Nach wilder Flucht Polizisten angefahren: Staatsanwalt erhebt Anklage wegen versuchten Mordes auf der B 95
Matthias Weidemann
09.01.2012
Was am Anfang noch als eine Kurzschlussreaktion hätte durchgehen können, endete tragisch für den Einen und wird nun wahrscheinlich schwere Konsequenzen für den Anderen haben. Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat jetzt gegen den 24-jährigen Daniel L. Anklage erhoben.Und das wegen versuchten Mordes, schwerer Körperverletzung, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Gefährdung des Straßenverkehrs und unerlaubten Entfernens vom Unfallort.
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Was geschah ist schon eine Weile her und hört sich an, wie aus einem Action-Krimi. Dem Beschuldigten aus dem Landkreis Leipzig wird zur Last gelegt, am 18. September versucht zu haben, sich nach einer von ihm begangenen Straftat einer Polizeikontrolle zu entziehen und dabei auf der B 95 mit seinem Pkw einen Polizeibeamten lebensgefährlich verletzt zu haben, wobei er dessen Tod billigend in Kauf genommen haben soll.
Der Angeschuldigte hatte nach den Feststellungen der Staatsanwaltschaft im Verlauf des Vormittags am 18. September in einem Gewerbegebiet in Espenhain aus einem Gebäude von ihm entwendete Kupferrohre zum Abtransport mit seinem Pkw Opel Omega bereit gelegt, als sein Pkw gegen 12:45 Uhr durch zwei Polizeibeamte wegen eines abgelaufenen Kurzzeitkennzeichens überprüft werden sollte. Der unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln (Crystal) stehende Angeschuldigte wollte sich zur Verhinderung der Entdeckung seiner Straftat der Kontrolle zu entziehen, und rammte bei seiner Flucht mit seinem Pkw den Funkstreifenwagen der beiden Polizeibeamten zweimal, um sich so zunächst freie Bahn zu verschaffen.
Die beiden Polizeibeamten blieben dabei unverletzt, am Polizeifahrzeug entstand ein Sachschaden von rund 4.500 Euro. Der Angeschuldigte erreichte mit seinem Fahrzeug sodann die B 95, auf der er in Richtung Borna von dem Polizeifahrzeug verfolgt, trotz starken Verkehrs und Regen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 180 km/h fahrend unter anderem zwei rote Ampeln überfahren haben soll. Ohne Verringerung seiner Geschwindigkeit soll er schließlich auf ein vor der Einmündung der B 176 auf die B 95 in der Ortslage Kesselshain mit Sondersignal quer zur Fahrtrichtung stehendes zweites Polizeifahrzeug zugefahren sein, aus dem für ihn sichtbar zwei Polizeibeamte ausgestiegen waren und ihn zum Anhalten bewegen wollten.
Davon ließ sich der Beschuldigte aber nicht beeindrucken sondern fuhr an dem Polizeifahrzeug vorbei und erfasste dabei streifend mit seinem Fahrzeug einen neben dem Polizeifahrzeug stehenden 34-jährigen Polizeibeamten, der aufgrund der Geschwindigkeit des Angeschuldigten nicht mehr rechtzeitig zur Seite springen konnte. Der Polizeibeamte erlitt lebensbedrohliche Verletzungen, die trotz sofortiger intensivmedizinischer Behandlung nach derzeitigem Stand erhebliche Folgeschäden erwarten lassen.
Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Ricardo Schulz: „Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nahm der Angeschuldigte auf seiner Flucht unter Berücksichtigung der Gesamtsituation und der von ihm gefahrenen hohen Geschwindigkeit nicht nur schwerste Verletzungen sondern auch den Tod dieses Beamten zumindest billigend in Kauf, so dass er sich des versuchten Mordes wegen der versuchten Verdeckung einer Straftat zu verantworten hat. Der Angeschuldigte hat im Ermittlungsverfahren den vorherigen Drogenkonsum, den versuchten Diebstahl und seine Flucht vor der Polizei eingeräumt, er bestreitet jedoch jeglichen Tötungsvorsatz."
Der bisher noch nicht vorbestrafte Angeschuldigte konnte kurz nach der Tat vorläufig festgenommen werden und befindet sich seit dem 19. September ununterbrochen in Untersuchungshaft. Für den Fall seiner Verurteilung droht ihm die Verhängung einer lebenslangen Freiheitsstrafe.
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