LeipJazzig 2010: Wo Steps, Andrea Höhn und Michael Arnold Quartett sanft tönen
Daniel Thalheim
08.09.2010

Ein Ohren- und Augenschmaus: Sebastian Weber tanzt den Step mit Tapshot am 25. November im Telegraph.
Foto: sebastianweber.de
Von September bis Dezember klingen wieder die sanften Töne in der Messestadt an. LeipJazzig heißt die Veranstaltungsreihe. Und in Leipzig wieder viel lostritt. Die Clubs heißen Telegraph und Hopfenspeicher. Dazwischen mogeln sich die 34. Leipziger Jazztage.
Viel los in Leipzig um die Musik mit der über hundertjährigen Tradition von Kollektivimprovisation, Blues und Dixieland. Während in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts Jazz als Musikform entstand, weiterentwickelt wurde und sich zu großen Erfolgen aufschwang, scheint die Musikrichtung heutzutage in der öffentlichen Wahrnehmung eine untergeordnete Rolle zu spielen.
Wo in der schrillen und schillernden Popwelt Können oftmals durch wildes Zucken mit Armen und Beinen verwechselt wird, ist beim Jazz Zurückhaltung und der richtige Einsatz Maß aller Dinge. Dass es in Leipzig nicht anders ist, scheint die Veranstaltungsreihe "LeipJazzig" unter Beweis stellen zu wollen.

Jörg Leistner haut bei Tapshot und Steps in die Tasten.
Foto: joergleistner.de
Hier sieht man statt wilder Blicke unter die Röcke leicht bekleideter Mädchen in freizügigen Musikvideos viel eher konzentriert zupfende und ins Saxophon blasende Damen und Herren, die sich auf Arrangements fokussieren und immer den richtigen Ton treffen.
So auch die Kapelle Steps, die am 23. September im Rahmen der 34. Leipziger Jazztage im Telegraph in die Tasten haut, am Cello zupft und die Trommelkessel rührt. 2010 spielen Steps ihr im vergangenen Jahr entwickeltes Konzertprogramm, das sich der Bearbeitung von Stücken des Klavier-Zyklus "Lieder ohne Worte" von Felix Mendelssohn-Bartholdy widmet.
Pianist Jörg Leistner, Kontrabassist Thomas Moritz und Schlagzeuger Frank-Endrik Moll will mit seinen Interpretationen des berühmten Klavierzyklus neu arrangieren, neues Licht auf Mendelssohn werfen. "Lieder ohne Worte 2.0" heißt das Konzert, das gleichzeitig auch eine CD-Präsentation ist des im Sommer aufgenommenen und erweiterten Programms.
Dass Steps auch mal den Humor feinsinnig anklingen lassen können, beweist das Trio bereits am 16. September sowie am 27. Oktober, 18. November, 8. und 20. Dezember, wenn sie mit Kabarettist Gunter Böhnke "Hubbe, mei Begahsus hubbe" Musik mit Literatur klangvoll kreuzen.

Michael Arnold bläst bei dem Michael Arnold Quartett und Christquint ins Saxophon
Foto: michael-arnold-saxophon.de
Ganz anders da schon die Noten, die im Hopfenspeicher am 8. Oktober herumpurzeln. Da ist Andrea Höhn & Rien Ne Va Plus zu Gast. Geht wirklich nichts mehr? Was Motto beim Roulette ist, soll auch für diesen Abend gelten. Es wird improvisiert und musiziert, bis der Morgen graut. Bis eben nichts mehr geht. Dieses Mal nehmen sich Sängerin Höhn und ihre Combo den Wurzeln des Jazz vor. Das heißt also Jazzklassiker von George Gershwin, Duke Ellington und Cole Porter, und, und, und.
Dagegen steht die Hammondorgel am 23. Oktober im Mittelpunkt im Telegraph. Das Michael Arnold Quartett bringt das wohl wichtigste Instrument der Sechziger und Siebziger kraftvoll zum Klingen. Ganz klar, dass in dieser Nacht die Crusaders, der Mitbegründer des Smooth-Jazz Grover Washington und die Gadd Gang aus der Versenkung der Geschichte geholt werden. Hier wird Geschichts- und Traditionspflege betrieben, die Jazz natürlich so reichhaltig macht.
Das Telegraph ist am 25. November Ort für die Kapelle Tapshot, die am 25. November "Musik für Augen und Ohren" reichen will. Wie das aussieht wird klar, wenn Steptänzer Sebastian Weber seine Bodypercussion zu den Klängen von Jörg Leistner, Thomas Moritz und Wolfram Dix tanzt. Geschichten und Uraufführungen wechseln sich mit Spontanideen, Spiel- und Experimentierfreude ab. Internationales Renommee inklusive. Die Band kommt rum. Doch Leipzig ist ihre Heimat. Der Jazz auch.
Im Hopfenspeicher wird es im Herbst und Winter ebenfalls voll. Jazzfriends in Concert heißt es am 12. November in der Brauereigaststätte in der Oststraße. Hier hauen Gitarrist Frank Kaiser, Saxophonist Michael Breitenbach, Hendrik Bertram am Bass, Schlagzeuger Wieland Götze und Pianist Alexander Krause in Tasten, Kessel und Saiten. Balkanklänge vermischen sich sanft mit Latin und orientalischen Elementen. Eine neue CD wird natürlich auch präsentiert.
Weniger weltmusikalisch, dafür weihnachtlich halten Trompeter Frank Bartsch, Saxophon Michael Arnold, Gitarrist Eckart Gleim, Kontrabassist Thomas Moritz und Schlagzeuger Wolfram Dix ihre Instrumente in der Hand. Natürlich ohne Lametta und Weihnachtsschmuck. Dafür erklingen jazzige Arrangements bekannter Weihnachtslieder durch den Hopfenspeicher am 9. Dezember. Christquint nennt sich das Projekt, das das LeipJazzig-Jahr besinnlich und feierlich ausklingen lässt.
Natürlich dürfen bis Ende November Leipziger den Jazzfrühschoppen nicht verpassen, der am 26. September mit den Old Fair City Stopers, am 31. Oktober mit den Take Swings und am 28. November mit den Jazz-Sextanten bei kostenfreien Eintritt ab 11 Uhr steigt.
Mehr zu den 34. Leipziger Jazztagen
www.jazzclub-leipzig.de
LeipJazzig im Internet
www.leipjazzig.de