzt, statt ihn als Träger von Informationen zu gebrauchen", heißt es vom Kunstraum D 21.
Radio ohne Botschaft also? Ein interessantes Feld zwischen Radio-Piraterie und neuen Möglichkeiten entgegen des heutigen Formatradios, das gesichtslos und nur mit Werbebotschaften überfüllt, Autos und Wohnzimmer voll dröhnt.
Tetsuo Kogawa ist es auch, der am 28. August ein Workshop anbietet mit der Frage "How to build a micro transmitter?" Wie baue ich einen Micro-FM-Sender? So teilt der Kunstraum D 21 mit: "Tetsuo Kogawa führt in diesem Workshop vor, wie Micro-FM-Sender mit wenigen Mitteln hergestellt werden können. Jeder Teilnehmer kann sich einen eigenen Sender bauen und damit gleich beginnen Radio für seine Nachbarschaft zu machen. Material und Werkzeug wird gestellt." Nur ein eigenes, tragbares Radio sollten die Kursteilnehmer mitbringen. Auch hier ist eine Anmeldung erwünscht, die Teilnehmerzahl auf zehn Teilnehmer beschränkt.
Am 29. August wird die Radioperformance auf Radio Blau mit Ligna fortgesetzt. "Hier haben Interessierte die Möglichkeit, eine öffentliche Aktion mit den Rucksackradiogeräten der Radiogruppe Ligna durchzuführen. Radio Blau stellt ihnen zwei Stunden Sendezeit zur Verfügung damit sie auch die Inhalte ihrer Aktion selbst bestimmen könnt.", so der Kunstraum D 21 weiter. schon am Sonntag, den 22. August Kursteilnehmer die Möglichkeit mit Ligna ihre Aktion für den 29. August zu planen. Weitere Termine sollen am 4. und 26. September folgen.
Ebenfalls am 29. August steigt die Radio-Party mit Tetsuo Kogawa. Der japanische Radiokünstler lädt zur Party im virtuellen Funkraum ein. "Kogawa hat Radiokünstler aus der ganzen Welt eingeladen, sich live ins Sendestudio von Radio Blau zu schalten, um über Radio-Kunst zu sprechen."

Prawatt beim Schrauben und Knöpfchendrehen - ungewöhnliche Klänge in einer ungewöhnlichen Zeit.
Foto: EEG
Am 30. August soll der Höhepunkt der Leipziger Funk-Woche in der Essential Existence Gallery stattfinden. Die polnische Kapelle Prawatt findet sich auf dem Westwerk-Gelände an der Karl-Heine-Straße ein. Prawatt machen elektronische Krach-Kunst. "Prawatt widersetzen sich dem aktuellen Trend, verzichten völlig auf Computer und erzeugen ihre Klänge ausschließlich analog", erklären die D21-Veranstalter zu dem polnischen Klangprojekt. "Hilfsmittel sind selbstgebaute Maschinen. Hinzu kommen Gesang, Gitarre und Plattenspieler, deren Geräusche wiederum von Automaten verzerrt werden."
Psychedelik und Groteske statt Musik. So erklären die Veranstalter der EEG "Der Zusammenstoß mit beruhigend, nostalgischen Landschaften und beklemmendem Lärm, jeglichen Missklang-Massagen, Pfeifen, Rauschen gibt ausgezeichneten, oft unter die Haut gehenden und beunruhigenden stark psychedelischen, und auf der anderen Seite ein wenig grotesken Effekt. Das Ganze kennzeichnet eine unkonventionelle, rohe, raue aber gleichzeitig voll mit Details, eingearbeitete Klangschicht."
Funk-Musik zu "Funk Now!", nach einer Woche voller Kurse und Vorträge über Möglichkeiten im Radio, fernab vom üblichen Chart-Gedudel und Pop-Einerlei aus der Konserve. Aber ein wenig anstrengend klingt "Funk Now!" auch.
Mehr Infos zum Event im Kunstraum D 21 und EEG
www.d21-leipzig.de
www.eexistence.de