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Neue Plakatkampagne „Elternsein – Familienleben“: 700 Mal Mut zur Familie in den Fahrzeugen der LVB

Ralf Julke
Die Plakate der neuen "Elternsein"-Aktion.
Die Plakate der neuen "Elternsein"-Aktion.
Foto: Ralf Julke
Bürgermeister Thomas Fabian freut sich schon aufs Straßenbahnfahren. Denn es gibt wieder was zu lesen. Er weiß zwar schon, was auf den neuen Plakaten der Kampagne mit dem Titel „Elternsein – Familienleben“ steht. Aber er liebt die Plakate in den Straßenbahnen. Seit gestern hängen neue.

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Das „Leipziger Netzwerk für Kinderschutz und Frühe Hilfen“ hat sie in den Bahnen der LVB hängen dürfen. 700 Stück insgesamt. Damit ist der Tram-Fuhrpark abgedeckt. Wer will, braucht sie also nur noch zu lesen.

Es ist die zweite Plakataktion des Netzwerkes. Die erste widmete sich den eher konfliktreichen Seiten des Elternseins - und machte per Plakat ebenfalls aufmerksam darauf, dass das dazugehört zu jeder Familie. Und dass es kompetente Hilfe gibt in der Stadt, wenn das Netzwerk der eigenen Familie, der Bekannten und Freunde nicht mehr weiterhilft.

Die neue Plakatkampagne wurde schon am 14. April 2011 gestartet und bisher in Form von A3-Plakaten und Postkarten an die Netzwerkpartner in Leipzig verteilt. Durch die Unterstützung der LVB sind nun die Plakate auch zwei Wochen lang im öffentlichen Raum zu sehen.

Dr. Sabine Groner-Weber, Geschäftsführerin Personal/Recht und Arbeitsdirektorin der Leipziger Verkehrsbetriebe: „Wir als kommunales Unternehmen unterstützen diese Aktion sehr gern. Familienfreundlichkeit ist für uns ein sehr wichtiges Thema, nicht nur im Unternehmen, sondern auch in die Stadt hinein. Und mit unseren Straßenbahnen und Bussen verschaffen wir Eltern bei jeder gemeinsamen Fahrt auch ein gutes Stück Zeit für ihre Kinder.“

Als Kommunalunternehmen, das versucht, besonders den jungen Eltern soviel Unterstützung zu geben, "dass Familie gelingen kann", habe die LVB natürlich auch den Sinn für diese Kampagnen. Denn die Bewältigung der Balance zwischen Beruf und Familie ist das eine. Doch wie geht's daheim weiter mit den Herausforderungen des Elternseins? Wenn man eh geschafft ist von der Arbeit und dann die Kinder noch Anforderungen stellen?

Seit Montag sind die Plakatmotive in den Straßenbahnen zu sehen.
Seit Montag sind die Plakatmotive in den Straßenbahnen zu sehen.
Foto: Ralf Julke

Und die stellen sie zu recht, wie Dr. Edelhard Thoms, leitender Chefarzt im Parkkrankenhaus Kinder- und Jugendpsychiatrie, feststellt. Denn manche Eltern glauben zwar, sie seien gute Eltern, wenn sie das Kinderzimmer mit Playstation, Fernseher und PC vollstellen. "Aber das ist immer nur ein schlechter Ersatz für die eigentlichen Wünsche der Kinder", so Thoms. "Und der größte Wunsch - so zeigen die diversen Studien - ist immer: mehr Zeit mit den Eltern verbringen."

Wie man die Zeit mit den Kindern verbringen kann und welche Freude diese Anforderungen der Kinder tatsächlich auch den Erwachsenen machen können, zeigen die sieben Motive, die - in zurückhaltendem Schwarz-Weiß - die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder an ihre Eltern formulieren. Dabei lautet die große Überschrift und Frage: Was brauchen wir Kinder, um gut und gesund aufzuwachsen?

Die Öffentlichkeitskampagne „Elternsein – Familienleben“ wurde im Rahmen der Arbeit des „Leipziger Netzwerkes für Kinderschutz und Frühe Hilfen“ als Reaktion auf die positiven Rückmeldungen auf die Vorjahreskampagne „Elternsein“ initiiert. Den Mitgliedern des Netzwerkes, die die Kampagne gemeinsam mit der Stadtverwaltung Leipzig entwickelten, war es wichtig, die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder darzustellen und die Eltern nicht zu stigmatisieren
oder zu belehren, betont auch Sozialbürgermeister Thomas Fabian.

