Wir haben nichts getan – alles gelogen. Wir sind noch nicht mal dabei gewesen. Es waren Fußballanhänger, welche laut der sächsischen und der Leipziger NPD am Sonntag Morgen Leipziger Polizisten an der Odermannstraße 8 angriffen. Sagt die NPD. Denn der Saal sei ja nur vermietet gewesen, an Fans des Fußballclubs 1. FC Lok.
Man darf schon jetzt gespannt sein, was dazu noch von Seiten des Probstheidaer Fußballclubs gesagt werden wird. Denn hier wird gerade “Schwarzer Peter“ gespielt.
Doch zurück zum NPD-Zentrum und der Sause in der Nacht vom 20. zum 21. Dezember 2008. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht …. So versucht die NPD seit Jahren bei ihren politischen Gegnern, also eigentlich bei allen Parteien, oft genug auch Bürgerinitiativen und freien Vereinen, andere Menschen zu diskreditieren. Damit soll moralisch und öffentlich die Gesellschaft als marode und verkommen erscheinen. Ja, diese Gesellschaft hat Sorgen und Probleme, aber die selbst ernannten Erlöser aus der NPD schaffen hier noch weitere herbei.
Denn jetzt verzerrt die Leipziger NPD mehr oder minder geschickt den ausführlichen Einsatzbericht der Leipziger Polizei und erweckt so den Eindruck, es sei hier ein schiefes öffentliches Bild von dem Abend entstanden. Natürlich auch durch “die Medien“, ein in dieser pauschalen Benutzung so und so unzulässiger Begriff.
Es gibt sie nämlich nicht, “die Medien“ angesichts einer, allein in Deutschland fast unüberschaubaren Publikationslandschaft in Print und Onlineform. Oft mit widerstreitenden Meinungen und Ansätzen.
So existieren natürlich auch die eigenen Publikationen der sächsischen NPD, nach ihrem Gefühl sicher, um eine Art Meinungspluralismus am Leben zu halten – also die NPD gegen den Rest. Und dort liest sich die Sicht der Dinge seit dem 22. Dezember aus NPD-Kreisen zu den Angriffen auf Polizeibeamte am zurückliegenden Wochenende natürlich anders. Unter der Überschrift: “NPD-Leipzig: ‘Straßenschlacht' frei erfunden“, malt die NPD auf ihren eigenen Internetseiten das “wahre Bild“:
“In der Leipziger Odermannstraße 8, in der sich auch das Bürgerbüro des NPD-Landtagsabgeordneten Winfried Petzold befindet, kam es in der Nacht vom 20. auf den 21. Dezember 2008 leider zu einem Zwischenfall mit der Polizei. Im Zusammenhang mit einer Feier von Anhängern des Fußballvereins Lok Leipzig, die den im Haus befindlichen Versammlungssaal angemietet hatten, mit einigen auswärtigen Gästen wurden offenbar unter Alkoholeinfluß zwei Flaschen und ein Feuerwerkskörper geworfen.“ (Quelle NPD Leipzig, NPD Löbau / Zittau, 22. 12. 2008)
Gemeint ist hier der Angriff mittels Wurfgeschossen auf ein Streifenfahrzeug der Leipziger Polizei, welcher natürlich von “Lok-Anhängern“ verübt wurde. Sprachlich genau war es kein „Zwischenfall mit der Polizei“ sondern eine Attacke gegen die Polizisten. Das Wort “offenbar“ kann man zugunsten von offensichtlich beim Umgang mit Alkohol streichen. Und seit den Morgenstunden des 21. Dezember ist es nun auch kein “Bürger-Büro“ mehr, sondern eher ein NPD-Zentrum mit Veranstaltungssaal..
Diese bösen “Lok-Fans“ haben also nach Lesart mit der NPD nichts, aber gar nichts zu tun.
