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Kommentar: Wo die Dummheit fleißig randaliert

Michael Freitag
Collage: L-IZ
Erst letztlich ging wieder eine Mail in der Presselandschaft herum. Die “linke Szene“ in Leipzig verwahrt sich dagegen, mit “Rechten“ gleich gesetzt zu werden, wenn es um die politischen Auseinandersetzungen geht.

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Schade, dass es scheinbar immer wieder die gleichen jungen Menschen sind, die nun am Büro der Leipziger NPD an der Odermannstraße die Nacht zum heutigen Freitag augenscheinlich nutzen wollten, um mittels Steinen und Feuerwerkskörpern im Namen der Linken ein kleines, privates Randalefest zu veranstalten.

Weit kamen sie nicht. Wie die Polizei gegenüber L-IZ.de bestätigt, war eine Einsatzgruppe so schnell vor Ort, dass sie die jungen Menschen noch am Tatort vorfanden. Es war auch kein Sach- oder Personenschaden entstanden. Laut Ladenschlussbündnis wäre man jedoch beworfen worden, als man spontan zusammenkam und Lieder sang.

Warum jedoch die Gruppe von rund 60 Personen es vorzog, statt sich an der heute stattfindenden, angemeldeten Demonstration zu beteiligen, um gestern gegen 22:30 Uhr dem NPD-Büro einen Besuch abzustatten, ist und bleibt ein Rätsel. Also zurück zu den Fakten.

Denn Pflastersteine lagen nach Polizeiangaben eher auf dem Innengelände der NPD-Trutzburg hinterm Zaun und davor auf der Straße – sichtlich überraschte “Linke“, deren Personalien aufgenommen wurden. Es gab auch keine Anmeldung für die “spontane Aktion“.

Und schwupps ist man mittendrin in den geliebten Begriffen Links/Rechts. Differenzierte Sichtweisen interessieren hier auch meistens nicht, genauso wenig, wie bislang versucht wird, die Motivation der meist jungen Männer am rechten Rand zu verstehen, die die NPD unterstützen, Straßen-Demonstrationen veranstalten und sich im Recht fühlen, wenn sie brüllen “Zukunft nur mit uns“. (siehe auch Kommentar: Rechts, Links, Oben, Unten?)

Schnittmenge?
Schnittmenge?
Collage: L-IZ

Verständnis für Rechte? Puuuuhhhh!!!! Wer also sind Rechts/Links in diesem Zusammenhang? Für Einige mittlerweile nur noch Richtungsangaben im Straßenverkehr, denn politisch steht dahinter nichts zur Disposition. In der Realität sind es einfach all zu oft mäandernde Splittergruppen, die wahlweise nach hohem Alkoholgenuss, gegenseitigem Heißreden in der Gruppe oder demagogischer Verblendung abwechselnd zur Tat schreiten.

Oft genug nach der Vendetta-Logik: „Du hasse meine Bruder angessspuckt – lass uns lege die Wichser!“ Die Tat des Einen rechtfertigt die Tat der Anderen, welche wiederum … Am Ende weiß keiner mehr, wer wann und wie angefangen hat. Und ganz am Rande diskreditieren die selbst ernannten “linken“ Beschützer mit ihren Alleingängen die anderen friedlichen Proteste und sorgen dafür, dass die Angst der Leipziger Bürger wächst, sich an Demonstrationen zu beteiligen.

In den verrücktesten Fällen wechselt der eine oder andere im Laufe der Zeit das Lager oder verabschiedet sich bei mehr Glück nach ein paar Jahren der Gewaltaustragung in Richtung halbbürgerliches Dasein, wenn die Sache noch weitestgehend ohne Vorstrafen abgegangen ist.

