Eine Weihnachtsgeschichte: Öffentlichkeitsfahndung - Weihnachtsmann vermisst
Michael Freitag
24.12.2011
Weihnachtsmann vermisst
Foto: Montage L-IZ.de
Es scheint ein klassischer Fall von Burnout zu sein. Wie die Leipziger Polizeidirektion in einer kurzen Mitteilung soeben mit eindrücklichen Worten meldete, ist der Weihnachtsmann am heutigen 24. 12. seit mehreren Stunden nicht mehr gesehen worden. Der letzte Aufenthalt sei gegen 17:20 Uhr die Straßenbahnlinie 11 Richtung Connewitz gewesen (Foto), nachdem er eine Geldabhebung getätigt hatte. Ersten Mutmaßungen der Beamten zufolge könnte es in diesem Jahr alles zuviel für ihn geworden sein.
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Auf Bitten einer Unzahl aufgeregter Anrufer im Revier Dimitroffstraße hin ist man nun seitens der Polizei gezwungen, an die Öffentlichkeit zu gehen und die Mitbürger um Unterstützung zu bitten. Seit den ersten Anrufen sei man nun auf der Suche, doch keine Spur und die Telefone stünden nicht mehr still. Darüber hinaus brauche der Mann offenbar seine Medikamente.
Die Schilderungen, welche zur Stunde auf der Wache telefonisch eingingen, seien dramatisch, so Einsatzleiter Harald Stock. Auf Nachfrage der L-IZ schilderte er vor wenigen Minuten einige dringende Anrufe von Leipzigern, welche vergeblich auf den Weihnachtsmann warten würden. "Es reicht von schreienden Kindern über wütende Eheleute, die nach der Bescherung noch in Ruhe vor dem Fernseher einschlafen wollten. Besonders dramatisch stellt sich hierbei die Situation in den wohlhabenderen Haushalten dar. Hier kam es bereits aufgrund der hohen Erwartungshaltung zu ersten Übergriffen von Jugendlichen auf ihre Eltern."
In einem Fall sei aus dem Hintergrund nur noch schweres Atmen zu hören gewesen, weshalb man umgehend die Rettungskräfte informiert hätte. "Wir gehen derzeit von einem Eigenverbrechen vor übermäßigem Konsumhintergrund aus", so der bereits gereizt klingende Beamte gegenüber L-IZ.
Weihnachtsmann ist scheinbar ausgebüxt: Zum letzten Mal wurde er in der Bahn nach Connewitz gesichtet - hier ein Bild einer Überwachungskamera
Foto: Montage L-IZ.de
Seit einigen Tagen lagen jedoch offenbar ernste Anzeichen vor. In einem Schreiben, welches er bereits vor Tagen an die Presse versandt hatte, beklagte der Weihnachtsmann unter anderem die neuen Leiharbeiterregelungen und den offenbar im Krisenjahr explosionsartig gestiegenen Wunsch seiner Klienten, "feste Werte" geschenkt zu bekommen. Überdies hätte sich in den vergangenen Jahren die Auftragslage zwar stetig gesteigert, doch die Entlohnung und wohl offenbar auch die Urlaubsregelungen hatten sich für den einst fröhlichen Mann kaum weiterentwickelt.
Wörtlich heißt es in dem von der Polizei nun übermittelten Schreiben, welches die großen Zeitungs- und Medienverlage im Land in Absprache mit der Regierungskoalition zur Vorbeugung einer Hysterie nicht veröffentlicht hatten: "Irgendwann ist hier einfach eine Grenze überschritten - neue Plasmabildschirme, Rechner, Gemälde, Autos, ja ganze Eigenheime und in diesem Jahr auch noch Goldbarren. Wie stellen sich die Menschen das alles vor? Bereits seit 2010 fahren wir nun die entscheidende Schicht mit 3 Kutschen, in diesem Jahr werden 5 nicht genügen und die Wichtel drohen schon seit letztem Jahr mit Streik. Als ich mit dem Job angefangen habe, da reparierte man noch die beschädigten Möbel der Leute und das Spielzeug der Kinder. Selbst eine Weiterbildung wurde mir im vergangenen Jahr verweigert!"
Nun scheint also die Lage eskaliert, in gut informierten Kreisen befürchtet man das Äußerste, (k)eine schöne Bescherung also mindestens zur Stunde in Leipzig. Ein guter Freund des Weihnachtsmannes ließ bereits verbreiten, er hätte Verständnis für das Verhalten des "geknechteten Ruprechts". Auch ihm sei es langsam zuviel und er überlege, im kommenden Jahr einige Tage vor Ostern einfach in den Urlaub zu fahren oder nur noch dahin zu kommen, wo er und seine Geschenke auch wirklich gebraucht würden.
Zum Verbleib des Weihnachtsmannes hingegen gibt es zur Stunde noch keine weiterführenden Informationen.
Update 19:54 Uhr
Mehrfach bestätigten Meldungen zufolge sitzt der Weihnachtsmann offenbar in einer Connewitzer Eckkneipe und lässt die Beine baumeln. Er soll in gelöster Stimmung sein, wie auch die Runde um ihn. Erste Ohrenzeugen wollen jedoch gehört haben, dass es in diesem Jahr seinerseits keine Wiederaufnahme der Arbeit mehr geben werde. Eine junge Dame soll er mit dem Spruch "Oh Du Fröhliche!" begrüßt haben.
Die Geschenke werden unterdessen offenbar von hilfsbereiten Leipzigern an Kinder verteilt - wobei es scheinbar schon hoch her geht. Der Kneipier bat auf Nachfrage darum, keinesfalls den Namen seines Ladens zu nennen, es wäre schon jetzt nicht mehr beherrschbar. "Ich glaube, es sind alle Kinder schon da, besser, wenn die Erwachsenen wegbleiben ... Allein den ganzen Plunder, den die Kiddies nicht haben wollen, zu entsorgen, wird wohl Wochen dauern!"
Die Polizei bittet die Bevölkerung nun, die Anrufe einzustellen. Harald Stock auf Nachfrage: " Der letzte, der sich hier meldete undder den Weihnachtsmann gesehen haben will, fragte nach der Belohnung oder wahlweise, ob er sich die Abschaffung des Verfassungsschutzes wünschen dürfe. Mir reichts für heute, ich geh jetzt nach Hause zu Frau und Kind. Die Kollegen sind schon weg."
Na dann, frohe Weihnacht allerseits!
Diese Geschichte entspricht (natürlich) nicht der Wahrheit
Anmerkung der L-IZ-Redaktion: Die unwahren Weihnachtsgeschichten der Leipziger Internet Zeitung finden nun das dritte Jahr statt. Immer vom 24. bis zum 27. Dezember ist also nicht alles richtig, was auf der L-IZ.de geschrieben steht (und hiermit als unwahr deutlich gekennzeichnet). Dieses ist also so eine Geschichte irgendwo zwischen dem Millimeter neben der Möglichkeit, vielleicht auch nur schrullig und skuril. Hoffentlich jedoch immer zum Schmunzeln oder Nachdenken.
In jedem Fall lohnt es sich also wie sonst auch, Artikel in diesen Tagen wirklich bis zum Ende zu lesen. Ganz entgegen der gern gepflegten Eile im Netz.
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