Leipzigs Kita-Prognose: In zehn Jahren haben wir es wohl geschafft
Ralf Julke
10.11.2011
Sozialbürgermeister Thomas Fabian.
Foto: Ralf Julke
Leipzig sitzt in der Klemme. Eigentlich ist's eine schöne Klemme: Seit 2011 steigen die Geburtenzahlen. Und hören auch nicht auf zu steigen. Vielleicht 2017 oder 2018. Aber das ist Theorie. Für junge Eltern ist's ärgerlich, denn seit fünf, sechs Jahren reichen die Kinderbetreuungsplätze nicht mehr aus. Obwohl die Stadt seitdem ständig neue Einrichtungen baut. Mindestens bis 2018 steigt der Bedarf weiter, sagt die Prognose.
Anzeige
Am Mittwoch, 9. November, legte Sozialbürgermeister Thomas Fabian das neue langfristige Entwicklungskonzept für die Kindertagesstätten in Leipzig vor. Das erste gab's vor fünf Jahren. Da versuchte die Stadt zum ersten Mal auszurechnen, wieviel neue Kindertagesstätten gebraucht würden. 2006 - da gab's erstmals wieder über 4.300 Geburten in der Stadt. Ein Rekord nach Jahren der Trübsal.
2011 wird die Zahl irgendwo bei 5.500 Geburten landen. "Auch im dritten Quartal 2011 haben wir wieder mehr Geburten als im Vorjahr", sagt Thomas Fabian. Im Vorjahr standen am Ende 5.414 Neugeborene. So viel wie seit 1990 nicht mehr. Leipzig wächst, wird wieder jünger, ist gerade für junge Leute attraktiv. Und kann's eigentlich nicht bezahlen. Der Freistaat hat seine Zuschüsse für die Kinderbetreuung auch schon vor sechs Jahren eingefroren. Zuschüsse zum Kita-Neubau sind rar.
Und trotzdem baut die Stadt - oder lässt bauen. Über 3.000 neue Plätze in Kindertagesstätten sind in den letzten fünf Jahren entstanden. Viel zu wenig. "Wir würden liebend gern mehr bauen", sagt Fabian. "Wir wissen, dass das nicht reicht."
Die Zahlen aus der Hochrechnung von 2006 stimmen schon lange nicht mehr. Mit dem nun fortgeschriebenen Entwicklungskonzept, das bis 2025 reicht, hat die Stadt ausgerechnet, was in den nächsten Jahren an Kapazitäten fehlen wird und gebaut werden muss: Es sind rund 3.900 Betreuungsplätze allein bis 2015.
Grundlage für die Rechnung: Die voraussichtliche Zahl der unter Sechsjährigen, die so einen Platz wohl in Anspruch nehmen werden. Für 2011 liegt die Zahl bei 20.986, 2015 möglicherweise bei 23.549. Die Einschränkung: Wie sicher sind die Prognosen? Auch die Zahl von 5.400 Geburten 2010 war so nicht erwartet worden. Immerhin sind jetzt die ersten geburtenschwachen Jahrgänge der Nach"wende"zeit im gebärfähigen Alter angekommen - die Geburtenzahlen müssten also einbrechen. Tun sie aber nicht. Auch deshalb nicht, weil Frauen ihr erstes Kind immer später bekommen, mittlerweile durchschnittlich mit 29 Jahren. Und: Sie bekommen wieder mehr Kinder.
Bleiben die Geburtenzahlen in den nächsten Jahren so hoch, werden noch mehr Betreuungsplätze fehlen.
Kindertagesstätten bleiben drängendes Thema: Thomas Fabian.
Foto: Ralf Julke
Ein Grundproblem bei den errechneten Bedarfen: Sie entstehen nicht überall im Stadtgebiet. Es gibt auch Stadtteile - wie Grünau, Paunsdorf, Mockau, - da gibt es schon heute viel mehr Kita-Plätze als Kinder. Was nur die betroffenen Eltern merken. Denn diese Einrichtungen fangen natürlich den Mehrbedarf auf, der in Schleußig, der Südvorstadt, Gohlis und Lindenau entsteht. Da gibt es Gebiete, da kann nicht einmal die Hälfte der Nachfrage bedient werden.
Hier müssen die neuen Betreuungseinrichtungen entstehen. Es sind die zentrums- und auewaldnahen Gebiete - aber auch die Fördergebiete im Leipziger Westen und im Leipziger Osten. Im Inneren Osten fehlen 1.200 Plätze, im Inneren Westen ebenfalls, im Süden sogar 1.600. Weil eigentlich in Grünau und Paunsdorf Überkapazitäten bestehen, die zurückgebaut werden könnten, ergibt sich ein differenziertes Bild. "Wir hatten das auch schon im ersten Entwicklungskonzept so stehen", sagt Dr. Heike Förster, die zuständige Planerin im Amt für Jugend, Familie und Bildung. "Aber wir werden uns hüten, diese Kapazitäten zurückzubauen. Sie werden dringend gebraucht."
