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Auf der Straße nach Süden (1): Katja Windler oder Ihr Kinderlein kommet

Marko Hofmann
Foto: Mila Kononova
Ein Blick in die Leipziger Kinderstatistik zeigt es ganz deutlich: Vom Norden bis zum Süden werden die Kinder mehr. Vor allem im Süden ist fast an jeder Ecke Kinderlachen zu hören. Viele junge Paare und Familien mit Kindern ziehen in den Süden. Kurzum: Der Süden boomt.

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Ein Treffpunkt für Eltern und ihre kleinen Kinder ist dabei „KaWi-Kids“. Die erste Station auf der L-IZ.de-Fahrt auf der „Straße nach Süden“.

Es gibt gewiss traditionsreichere Orte, um eine Serie über den Leipziger Süden zu starten. Orte, die jedem sofort in den Kopf schnipsen, wenn das Gespräch auf den Süden kommt. Das Café Grundmann, die naTo, das Kreuz, der Hähnchengrill, der Eis-Pfeifer oder Eisen-Pauling.

KaWi-Kids an der Ecke Schenkendorf-/August-Bebel-Straße dafür vereint all das, wofür der Süden steht. Oder sagen wir: Katja Windler (KaWi) und ihr „Indoor-Spielplatz“ vereinen all das. Windler ist mit ihren 34 Jahren jung, hat zwei Kinder. Ihr Laden ist ein Treffpunkt für die vielen Kinder und Familien im Süden, er ist auch anders – wie vieles und viele im Süden -. Nicht so kommerziell wie beispielsweise Euro-Eddy in Rückmarsdorf. Hier ist es nicht steril, hier ist es gemütlich, hier kommen die Leute ins Gespräch und schwatzen, während die Kleinen die Gegend erobern.

Mittendrin ist Katja Windler. Eine gebürtige Schönefelderin, die später in Grünau aufgewachsen ist. Im Herbst 2009 hat sie KaWi-Kids eröffnet. Dass sie mal ein Erlebnisparadies für Kinder eröffnen würde, war nicht vorauszuahnen. „Ich war Schülerin auf der Volleyball-Sportschule, war zwischenzeitlich sogar in der Jugend-Nationalmannschaft und habe später nebenbei meine Lehre angefangen.“ Windler will Restaurantfachfrau werden. „Das war meine Berufung. Mein Schulpraktikum habe ich damals im ‚Stadt Leipzig’ gemacht.“

Doch wie im Leistungssportsystem der DDR üblich, dominiert der Sport den Alltag. Die Wende ändert vieles, auch das Leben von Katja Windler. „Nach der Wende war die Lehre dann meine Hauptbeschäftigung. Durch die Arbeitszeiten hatte ich am Wochenende kaum Zeit für die Spiele und konnte das Leistungsniveau nicht halten.“ Nach der Lehre im „Intercontinental“ zieht es Windler in ein Fünfsterne-Hotel in Graubünden. „Das war eine tolle Atmosphäre dort. Im Gegensatz zu den Gästen in Leipzig haben die Leute nicht heraushängen lassen, dass sie reich sind.“ Ein schönes Leben, der Kontakt nach Leipzig reißt aber nie ab. „An freien Wochenenden habe ich mit Bleifuß gesehen, dass ich schnell nach Hause komme.“

Ihr erstes Kind verändert die Berufsplanung abermals. Eine Rückkehr in die Gastronomie ist aufgrund der Arbeitszeiten nicht möglich. Die erledigt sich nach dem zweiten Kind erst recht. Durch Zufall kommt sie auf die Idee, auch beruflich etwas mit Kindern zu machen. Freunde von ihr eröffnen das „Flitzpiepen-Kindersport“ in der Hohen Straße und fragen Windler, ob sie nicht die Kinderanimation und das Kinderschminken bei der Eröffnungsfeier übernehmen will. Dass die Flitzpiepen in ihrem Programm nur Kindersport ab 2 anbieten, ist ihre große Chance. „Mein Kind war damals anderthalb und war immer traurig, dass es nicht mitmachen darf. Nadine und Andre von den Flitzpiepen sagten mir, dass ich doch selbst was für Kinder bis zwei machen kann, wenn ich Bock habe.“

Natürlich hat sie Bock, der Kurs wird ein voller Erfolg. Binnen drei Wochen muss sie drei Kursgruppen leiten, bietet zudem noch einen offenen Treff zum Spielen an. Dass sie dabei nicht das große Geld verdient, macht ihr nichts aus. „Für mich ist Zeit ein Luxusgut. Von Kindern bekommt man zudem enorm viel zurück.“ Einmal kommt sogar eine Familie eher aus ihrem Urlaub zurück, weil ein Kind „unbedingt zur Katja wollte“, erzählt Katja selbst.

Doch als die Kinder nach und nach einen Krippenplatz bekommen und nur noch nachmittags können, muss Windler erneut umplanen. „Nachmittags war bei den Flitzpiepen kein Platz für einen offenen Treff, wie ich ihn dann angeboten habe. Ich musste mir etwas anderes suchen.“ Woanders einmieten kommt für sie nicht infrage. „Ich habe hohe Standards bei der Sauberkeit und wollte auch nicht immer alles auf- und abbauen müssen.“ Eine Mutter gibt ihr den Tipp mit dem freien Geschäft an der Schenkendorfstraße.

