Die Wölfe im Partypelz – NPD-Fete mit sattem Ausgang
Michael Freitag
22.12.2008
Bild: Theater der Jungen Welt
So könnte es eigentlich weitergehen, bis die gesamte Leipziger NPD-Umgebung den noch langen Weg zur Wahl 2009 mit gegen sie ergangenen Strafanzeigen pflastern kann. Wenn davon nicht immer wieder auch Gewaltopfer betroffen wären.
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Am Samstag, den 20. Dezember hatten sich ca. 46 partywillige Jugendliche im neuen “NPD-Büro“ versammelt und die Party eskalierte.
Der NPD-Sachsenchef Winfried Petzold sieht, laut seiner “Büro“-Eröffnungsrede in der Stadt Leipzig Ungemach von allen Seiten dräuen, vor denen er uns schützen möchte und dafür sollen wir ihn und die NPD wählen. Gewalt, Drogen und Chaos gehen um in unserer Stadt. Augenscheinlich jedoch geht die Gewalt in Lindenau vor allem von seinem Hause aus.
Gewalt nun auch noch gegen Polizeibeamte, welche am Samstag gegen 22:00 Uhr nach einer Anwohnerbeschwerde aufgrund von Partylärm herbei eilen mussten und die Situation anfangs noch ruhig vorfanden.
Die Eskalation folgte wenige Stunden danach und im Polizeibericht von heute liest sich dass dann so:
“Gegen 02:45 Uhr konnte durch die Beamten beobachtet werden, wie zwei Personen von einer Gruppierung, die aus dem Objekt der Odermannstraße 8 kamen, verfolgt wurden. Die Polizei verfolgte diese Personen. Die beiden männlichen Personen konnten in der Josefstraße festgestellt werden. Sie wurden durch die Polizeibeamten zum Sachverhalt befragt, machten jedoch keine Angaben und verhielten sich unkooperativ. Beide waren unverletzt. Die Polizeibeamten begaben sich zum Ausgangsort zurück, als plötzlich auf der Lützner Straße 20 Personen standen und aus dieser Gruppe mit Flaschen und Feuerwerkskörpern nach dem Einsatzfahrzeug geworfen wurde. Eine Flasche zersprang zwischen Motorhaube und Frontscheibe und traf hier die Plasteabdeckung des Scheibenwischers. Die Polizeibeamten zogen sich zunächst zurück und sahen noch, dass diese Gruppe in der Odermannstraße 8 verschwand.“
Mit anderen Worten, die „NPD-Anhänger“ hatten bereits zwei Personen im Visier, als die Polizei das erste mal wegen einer Personenkontrolle eingreifen mussten. Die Antwort der Partygäste im NPD-Haus war nackte Gewalt, vorerst gegen Sachen und der anschließende Rückzug in das “NPD-Büro“.
Bild: Theater der Jungen Welt
Vollkommen klar, dass die Polizei der Sache nachging, was seitens der Randalierer als Aufforderung zu weiterer Gewalt verstanden wurde. Abermals skizziert der Polizeibericht die Vorgänge genau:
“Daraufhin wurde die Bereitschaftspolizei zur Verstärkung zum Ort gerufen und es begann das konsequente Einschreiten der Polizei. Die Odermannstraße wurde auf beiden Seiten in der Zeit von 04:10 Uhr bis 06:45 Uhr für die Durchführung der polizeilichen Maßnahmen gesperrt. Die LVB leitete in dieser Zeit den Straßenbahnverkehr um. Der Einsatzleiter begab sich zum Objekt der Odermannstraße 8.
