Kindertagesstätten: Leipzig will 2012 sogar über 2.000 neue Betreuungsplätze schaffen
Ralf Julke
17.09.2011
Bürgermeister Thomas Fabian.
Foto: Matthias Weidemann
Zur Haushalts-Pressekonferenz hatte es OBM Burkhard Jung schon angekündigt: 2.099 neue Kinderbetreuungsplätze will Leipzig im nächsten Jahr schaffen. Muss Leipzig im nächsten Jahr schaffen. Denn die Geburtenzahlen steigen - und immer noch erleben Eltern die panische Suche nach einem freien Kita-Platz.
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"Auch in diesem Jahr wird die Geborenenzahl weiter ansteigen", stellt Sozialbürgermeister Thomas Fabian fest, "entgegen allen Prognosen. Die Zahlen zum Halbjahr deuten ein neues Hoch an." Mit 5.414 hatte es auch 2011 einen neuen Höchstwert für die letzten 19 Jahre gegeben. Noch 2006 waren es 1.000 Geburten weniger gewesen. Und auch das war schon ein heftiger Anstieg gegenüber dem absoluten Tiefpunkt der letzten Jahre 1997. Damals war sogar die Gesamtzahl der Kinder zwischen 0 und 7 Jahre auf 17.390 gefallen. 2010 wurden 32.216 gezählt.
Da kann sich jeder ausrechnen, was das bedeutete, wenn die Geburtenzahl in den nächsten sechs Jahren weiter derart ansteigt. Dann fehlen weitere 1.000, 2.000 Betreuungsplätze in Kinderkrippe, Kindergarten, in der Tagespflege und im Schulhort. Leipzig kommt mit Bauen und Neueröffnen kaum hinterher. Und die Probleme - so betont Fabian - entstehen natürlich vor allem da, wo die meisten Kinder geboren werden: in den innenstadtnahen Gründerzeitvierteln.
Und der Bedarf wird nicht sinken. Im Gegenteil: Immer mehr junge Eltern sind auf die Betreuung der Kinder angewiesen, weil beide arbeiten müssen, um die Familie zu ernähren. Und wenn die Beschäftigtenzahl steigt, steigt damit logischerweise die Nachfrage nach Kita-Plätzen.
Bürgermeister Thomas Fabian bei der Vorstellung der Kita-Bedarfsplanung.
Foto: Matthias Weidemann
91 Prozent der 3- bis 7-Jährigen können in Leipzig mit einem Kita-Platz versorgt werden. Im Krippenbereich bei den 1- bis 3-Jährigen sind es 45,5 Prozent - wozu noch 12,6 Prozent der Kinder kommen, die in Tagespflege betreut werden.
Mit Neubau allein wird Leipzig die steigenden Erwartungen nicht erfüllen können. Versucht aber - so Fabian - trotzdem einen gewaltigen Kraftakt. 403 neue Plätze sollen 2012 allein im Krippenbereich neu entstehen. Womit dann 5.002 Kleinkinder in Krippeneinrichtungen betreut werden können. Dazu kommen jetzt schon 2.080 Plätze in der Tagespflege. 2012 sollen das 2.361 werden.
"Da haben wir zum Glück kein Problem bei der Nachfrage interessierter Tagesmütter und - leider viel zu wenig - von Tagesvätern", sagt Fabian.
Im Kindergartenbereich ist die Schaffung von 955 neuen Plätzen in Kitas geplant. Was die Zahl der bereitgestellten Kindergartenplätze von 16.142 auf 17.099 erhöht. Hier spielt die Tagespflege eher keine Rolle. Was logischerweise bedeutet: Es muss gebaut werden. Neun Bauprojekte hat das Amt für Jugend, Familie und Bildung für 2012 in der Betreuung. Dabei ist noch nicht einmal das Bauprogramm für 2011 abgeschlossen.
Abteilungsleiterin Dr. Heike Förster.