Durch wen oder was fühlen sich "rechte“ und "linke“ Randalierer und schlussendlich Straftäter eigentlich legitimiert. Die einen ziehen im Namen einer diffusen, deutschtümelnden Zukunft aus der Vergangenheit ins Feld, die anderen glauben angeblich an eine offene Gesellschaft, bestehend aus purer Freiheit. Dass sie eben diese mit gefährden und somit zu Grabe tragen helfen, indem sie versuchen, sie scheinbar herbei zu steinigen, passt selten in die Köpfe. Ihre Schnittmenge haben beide Gruppen in einer ideologisch verbrämten Gewaltausübung, welche sich wahlweise gegen Sachen, Einstellungen und am Ende der Gewaltspirale gegen Personen richtet.

Und das wichtigste ist dabei – in der Öffentlichkeit die Gewaltbeteiligungen immer damit zu rechtfertigen, der andere hat angefangen oder schlicht zu leugnen, so lang es geht. Das Bild ist wichtiger als der Inhalt. Parallel wird beständig gegenseitig provoziert, propagandiert und oft genug gehetzt. Nun wird bereits wieder die Polizei als Unterstützer der Rechten diffamiert.

Und so geht der 4. Dezember abermals als ein Tag in die Leipziger Geschichte ein, an dem mit Steinen wieder der scheinbar einfachsten Weg links oder rechts an Lösungen für gesellschaftliche Probleme vorbei gewählt wurde. Nun ermittelt die Kriminalpolizei wegen Landfriedensbruch gegen die wahrscheinlichen Teilnehmer der Steineaktion und die andere Fraktion reibt sich die Hände – so lange, bis wieder gegen sie ermittelt wird.

Denn noch unbekannte Täter – hier wird wiederum ein "rechtes“ Umfeld vermutet – haben erst am 23. November im Grünauer KOMM-Haus einen Brandanschlag verübt, 40 nun polizeilich erfasste mutmaßliche Randalierer haben gestern augenscheinlich Pflastersteine an der Odermannstraße von A nach B bewegt – die Spirale beginnt, sich wieder zu drehen. In beiden Fällen mehr oder minder schlichte Straftaten, die vor Gericht geklärt werden. Wenn junge Menschen beider Lager des Nachts so viel Zeit haben, was tun sie eigentlich tagsüber?

Mit linkem Denken hatte die letzte Nacht in der Odermannstraße in etwa so viel zu tun, wie eine bayrische Alpenkuh mit Jazzdance. Tauschen wir einfach die Begrifflichkeiten mal zur Probe aus: Rechte Autonome und linke Radikale. Und nun der Versuch einer Verbindung: Insgesamt gibt es in Leipzig zirka 300 bis 400 Freie Radikale, Entwurzelte mit Gewaltpotential, die nicht mehr an die Durchsetzungskraft demokratischer Spielregeln glauben und das Heft des Handelns als Feigenblatt für eine angeblich zuschauende Bürgerschaft und die Stellvertreterschaft für einen angeblich untätigen Staat vor sich hertragen wollen.

Die Wortführerschaft beider Seiten ist absurd. Wer Gewalt ausübt, verspielt sein Mitspracherecht.

Für alle Anderen, demokratisch gesinnten Leipziger findet heute 18 Uhr eine angemeldete Demonstration am Lindenauer Markt statt. Vielleicht schlafen die Nachtaktiven ja noch, wenn heute friedlich demonstriert wird oder dürfen nicht dabei sein, weil der gestern an sie ausgesprochene Platzverweis noch gültig ist.

Dass es auch anders geht, hatte die linke Spontantdemonstration am 25. November eigentlich bewiesen. Keine Ausschreitungen, keine Gewalt, 250 Demonstranten zogen nach den Vorfällen am KOMM-Haus weitgehend friedlich durch die Straßen.

Wie lauteten die Rufe 1989? “Wir sind das Volk“, aber auch “Keine Gewalt“. Mancher hat es scheinbar vergessen oder ist schlicht zu jung, um es miterlebt zu haben.

Rechts, Links - Oben, Unten? Michelles Tod, Reudnitzer Reaktionen und die Medien


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