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Vom Süchtigen zum Dealer: Zwei Jahre auf Bewährung für Azubi aus Schönefeld

Eva-Maria Kasimir
Marcel K. dealte mit Crystal um seine eigene Sucht bezahlen zu können.
Marcel K. dealte mit Crystal um seine eigene Sucht bezahlen zu können.
Foto: Eva-Maria Kasimir
Mit einem blauen Auge davongekommen ist Marcel K., der wegen Drogenhandels mit Waffen vor dem Landgericht Leipzig angeklagt war. Die Kammer befand ihn am 7. Juni für schuldig und sprach eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung aus. Marcel K. war zwei Mal mit chemischen Drogen erwischt worden. Das erste Mal als er es im Oktober vergangenen Jahres kaufte. Da waren es 15 Gramm Crystal.

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Das zweite Mal in seinem Ausbildungsbetrieb in der Torgauer Straße. Da waren es schon 151 Tabletten Metamphetamin. Zudem trug er einen Elektroschocker bei sich. Darauf folgte eine Wohnungsdurchsuchung, bei der die Polizei noch mehr Tabletten, Crystal-Pulver und Marihuana sicher stellte.

Der vorsitzende Richter, Rüdiger Harr, machte dem 23-jährigen Angeklagten gleich klar, dass die Sache sehr ernst ist. „Wir verhandeln am Landgericht. Hier laufen die richtigen Brocken auf, wie zum Beispiel Vergewaltigungsfälle.“ Harr zitierte aus dem Strafgesetzbuch, wonach die Vorwürfe regulär mit fünf bis fünfzehn Jahren zu bestrafen sind. Nur minder schwere Fälle bekommen sechs Monate bis zehn Jahre.

Die Kammer um Richter Rüdiger Harr (Mitte) befand auf einen minder schweren Fall.
Die Kammer um Richter Rüdiger Harr (Mitte) befand auf einen minder schweren Fall.
Foto: Eva-Maria Kasimir

Dass es sich um einen minder schweren Fall handelt, war frühzeitig klar: Marcel K. gestand sofort und in vollem Umfang. Er sagte, er sei damals stark süchtig gewesen. Zum Beweis zeigte er seine Zähne, die durch die chemischen Drogen stark angegriffen sind. Um immer wieder die Pulver und Tabletten zahlen zu können, fing der damalige Azubi an, kleine Mengen weiterzuverkaufen. Dabei stand er unter dem Druck seiner Dealer.

„Sie sind Täter und Opfer zugleich“, befand Oberstaatsanwältin Elke Müssig. „Crystal kann man als die gefährlichste Droge dieser Tage einstufen.“ Bereits geringe Mengen seien hoch schädlich, weshalb der Gesetzgeber eine Mindestmenge von fünf Gramm ansetzt, ab der Taten verfolgt werden. Müssig schenkte K. Glauben, der von den Drogen loskommen will, sich in den vergangenen Wochen eigens um einen Therapieplatz gekümmert und dessen Auflagen befolgt hat.

Zudem unterstützt ihn die ganze Familie: Sowohl seine Eltern als auch seine Großeltern saßen im Saal. Seine Freundin halte auch zu ihm, treibe ihn an von der Sucht loszukommen, beteuerte er. „Ihre Aussagen sind glaubhaft“, befand die Staatsanwältin und plädierte auf zwei Jahre auf Bewährung. Dieser Empfehlung kam das Gericht nach. „Auch wenn wir uns nicht nach den Plädoyers halten müssen“, erinnerte Richter Harr. Die Bewährung dauert drei Jahre. Während dieser muss Marcel K. sowohl seine Therapie durchziehen als auch zwei Mal im Jahr zum Drogentest. „Machen Sie was aus dieser Chance, sonst geht es nur noch bergab“, gab ihm Harr mit auf den Weg.


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