Denn absehbar ist, dass die Stadt - oder die beauftragten Freien Träger - in den Brennpunktstadtteilen gar nicht schnell genug bauen können, um den Bedarf dort abzufedern. Gerade weil auch die Stadt eigentlich die "wohnortnahe Kindertagesstätte" will. "In diesen Stadtgebieten mangelt es oft auch an den zur Verfügung stehenden Baugrundstücken", so Heike Förster.
Ein Blick auf die Zahlen: Erst in zehn Jahren sieht Bürgermeister Thomas Fabian Entspannung in der Leipziger Kita-Situation.
Foto: Ralf Julke
Allein bis 2015 braucht Leipzig - je nach Kapazität - 25 bis 30 neue Kindertagesstätten.
Zum Vergleich: Seit 2006 wurden 21 neu gebaut, elf alte Einrichtungen wurden durch Neubauten ersetzt – macht 32 Projekte. Zwei Einrichtungen, so Thomas Fabian, kommen 2011 wohl noch hinzu.
Welche Investitionen das mit sich bringt, steht auch in der zugehörigen Vorlage für den OBM: 54 Millionen Euro allein 2012 bis 2015. Jedes Jahr über 13 Millionen Euro.
Und das wird die Lage bis 2015 keineswegs entspannen, weiß auch Fabian. 2017, 2018 könnte eine Entspannung eintreten - wenn die Geburtenzahlen ab 2012 tatsächlich nicht weiter steigen und sich irgendwann die geburtenschwächeren Elternjahrgänge in der Statistik bemerkbar machen.
Dafür wird die Welle dann weiterrauschen - in die Grundschulen hinein. Auch das ist ein Betreuungsthema, denn dann steigt auch die Zahl der benötigten Hortplätze rapide - von aktuell 14.000 auf 17.300 im Jahr 2018. Hier soll der geplante Neubau von Grundschulen ein wenig helfen. "Aber um die Doppelnutzung von Schulräumen für Schule und Hort werden wir nicht umhin kommen", so Fabian.
"In zehn Jahren ungefähr", schätzt er ein, könnte sich die Lage bei den Leipziger Betreuungsplätzen entspannen. Nicht viel früher. Dann haben sich die Kinderzahlen stabilisiert und die Stadt hat den Rückstand beim Bau der benötigten Einrichtungen wahrscheinlich aufgeholt.
"Ich weiß, dass das kein Trost für die Eltern ist, die jetzt einen Betreuungsplatz für ihre Kinder suchen", sagt der Bürgermeister. Und merkt recht kritisch die Weigerung des Freistaates an, die Kita-Pauschale zu erhöhen. Die Differenz zahlt in der Regel die Stadt, einiges wird über steigende Elternbeiträge aufgefangen. Aber das Geld fehlt logischerweise für den Neubau dringend benötigter Einrichtungen.
„Wenn jeder hier im Raum begreift, dass Energiesparen nötig ist und beim eigenen Griff zum Lichtschalter beginnt, dann ist es egal, ob es ab heute einen neuen Umweltminister gibt“, machte Schulleiter Thomas Graupner am Dienstag, 22. Mai, im Berufsschulzentrum 7 deutlich, worum es bei der neuen Bildungsinitiative Energie geht. mehr…
Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Leipziger Stadtrat Reik Hesselbarth hat den Beschlussvorschlag von Kulturbürgermeister Faber zur Umsetzung des Finanzierungsanteils für die Freie Szene scharf kritisiert. Denn statt einen Vorschlag zu machen, wie der Stadtratsbeschluss von 2008 bis 2013 erfüllt werden kann, hat Kulturbürgermeister Michael Faber am 16. Mai eine Verschiebung des Termins vorgeschlagen. mehr…
Eigentlich könnten sich die Freunde des Leutzscher Fußballs gedanklich schon in die Sommerpause verabschieden. BSG Chemie Leipzig und SG Leipzig Leutzsch haben beide die Klasse gehalten. Sportlich betrachtet geht es für beide Teams in den letzten Saisonspielen nur noch um die goldene Ananas. Wäre da nicht das grün-weiße Derby am 9. Juni. Die Chemie-Fans nutzen die Gunst der Stunde für eine klare Ansage. mehr…
Die Frage nach den personellen Konsequenzen in der Affäre um die Herrenlosen Häuser entzweit Leipzigs Parteien. Die linke OBM-Kandidatin Dr. Barbara Höll fordert eine Beurlaubung von Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller (SPD). Für Leipzigs FDP ist Oberbürgermeister Burkhard Jung der Verantwortliche, Hölls Forderung nur „eine erste wahltaktische Brücke“. mehr…