Es solle deutlich gemacht werden, dass jeder die Ansprüche und Aufgaben, wie beispielsweise Zeit für das gemeinsame Abendbrot, umsetzen kann. „Elternsein und Familienleben ist eine immer wieder aufs neue bereichernde aber auch herausfordernde Lebensphase“, so Thomas Fabian. „Mit diesen Plakaten möchten wir auf die Wünsche und Bedürfnisse von Kindern aufmerksam machen.“

Sabine Groner-Weber,  Thomas Fabian, Edelhard Thoms, Stephanie Hauk und Dörte Lüttke (v.l.n.r.).
Sabine Groner-Weber, Thomas Fabian, Edelhard Thoms, Stephanie Hauk und Dörte Lüttke (v.l.n.r.).
Foto: Ralf Julke
Und vielleicht helfen die Plakate auch, die Sicht mancher junger Eltern auf die "Herausforderung Kind" zu ändern. Denn natürlich sind Kinder anspruchsvoll, gehorchen nicht immer aufs Wort, sind selbst oft unglücklich bei Herausforderungen, die sie noch nicht meistern. Alles Dinge, die eskalieren können, wenn scheinbar keine Zeit dafür da ist, diese Probleme gemeinsam zu lösen.

Klar, der Vorschlag, den Fernseher auf dem Müll zu entsorgen, ist noch nicht mit dabei. Doch die Plakatmotive sind vor allem ein Plädoyer dafür, einfach mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen - und mit ihnen gemeinsam die Dinge anzupacken. Auch die schweren. Kinder fühlen sich ernst genommen, wenn man ihnen die Bewältigung neuer Aufgaben zutraut - und vielleicht einfach dabei ist, wenn doch einmal Hilfe gebraucht wird.

Und die Plakate erinnern daran, dass dieses Vertrauen auch wieder Entlastung für die Eltern schafft und neue Freiräume, die man gemeinsam mit Sinn erfüllen kann - etwa beim Vorlesen einer Geschichte.

Die Plakate zeigen: Es ist normal, bei der Kindererziehung in schwierige Situationen zu kommen. Wichtig ist es jedoch, sich mit den Wünschen und Bedürfnissen der Kinder auseinander zu setzen, aktiv zu werden und sich gegebenenfalls Hilfe zu organisieren. Eltern können miteinander zu den verschiedenen Themen ins Gespräch kommen und sich beispielsweise auf Hilfeangebote in Leipzig aufmerksam machen, da hier auf ein sehr vielfältiges Spektrum von Angeboten für Familien und Eltern zurückgegriffen werden kann.

Zwei Wochen werden die Plakate jetzt in den Fahrzeugen der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) zu sehen sein. Und Interessenten für die Plakate, wenn sie dann wieder eingesammelt werden, gibt es auch schon. Innerhalb des Netzwerkes allein schon jede Menge, wie Projektkoordinatorin Stephanie Hauk erzählt. Auch die freiberufliche Hebamme Dörte Lüttke arbeitet gern mit dem Material des Netzwerkes. "Gerade wenn ich bei jungen Eltern bin, merke ich doch, wieviel Unterstützung gebraucht wird", erzählt sie. Manchmal genügt schon der Tipp, sich selbst ein soziales Netzwerk zu schaffen, sich Rat und Hilfe aus dem Freundeskreis zu holen. Denn Elternsein hat ja nun wirklich niemand in der Schule gelernt. Das lernt man erst in der lebendigen Praxis.

Und manchmal hilft es schon, wenn man einfach das Hilfetelefon anruft, das auf den Plakaten abgedruckt ist. "Nach der ersten Plakataktion gab es ein paar Anrufe mehr", resümiert Stephanie Hauk, "aber nichts Dramatisches oder gar ein heftiger Anstieg - und die Probleme stammten auch aus der ganzen Themenbreite. Für uns ein Zeichen dafür, dass die Aktion ihren Sinn erfüllt."


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