Organspendeskandal: UKL-Chef schließt Bestechlichkeit nicht aus - Debatte um Transplantationszentren neu entfacht
Martin Schöler
04.01.2013
Universitätsklinikum Leipzig
Foto: Matthias Weidemann
Im Leipziger Organspendeskandal schließt der medizinische Vorstand des Universitätsklinikums (UKL) nicht länger aus, dass sich seine Kollegen haben bestechen lassen. „Ich kann nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass kein Geld geflossen ist", so Prof. Wolfgang Fleig am Mittwoch. Unterdessen ist die Debatte um die Transplantationszentren in Deutschland neu entfacht.
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„Es muss in den Transplantationszentren ganz heftig was geschehen.", sagte Günter Kirste, medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Die Organisation nimmt auf nationaler Ebene die Meldungen möglicher Organspender entgegen sorgt dafür, dass alle notwendigen medizinischen und organisatorischen Schritte vollzogen werden, damit Organe entnommen, an geeignete Patienten vermittelt und transplantiert werden können.
"Wir sind sehr bestürzt über die Ausweitung der Betrugsvorwürfe gegenüber einzelnen Transplantationszentren, die sich durch die verstärkten Kontrollen ergeben hat", so Kirste. Für Organspende und Transplantation seien Vertrauen und Transparenz die entscheidenden Parameter. "Dieses Vertrauen in der Bevölkerung zurückzugewinnen, wird uns alle viel Anstrengung kosten und kann nur gelingen, wenn alle Verdachtsfälle lückenlos aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden." Genauso wichtig sei aber auch, die nötigen Konsequenzen daraus zu ziehen, damit ein solcher Missbrauch des Systems der Organverteilung künftig nicht mehr möglich sei.
Universitätsklinikum Leipzig
Foto: Matthias Weidemann
Daher ist im September die flächendeckende Überprüfung aller 47 Transplantationszentren angelaufen. Danach ist vorgesehen, alle 140 organspezifischen Transplantationsprogramme mindestens einmal in einem Zeitraum von 36 Monaten vor Ort zu prüfen. Zuerst werden sämtliche Lebertransplantationsprogramme geprüft. Für diesen Bereich sollen die Erstvisitationen bis Mitte 2013 abgeschlossen sein.
"Wenn Zweifel an der Transparenz des Verfahrens der Transplantation aufkommen, sind die eigentlichen Leidtragenden die Patienten auf der Warteliste", meint Kirste. "Sie werden nicht nur um Organe betrogen, sie müssen jetzt auch befürchten, noch länger – vielleicht sogar vergeblich – auf die rettende Transplantation zu warten."
"Ärzte haben eine Beziehung zu ihren Patienten, wollen ihnen helfen, wenn diese schwerstkrank sind und auf ein Spenderorgan warten", weiß UKL-Sprecherin Kathrin Winkler. "Möglich, dass man dann auch mal unlautere Wege geht, ohne zu beachten, dass man damit anderen schadet. Das könnte ein Grund für solche Regelverstöße sein. Ein anderer liegt vielleicht in übersteigertem beruflichem Ehrgeiz und Prestigedenken." Ihre Klinik habe deshalb bereits im vergangenen Jahr die Strukturen und Prozesse zur Meldung von Transplantationspatienten optimiert. "Dadurch sollten nach menschlichem Ermessen Fehler ausgeschlossen sein."
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