Am Eingangstor wurde durch einen, zunächst unbekannten Täter, durch den Zaun eine größere Menge Reizgas gesprüht. Es kam zu leichten Augenreizungen von zwei Polizeibeamten, die aber ihre polizeilichen Handlungen weiter durchführten. Im Zuge der konsequenten Strafverfolgung betraten die Polizeibeamten das Objekt der Odermannstraße. Dem Verantwortlichen des Objektes wurde unmissverständlich bekannt gegeben, dass eine Identitätsfeststellungen von allen Personen, die sich im Grundstück befinden, durchgeführt wird.“
Halten wir fest: Sachbeschädigung an einem Einsatzfahrzeug, Angriff auf zwei Polizisten am Eingang zum Gelände.
Was sich jedoch im Haus abspielte, zeigt, dass ganz augenscheinlich Fans der NPD ein ganz spezielles Verhältnis zu ihren Mitmenschen, den gesellschaftlichen Regeln und gegenüber Recht und Gesetz haben. So heißt es weiter im Einsatzbericht der Leipziger Polizei:
“Die Polizei erhob daraufhin 46 Identitätsfeststellungen. Während der Identitätsfeststellung verhielten sich die Personen aggressiv, wo es unter anderen zum erneuten Wurf einer Flasche und Widerstandshandlungen gegen Polizeibeamte kam. Der Täter (26) konnte identifiziert werden. Gegen Ihn wurde ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung eingeleitet.
Außerdem wurde noch gegen einen weiteren 26-jährigen männlichen Tatverdächtigen ein Verfahren wegen Widerstand und Beleidigung, gegen einen 28-jährigen männlichen Tatverdächtigen ein Verfahren wegen Widerstand und gegen einen 25-jährigen männlichen Tatverdächtigen wegen gefährlicher Körperverletzung (Verdacht des Sprühens mit Reizgas) eingeleitet. Gegen 07:00 Uhr waren die polizeilichen Maßnahmen vor Ort abgeschlossen. Es wurden mehrere Ermittlungsverfahren wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Sachbeschädigung und gefährliche Körperverletzung eingeleitet.“
Benehmen sich eigentlich die von den Blue Caps beschworenen “Väter von Kindern“ so oder eben doch nur besoffene Randalierer von der NPD? Dass sie darüber hinaus glauben, ein so genanntes NPD-Büro gewährt ihnen nach erfolgten Pfeffersprayattacken auf die Polizeibeamten Zuflucht und Schutz, ist schon fast lächerlich. Darüber hinaus sollte man allmählich fragen, für welche Art “Veranstaltungen“ hier die sächsische NPD mit Steuergeldern ausgestattet wird, schließlich fanden alle Straftaten an und in ihrem offiziellen Leipziger Bürogebäude statt?
Na dann – fröhliche Weihnachten liebe NPD und einen guten Rutsch. Ein heißes Jahr 2009 mit Verhaftungen, Strafprozessen und einer perfekt arrangierten Selbstausdünnung der gewaltbereiten Unterstützerszenerie vom rechten Rand steht bevor.
Am Schluss muss man wohl auch den Polizisten danken, für das korrekte und klare Vorgehen bei dem nun immer deutlicher hervortretenden Gewaltpotenzial an der Odermannstraße. Oder um es mit der Leipziger SPD zu sagen: „Den beteiligten Polizistinnen und Polizisten ist für ihren besonnenen und konsequenten Einsatz gegen die NPD-Gesinnungsgenossen zu danken. Die Beamten haben sich für unser aller friedliches Zusammenleben eingesetzt.“ (Gernot Borriss, Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Leipzig, in einer aktuellen Pressemitteilung).
Noch wichtiger ist nun auch die Veranstaltung am 22. Januar 2009 im Theater der Jungen Welt geworden. Da geht es nämlich bei der „Offenen Bühne“ um Fragen der Toleranz und gegen Rassismus unter dem Motto: „Solidarität gegen Angst, Toleranz gegen Rassismus, Demokratie gegen Neofaschismus“ sind alle Leipziger gebeten, sich aktiv einzubringen.
Weitere Informationen zu Übergriffen in Leipzig und Umgebung www.chronikle.org
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