Am 27. Mai, um 19 Uhr, lädt der Freundeskreis „Gohliser Schlösschen“ e.V. herzlich zu einer „Pfingstlesung“ in den Festsaal des Hauses ein: „Erleben Sie mit uns die abenteuerlichen Geschicke des Reineke Fuchs, und wie es ihm, mehrfach angeklagt und verurteilt, immer wieder gelingt, mit verblüffender Intelligenz, mit Witz und Verschlagenheit, mit Lug und Trug, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, um schließlich sogar 'Kanzler des Reichs' zu werden.“ mehr…
Die Drogenpolitik und der Umgang mit Suchtkranken in Leipzig ist und bleibt offenbar ein heißes Eisen, das von dem einen oder anderen Protagonisten mit mehr oder weniger Eifer am Glühen gehalten wird. So schlug ein Interview von Michael Burgkhardt in der LVZ hohe Wellen. Der Chef der Bürgerfraktion im Stadtrat, gleichzeitig Suchtmediziner, ging mit der Stadt und dem Umgang mit der Drogenszene Leipzigs hart ins Gericht. mehr…
Am Dienstag, 22. Mai, wurden im Festsaal des Neuen Rathauses die Leipziger Agenda-Preise 2012 verliehen. In fünf Kategorien wurden Preisgelder in einem Gesamtumfang von 14.000 Euro sowie Sachpreise im Wert von rund 10.000 Euro vergeben. mehr…
Die Lebenshilfe Leipzig organisiert vom 8. bis 10. Juni zum zweiten Mal ein Geschwisterseminar mit der renommierten Sozialwissenschaftlerin Marlies Winkelheide (Bremen/Geschwisterkinder.de) und ihrem Team. Dieses wendet sich an die Eltern und Geschwisterkinder in Familien mit behinderten Kindern und findet in der Jugendherberge in Dahlen bei Leipzig statt. mehr…
Den 29. Mai kann, wer Lust hat, sich über diese seltsame Stadt am sächsischen Westrand ein paar Gedanken zu machen, vormerken im Kalender. Es ist ein Dienstag. Und die Stadt lädt ein in die Kongresshalle, konkret in den Händelsaal. Ab 19 Uhr darf man rein und schon mal die Fühler ausstrecken, 19.30 Uhr beginnt die Auftaktveranstaltung für ein Leipziger Zukunftsprojekt. Motto: Leipzig weiter denken. mehr…
Am 24. Mai um 15 Uhr lädt der Garten Annalinde mit Kaffee und Kuchen herzlich zur Eröffnung seiner Gartensaison ein. Seit Juni 2011 gibt es den mobilen Nutzgarten auf der Freifläche hinter der Bibliothek Plagwitz. Neben Kohl und Kartoffeln in Säcken werden dort Radieschen, Salat und Tomaten zusammen mit einer Vielzahl weiterer, teils alter Kultursorten in mobilen Hochbeeten angebaut. mehr…
Das nächste Monatlich Gespräch über Wissenschaft findet am Mittwoch, 23. Mai, um 19:30 Uhr im Haus des Buches (Gerichtsweg 23) statt. Moderiert wird es von Bettina Kremberg und Ulrich Johannes Schneider. Im Mittelpunkt steht Martin Seel, der über "111 Tugenden. 111 Laster" spricht. mehr…
Die Königin der Instrumente, die Orgel, ist zu Pfingsten in der Kirche Zuckelhausen, Zuckelhausener Ring, zu entdecken und zu hören. Am Sonnabend, dem 26. Mai 2012, erläutert Orgelbauer Stefan Pilz bei einer Orgelführung um 10 Uhr die Funktionsweise der Johann-Gottlob-Mende-Orgel (1822). mehr…
Mitteldeutschland befindet sich mitten in der Luther-Dekade. 2012 ist das Jahr der Musik. 2017 jährt sich Luthers Thesenanschlag zum 500. Mal. Und die Evangelische Verlagsanstalt hat ein Heft-Projekt gestartet, das im Mai 2011 mit Nürnberg startete und den Verlag auf Jahre beschäftigen wird: Orte der Reformation. Das wichtigste Heft liegt jetzt mit "Wittenberg" vor. mehr…
In Verfassungsschutzberichten landen nicht nur die wirklich staatsgefährdenden Organisationen. Oft beobachten die Schlapphüte auch Parteien und Vereine, von denen sie die Gefährdung nur vermuten. Manchmal über Jahrzehnte ohne Ergebnis. Da ist es schon erstaunlich, dass die Bundesregierung allein diese Beobachtungen zum Vorwand nehmen will, Vereinen ihre Gemeinnützigkeit abzuerkennen. mehr…
Am 2. Juni beginnt in Leipzig die Automesse AMI. Der Zweijahresturnus, den die Automobilbranche ausgehandelt hat für den Leipziger Branchentreff, zeigt Früchte: Die Aussteller zerreißen sich nicht mehr zwischen den Messen. Die Ausstellerzahl in Leipzig steigt. Das Messetrio aus AMI, AMICOM und AMITEC verzeichnet ein zweistelliges Flächenwachstum von über 10 Prozent. mehr…