MDR trennt sich endgültig von Foht: Vergleich vor dem Leipziger Amtsgericht
Matthias Weidemann
22.01.2012
Senderzentrale des MDR in Leipzig.
Foto: Matthias Weidemann
Es ist ein Schlussstrich mit einem faden Nachgeschmack. Der MDR hat sich vor dem Leipziger Amtsgericht am Freitag endgültig von seinem ehemaligen Unterhaltungschef Udo Foht getrennt. Der 61-Jährige war gegen die fristlose Kündigung durch den Sender vorgegangen und hat mit einem Vergleich sogar einen Teilerfolg erzielt: Rückwirkende Kündigung zum 31. Dezember und ein „wohlwollendes“ Zeugnis des Arbeitgebers.
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Das alles klingt ein wenig bizarr, wenn man bedenkt, was bisher alles geschah und für welchen Aufruhr Udo Foht in der Dreiländeranstalt gesorgt hat. Foht hat offenbar über Jahre immer wieder von Produktionsfirmen und Einzelpersonen im Namen und auf Rechnung sowie auf offiziellem Papier des MDR Kredite besorgt. Foht rechtfertigte das bisher damit, dass er Entwicklungskosten für künftige TV-Produktionen oder Künstlergagen zwischenfinanziert habe. Das sei angeblich gar nicht anders möglich gewesen. Und beim MDR auf jedenfalls so üblich, sagte Foth, der seit den 1970er Jahren zunächst beim DDR-Fernsehen und dann ab Sendergründung 1992 beim MDR in Unterhaltung machte und maßgeblich für die Erfolge der gern als Schunkelsender verspotteten ARD-Anstalt sorgte.
Zu seinen „Erfolgskindern“ gehört auch der Volksmusik-Beau Florian Silbereisen, der Foht seinen kometenhaften Aufstieg verdankt. Foht selber sagte vor Gericht, dass jeder davon gewusst habe, dass er gewisse Regularien und Dienstvorschriften missachtet habe. So habe er billiger produzieren und dem Sender viel Geld sparen können. Immer habe er auf diese Weise über 20 Jahre die Möglichkeit gehabt, unabhängig für den MDR zu arbeiten, so Foht.
Betrachtet man die bisherigen durch die Ermittlungen zutage getretenen Erkenntnisse und die Tatsache, dass der Sender trotz des Imageverlustes durch Fohts Umtriebe einem Vergleich vor Gericht zustimmte, dürfte Foht mit seiner Darstellung der Dinge wohl nicht ganz falsch liegen. Bekanntermaßen waren die Ex-Chefs des Senders, Intendant Udo Reiter sowie TV-Direktor Wolfgang Vieze, laut eigenen Angaben bereits 2008 von den Umtrieben ihres Unterhaltungschefs informiert worden. Konsequenzen wurden aber erst im Sommer 2011 mit der Suspendierung und späteren Kündigung von Foht gezogen.
Senderzentrale des MDR in Leipzig.
Foto: Matthias Weidemann
Dass bei Fohts merkwürdigen Geschäften offenbar viel Bargeld floss, weiß die Berliner taz zu berichten. Demnach seien laut Foht Barzahlungen aus Gebühren- und anderen Geldern bei großen Shows wie dem "Bambi" (ARD) oder der "Goldenen Henne" (MDR) an der Tagesordnung gewesen. So habe Gloria Gaynors Manager laut taz bei der Goldhenne 2008 mal eben 20.000 Euro cash sehen wollen, die Foht sich stracks vom Mitveranstalter Super Illu lieh.
"Auch Milva ist dafür bekannt, dass sie nur auftritt, wenn bar bezahlt wird", plauderte nun Foht aus dem Nähkästchen, der Knackpunkt bei Gaynor sei nur gewesen, "dass das nicht angemeldet war". Die Rückzahlung solcher Kredite wurde allerdings gern mal vergessen oder über Dritte geregelt, die anderweitig mit Foht und dem MDR verbandelt waren. So übernahm Show-Produzent Werner Kimmig, der für fast alle ARD-Sender arbeitet, 2009 offenbar auch die Bezahlung von 10.000 Euro, die sich Foth von einer anderen Produktionsfirma geliehen hatte.
Diese seltsamen Geschäfte des Udo Foht waren rein arbeitsrechtlich allerdings weniger erheblich und von Interesse. Deshalb auch der Vorschlag des Richters zum Vergleich. Ungeachtet dessen wird gegen Foht und weitere Beteiligte weiter von Seiten der Staatsanwaltschaft ermittelt. Mittlerweile wurden dabei über 30 Firmensitze und Privatwohnungen durchsucht.
Ob und wann es zu einer Anklage kommt ist bisher allerdings noch offen. Von Seiten des Senders scheint man jedenfalls froh zu sein, eines der unseligen Kapitel dieser Geschichte abgeschlossen zu haben. Davon zeugt auch eine nüchterne Mitteilung der Presseabteilung des MDR, in der man verlautbart, dass man sich endgültig von Udo Foht trenne: „Der MDR hat heute vor dem Arbeitsgericht einen Vergleich mit seinem früheren Unterhaltungschef Udo Foht geschlossen und damit das Arbeitsverhältnis auf Basis der Kündigung endgültig zum 31. 12. 2011 beendet. Das Leipziger Arbeitsgericht sah die vom MDR vorgebrachten Gründe für die Kündigung als derart gravierend an, dass es die Beendigung der Beschäftigung trotz der sehr langen Betriebszugehörigkeit zum 31.12.2011 für gerechtfertigt hielt. Daher hatte das Gericht den beiden Parteien diese Lösung vorgeschlagen. Der MDR sieht sich damit in seinem Standpunkt bestätigt. Er hatte seinem früheren Unterhaltungschef am 6.9.2011 fristlos, hilfsweise mit einer tarifgemäßen Auslauffrist zum 31.12.2012 gekündigt. Mögliche Schadensersatzforderungen des MDR an Udo Foht bleiben von dem Vergleich unberührt. Die weiteren strafrechtlichen Ermittlungen laufen unabhängig von der Beendigung des arbeitsrechtlichen Verfahrens weiter.“
Also dürfte diesbezüglich doch noch was auf Udo Foht zukommen.
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