KaWi kann auch Hase.
KaWi kann auch Hase.
Foto: Mila Kononova

„Das Schlimme während der Suche war, dass es zwar genügend leerstehende Räumlichkeiten gab, aber sobald die Vermieter gehört haben, dass ich was mit Kindern machen will, winkten sie ab.“ Hier hat die damals 32-Jährige Glück, und auch mit „ihren“ Eltern. Ein Vater hilft beim Malern, ein anderer beim Einziehen von Zwischenwänden, ein dritter bringt Holz für Turnbänke vorbei, welche andere Väter wiederum zusammenbauen. „Ohne diese Unterstützung hätte ich das nie geschafft“, sagt Windler, die hier seitdem täglich zwischen 9 und 12 und 15 und 18 Uhr einen offenen Treff für Kinder bis 2 Jahre anbietet. Die Kinder können sich beschäftigen wann und wie sie vollen, jeder kann kommen und gehen, wie es ihm beliebt. Die Namensgebung fiel nicht schwer. KaWi ist ihr Kürzel seit ihrem Nebenjob im Volkshaus, damals gab es drei Katjas im Dienstplan.

Das Erlebnisparadies ist in mehrere kleinere Abschnitte verteilt. Hier eine Rutsche, da ein Bällebad, dort ein Kletterhäuschen. Windler ist für viele Sachen quer durch die Republik gefahren. „Einen Teil habe ich von eBay oder aber auch von einer Physiotherapie, die schließen musste.“ An der Rutsche gibt es das meiste Gedränge, doch das Erlebnisparadies ist ist groß genug, dass jeder etwas findet. Essen und Getränke dürfen die Eltern selbst mitbringen. „Das war mir ganz wichtig, um es auch etwas familiärer zu machen.“ Kaffee und Tee werden aber auch für Durstige vorgehalten. Bezahlt wird in die Kasse des Vertrauens.

Einmal am Vormittag und einmal am Nachmittag lädt Windler zu Musik-, Vers- und Fingerspielen ein. Dort geht KaWi enthusiastisch auf Löwenjagd mit den Kindern oder singt einfach nur Lieder zum Mitmachen mit Händen und Füßen. Ein Fest der Freude für die Kids „Ich habe eine zeitlang nur Kinderlieder rauf und runter gehört, um mich vorzubereiten. Eltern, die mich zum ersten Mal dabei sehen, gucken mich mit genauso großen Augen wie die Kinder an.“

Seit ihrer Anfangszeit bei den Flitzpiepen hat Windler unzählige Weiterbildungen mitgenommen. Englisch ab 3 und musikalische Früherziehung, was unter anderem zusätzlich angeboten wird, unterrichtet sie jedoch nicht selbst. Dafür kommen externe, qualifizierte Kursleiter.

Jeden Tag nach „Spielende“ räumt KaWi dann mit ihren Mitarbeiterinnen alles wieder an Ort und Stelle. „Wir hoffen dann immer, dass mein Freund vorbeikommt, denn der saugt alles durch.“ Und tatsächlich kommt dieser fast immer rum. „Ohne ihn hätte ich das nicht geschafft. Er hat mich bestärkt und unterstützt mich, kümmert sich um die Kinder und den Haushalt“, so die zweifache Mutter, die bei ihren mittlerweile 7 und 10 Jahre alten Kindern auch immer mal Probleme hat, sie abends vom Spielzeug wegzubekommen.

Über mangelnden Zulauf kann sich Katja Windler in der ohnehin mit Kindern reichlich versorgten Südvorstadt nicht beschweren. „Schon als wir gemalert haben, fuhr hier ein Kinderwagen nach dem anderen lang.“ Dass der Süden bei jungen Familien so beliebt ist, hat für sie mehrere Gründe. „Die Anbindung an die Stadt ist ideal, es gibt den Park in der Nähe und viele tolle Läden.“ Nur die Mietentwicklung macht ihr Sorgen, würde sie nicht noch Untermieter haben oder ihr Animationsprogramm auf Hochzeiten anbieten, wäre es auch für sie schwer, die monatliche Miete aufzubringen. Dabei hat sie schon Glück, dass direkt vor ihrem Geschäft die „89“ Leute bis zum und vom Hauptbahnhof bringt. So kommen auch Eltern aus Gohlis oder Markkleeberg. Jeder redet dabei mit jedem, soziale Schranken gibt es nicht.

„Wer in Ruhe gelassen werden will, hat zudem die Couchecke, wo er allein sein kann.“ KaWi-Kids ist so längst zu einer echten Konkurrenz für Euro-Eddy in Rückmarsdorf geworden – mit viel Eigen-Engagement, mit viel Hilfe und mit viel Enthusiasmus.

Mit ihren Kindern war Windler übrigens nie in einer Krabbelgruppe. „Ich hatte immer diese Vorstellung, dass sich die Mütter die gesamte Zeit über gesunde Ernährung unterhalten“, verrät sie.


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