Foto: Matthias Weidemann
Sechs Einrichtungen sollen noch bis Jahresende ans Netz gehen. Dazu gehören die Neubauten in der Prinz-Eugen-Straße 9-13 (86 Plätze), in der Raschwitzer Straße 4 (48 Plätze) und in der Frohburger Straße 33 (168 Plätze) und die Ersatzneubauten in der Friedrichshafener Straße 25, der Palmstraße 4 und im Tiroler Weg, was in allen drei Fällen auch eine Kapazitätserweiterung bedeutet.
Nicht entstanden ist die für die Südvorstadt so wichtige Kindertagesstätte in der Karl-Liebknecht-Straße 30-32 hinterm Gewerkschaftshaus - hier hat der Grundstücksbesitzer im letzten Moment einen Rückzug gemacht. "Aber ganz von der Tagesordnung ist die Einrichtung nicht", sagt Dr. Heike Förster, Abteilungsleiterin im Amt für Jugend, Familie und Bildung. "Wir haben sie nur von der Liste genommen, weil die Bedingungen aktuell zu unsicher sind. Wir werden auch in Zukunft stärker darauf achten, dass solche Vorhaben nicht in unseren Ankündigungen erscheinen."
Die Neubauten, die 2012 entstehen sollen, werden vor allem in Leipzig-Mitte (Puschstraße 9, Paul-Gruner-Straße 26, Löhrstraße 10) und in den vorgelagerten Ortsteilen entstehen.
Bürgermeister Thomas Fabian und Heike Förster bei der Vorstellung der Kita-Bedarfsplanung.
Foto: Matthias Weidemann
So in der Schulze-Delitzsch-Straße 134 in Volkmarsdorf, in der Brandvorwerkstraße 100 in der Südvorstadt, in der Küchenholzallee in Kleinzschocher, in der Josephstraße 11 (Buchkinder) in Lindenau, in der Ahlfeldstraße 2 in Leutzsch und in der Hoepnerstraße 17 in Gohlis. Insgesamt 654 neue Plätze entstehen so in einigen der bedürftigsten Stadtteile. Dazu sollen weitere 300 Plätze durch Ersatzneubauten entstehen, mit denen die Kapazität vorhandener Einrichtungen erhöht wird.
Zahlenmäßig könnte Leipzig den Bedarf wieder abdecken. Mit all den Einschränkungen, die auch die schönsten Pläne über den Haufen werfen können - etwa die Verzögerung wichtiger Bauprojekte oder die starke Veränderung des Bedarfs in einigen Stadtteilen. Im Norden zum Beispiel, wo die Stadt die Platzkapazitäten in den letzten Jahren schon stark erweitert hat. Die akuten Probleme bestehen aktuell in Mitte und im Süden. Aber nachdem dort ganze Ortsteile mittlerweile "voll" sind, geraten nun auch wieder die Ortsteile im Norden in den Fokus der jungen Eltern. Was sich dann logischerweise wieder in steigenden Bedarfen bei Kinderbetreuungseinrichtungen niederschlägt.
Im Krippenalter kann Leipzig nach den vorgelegten Plänen 2012 immerhin 62 Prozent der Kinder in Betreuung unterbringen. "Ob das ausreicht, werden wir sehen", sagt Heike Förster. Denn die Kapazität wird damit 2012 um fast 4 Prozent ausgeweitet. Ab 2013 soll es zwar bundesweit einen gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz geben. Doch gerade wenn die Kinder noch klein sind, nutzen eben doch viele Eltern die Chance, die Elternzeit mit ihnen zu Hause zu verbringen.
Erst im Kindergartenalter steigt auch in Leipzig die Nachfrage durch die Eltern stark. 92 Prozent der Kinder zwischen 3 und 7 Jahren können rechnerisch betreut werden. "Im Vorschuljahr sind es sogar über 95 Prozent", so Fabian. "Spätestens ein, zwei Jahre vor der Einschulung kommen die Eltern verstärkt mit Nachfragen auf uns zu, was ich gut verstehen kann." Denn natürlich geht es hier auch um den bildungspolitischen Aspekt und die Startchancen der Kinder ins schulische Leben.
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