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IHK zu Leipzig prüft Grundschulen im Kammerbezirk: Ein guter Standard mit Ausbau-Bedarf

Ralf Julke
Wie gut ist die Nachmittagsbetreuung in Leipzigs Grundschulen?
Wie gut ist die Nachmittagsbetreuung in Leipzigs Grundschulen?
Foto: Ralf Julke
Der Fachkräftemangel in der sächsischen Wirtschaft wird in den nächsten Jahren zu einem der größten Probleme in allen Unternehmen. Wirklich gute Karten haben Unternehmen nur, wenn sie gerade ihren jungen Arbeitskräften auch familienfreundliche Arbeitsbedingungen bieten können. Dazu gehören nicht nur Kita-Plätze für deren Sprösslinge, sondern auch gute Betreuungsangebote in den Grundschulen. Also hat Leipzigs IHK mal einen Grundschul-Check gemacht.

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Sie beteiligte sich damit am ersten bundesweiten Grundschul-Check der IHK-Organisation. Sie befragte alle 186 Grundschulen im Kammerbezirk Leipzig zu Betreuungszeiten und -angeboten, Flexibilität der Betreuungsmöglichkeiten, Angebot an gesicherter Ferienbetreuung sowie bestehenden Kooperationen mit Unternehmen. An der Umfrage beteiligten sich 101 Einrichtungen – 44 aus dem Landkreis Leipzig, 31 aus dem Landkreis Nordsachsen, 26 aus der Stadt Leipzig.

Bei der Sicherung der eigenen Fachkräftebasis kann ein Unternehmen künftig punkten, wenn es seinen Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht. Dies sei aber nur dann möglich, wenn die Region passgenaue Betreuungsangebote für Berufstätige mit eigenem Nachwuchs bietet, so die IHK.

„Eine gut ausgebaute Betreuungsinfrastruktur leistet einen entscheidenden Beitrag zur Fachkräftesicherung in den Unternehmen und ist ein regionaler Standortvorteil“, erklärt Dr. Thomas Hofmann, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Leipzig. „Deshalb sind die Ergebnisse des Grundschulchecks aus Sicht der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für den Kammerbezirk überaus erfreulich. Insbesondere der bundesdeutsche Vergleich bestätigt den guten Betreuungsstandard in der Region. Sowohl hinsichtlich der aktuellen Betreuungszeiten als auch der diversen Betreuungsangebote liegen die Ergebnisse für den Kammerbezirk teilweise deutlich über dem gesamtdeutschen Niveau.“

In den "Randzeiten" wachsen neue Ansprüche für Leipzigs Hortbetreuung heran.
In den "Randzeiten" wachsen neue Ansprüche für Leipzigs Hortbetreuung heran.
Foto: Ralf Julke

So bieten die Grundschulen im gesamten Kammerbezirk Nachmittagsbetreuung für die Kinder an. 9 Prozent organisieren die Betreuung selbst - 81 Prozent haben dazu Kooperationspartner. In Leipzig zum Beispiel übernehmen großenteils städtische Horte diese Aufgabe.

In allen drei Kreisen ist entsprechend auch die Nutzung dieser Angebote hoch. In Leipzig selbst nutzen 93,9 Prozent der Kinder die Nachmittagsangebote, im Landkreis Nordsachsen 92,3 Prozent und im Landkreis Leipzig 86,9 Prozent. Im Vergleich die Bundesebene: Da werden nur 38 Prozent der Kinder nach der Schule weiterbetreut. Da hier die ostdeutschen Betreuungszahlen mit in der Regel um die 90 Prozent deutlich zu Buche schlagen, ahnt man, wie groß der Nachholbedarf im Westen des Landes ist.

Man kann es auch aus Wirtschaftssicht formulieren: Das ist eigentlich ein echter Wettbewerbsvorteil, wenn es um junge Fachkräfte geht.

Dazu kommt: Die meisten Kinder werden an allen fünf Wochentagen betreut, Schulen, an denen nur drei oder vier Nachmittag abgesichert sind, sind die Ausnahme. Probleme könnten eher in der Betreuungsdauer auftreten. Gerade wenn Betriebe keine stabile Kernarbeitszeit von 8 Stunden anbieten können. Nur 19 Prozent der Leipziger Grundschulen bieten Betreuung über 17 Uhr hinaus an, 77 Prozent immerhin bis 17 Uhr, nur 4 Prozent lediglich bis 15 Uhr.

Und so lobt denn die IHK auch, dass die Region Leipzig beim quantitativen Angebot von Betreuungsplätzen im Grundschulbereich insgesamt gut aufgestellt ist.

Nur die Nachfrage nach Betreuungsangeboten werde nicht vollständig gedeckt. Denn Prozentzahlung der Gesamtbetreuung enthüllen ja nicht, wo es im konkreten Fall doch noch Lücken gibt. Sowohl in den beiden Landkreisen wie in der Stadt Leipzig gibt es noch Nachfragen im Einzelfall, die nicht erfüllt werden können. In Leipzig melden zwei der 26 Schulen das Problem. Und obwohl Leipzig schon deutlich mehr Betreuung nach 17 Uhr anbietet als die Nachbarkreise, ist auch hier die Nachfrage nach längerer Betreuung der Kinder noch nicht ganz erfüllt. Möglich ist auch, dass diese Nachfrage mit steigender Beschäftigung im Kammerbezirk weiter zunimmt, denn die jungen Eltern werden nun logischerweise auch für Branchen interessant, die bislang lieber auf Personal zurückgriffen, für das der Kummerposten "Familie" eher nicht existierte.

Und so sieht denn auch die IHK leichte Defizite in dieser Randzeitenbetreuung, aber auch bei praktischen Inhalten und bei der Flexibilität der Angebote. Im bundesdeutschen Vergleich steht die Region zwar wirklich vorbildlich da - aber anders als viele Kommunen im Westen sehen sich die sächsischen schon viel früher und heftiger dem aufkommenden Fachkräftemangel gegenüber. Sie müssen also auch früher neue Lösungen suchen - und finden. Auch in der Betreuung im Grundschulbereich.

„Intelligente Betreuungslösungen minimieren die Doppelbelastung der Mitarbeiter in den Unternehmen. Deshalb sollte der Fokus auf der Schaffung eines nachhaltigen, bedarfsgerechten Angebotes liegen“, fordert Hofmann. „Unter den richtigen Rahmenbedingungen für die Betreuung ihrer Kinder sind Fachkräfte besser in der Lage, ihre Leistungsfähigkeit in die Unternehmen der Region einzubringen. In Anbetracht der veränderten Arbeitszeiten der Berufstätigen ist eine zeitliche Ausweitung, eine stärkere Flexibilisierung sowie die Umsetzung individuell vereinbarer Betreuungszeiten der Nachmittagsbetreuung erforderlich.“

Die Ergebnisse der Studie findet man auf der Website der IHK zu Leipzig als PDF-Dokument: www.leipzig.ihk.de


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