Kurze Erinnerung: Es war ein Vertreter der mittlerweile vom Verein Lokomotive Leipzig mit Hausverbot belegten “Blue Caps“, welcher im Dezember 2008 auf einer NPD-Demonstration auf dem Lindenauer Markt sprach. De facto also kein “Lok-Fan“ mehr, denn bei den Spielen des Traditionsclubs sind sie augenscheinlich aufgrund ihrer Nähe zu den Nationalen Sozialisten und der NPD nicht erwünscht.
Kurz noch etwas zu den Vermietungen. Handelt es sich bei dem “NPD-Büro“ in Lindenau also eher um ein Veranstaltungshaus mit Partysaal? Dann wäre es doch schön, zu erfahren, ob es einen entsprechenden Mietvertrag zwischen dem Vermieter und den “Fans des 1. FC Lok“ für den 20. Dezember gegeben hat und ob eigentlich jeder das Haus mieten kann.
Weiter im Kontext, wie ihn die Leipziger NPD für diesen Abend herstellt.
“Dabei wurde der Scheibenwischer eines in der Nähe stehenden Polizeifahrzeugs getroffen. Die Täter versuchten sich zunächst den polizeilichen Verfolgungsmaßnahmen zu entziehen. Durch das Einschreiten des anwesenden Hausverwalters konnte die Lage jedoch weitgehend beruhigt werden. Gegen eine Person, die sich aggressiv verhielt, wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Polizei stellte die Identität von 46 Personen fest, die sich auf dem Gelände befanden und wurde auch freiwillig ins Haus gelassen, um es nach weiteren Personen zu kontrollieren. Insgesamt kam es zur Einleitung von 4 Ermittlungsverfahren. Es wurden keine Personen festgenommen.“ (Quelle NPD Leipzig, NPD Löbau/Zittau, 22. 12. 2008)
Soweit nur bedingt richtig, bedenkt man, dass laut Polizeibericht zwei Polizisten bereits am Eingang zum Gelände mit Pfefferspray angegriffen wurden und es im Haus zu weiteren Vorfällen, unter anderem einem Flaschenwurf kam. Nach Freiwilligkeit klingt das eher nicht. Der aufopferungsvolle Einsatz des Hausverwalters dürfte im erregten Zustand der Partygäste untergegangen sein. Und die aus einer zirka 20 Mann starken Gruppe heraus geworfenen Gegenstände trafen eher zufällig das Polizeiauto. Dass soll zumindest die hier benutzte Wortwahl suggerieren. Natürlich wird dabei auch der Bericht der Polizei vom Einsatzort abermals verzerrt.
Diese sah sich nach der ersten Attacke am Sonntag Morgen im Gebäude der Odermannstraße 8 einer Meute Männer gegenüber, welche sich den Personenkontrollen allgemein widersetzten. Die Zahl der vier Ermittlungsverfahren stimmt – also gesamt vier Straftaten im Beisein der Leipziger Polizei, kein schlechter Schnitt bei gerade mal 46 anwesenden Personen.
Doch weiter in der NPD-Sicht auf den Partyabend:
“Der NPD-Kreisverband Leipzig stellt zu dem Vorfall fest: Die Angriffe auf Polizeibeamte sind nicht akzeptabel. Der Kreisverband distanziert sich in aller Form von den Tätern, die aus der Anhängerschaft des Fußballvereins Lok Leipzig sowie möglicherweise auch von auswärts kommen und mit der Leipziger NPD nichts zu tun haben. Die Verantwortlichen des Objekts in der Odermannstraße 8 müssen künftig dafür Sorge tragen, dass es nicht mehr zu derartigen Vorfällen kommen kann.“ (Quelle NPD Leipzig, NPD Löbau/Zittau, 22.12.2008)
Die Quadratur des Schwindel-Kreises. Es sind nicht einfach nur “Lok-Fans“ gewesen, mit denen man sich ja eigentlich gut stellen möchte, es waren darüber hinaus Täter von außerhalb – das schwarze Gespenst von Lindenau geht um. Unbekannte Auswärtige ohne irgendeinen Bezug zur Leipziger NPD randalierten im Saal an der Odermannstraße 8 – womöglich ausländische Fremdlinge aus dem Morgenland? Und woher wollen es die Schreiberlinge von der NPD eigentlich so genau wissen?
Sie waren schließlich nach eigenem Bekunden weit weg, als die Party in einen Angriff auf die Leipziger Polizei umschlug.
Wer sind eigentlich die hier umschriebenen Verantwortlichen in der Odermannstraße 8? In erster Linie doch sicher Winfried Petzold und die sächsische NPD. Wer glaubt, es gäbe noch weitere Mieter in dem flachen Bau hinter dem Metallzaun, hat Winfried Petzolds Büro-Antrittsformulierung schlecht gelesen (hier zum Wahlkampf 2009): “….dessen logistische Vorbereitung von der neuen Kreisgeschäftsstelle der Leipziger NPD aus erfolgen wird, die sich im gleichen Gebäude wie mein Bürgerbüro befindet.“
Man ermahnt sich also selbst, kommt schließlich beim Wähler nicht gut an, wenn sich eine zugelassene Partei vor allem mit Randalen in der Stadt Leipzig und darüber hinaus bekannt macht.
Nun jedoch im großen NPD-Schlusssport kurz vor Weihnachten zu den unsäglichen Medien und ihre Lügen: “Gleichzeitig weisen wir aber auch Medienberichte zurück, wonach es in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag in Leipzig-Lindenau zu „Straßenschlachten” gekommen sein soll. Diese Darstellung ist völlig übertrieben und deckt sich auch nicht mit dem Bericht der Polizeidirektion Leipzig zu dem Vorfall. Hier wird im Kampf gegen Rechts wieder einmal versucht, einen bedauerlichen Zwischenfall maßlos aufzubauschen, während man die in Leipzig-Connewitz seit Jahren stattfindenden Gewaltexzesse der linken Szene verharmlost. (Quelle NPD Leipzig, NPD Löbau / Zittau, 22. 12. 2008)
Jetzt passt der Polizeibericht auf einmal wieder auch für die NPD ins Bild. Da war sicherlich keine Rede von Straßenschlacht. Reicht ja auch aus, wenn Flaschen sowie Böller fliegen und Polizisten mit Pfefferspray attackiert werden, um es presseseitig als den Versuch von gefährlichen Körperverletzungen mit Vollzug via Pfefferspray, Angriff auf Polizeibeamte, Beamtenbeleidigung, Ruhestörung und ganz allgemein als Randale zu bezeichnen.
Zum traurigen Rest: Es gibt keinen “Kampf gegen Rechts“. Hier wird nur die ewig gleiche Märtyrerrolle eingenommen, die gerade in dichter Abfolge mit den Vorkommnissen nur noch als grotesk zu bezeichnen ist.
Ist es nicht viel schöner FÜR etwas zu sein?
Es geht um die Bewahrung und beständige Neuschaffung einer größtmöglichen Gewaltfreiheit im Zusammenleben, für eine Meinungsfreiheit und –vielfalt, welche auch für die hier wieder gegebenen Äußerungen der NPD gilt. …auch wenn sie nicht die (ganze) Wahrheit spricht - an ihren Feder sollt ihr sie erkennen - Dank dafür an einen Leserbriefschreiber.
Ein entspanntes und vor allem anderen friedliches Fest der Liebe für alle die, die davon ausgehen können, dass der dicke, rote Mann mit dem weißen Rauschebart an ihrer Tür Halt macht. An der Odermannstraße 8 wird er wohl schnell vorbeieilen – man ließe ihn eh nicht herein.
Und bevor noch eine Flasche am Schlitten aufschlägt oder gar Rudi das Rentier trifft …
Die Wölfe im Partypelz vom 22. Dezember 2008