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Buchkindergarten in der Josephstraße: Richtfest mit Zeitkapsel und Spendenbüchse

Gernot Borriss
Baustelle für den Buchkindergarten.
Baustelle für den Buchkindergarten.
Foto: Gernot Borriss
Über Deutschlands erstem Buchkindergarten schwebt nun der Richtkranz. Im Februar 2013 soll die besondere Bildungseinrichtung für 119 Kinder eröffnen. In die obligatorische Zeitkapsel kamen keine Euro-Münzen. Die Gemeinschaftswährung sei gerade nicht so sicher, sagte Projektleiter Sven Riemer, auch brauche man jeden Cent für die eigene Arbeit.

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Wo Schatten ist, ist auch irgendwo Licht. Das gilt in diesen Tagen nicht nur wettertechnisch. Bevor am Donnerstagnachmittag auf dem Burgplatz Eltern für mehr Betreuungsplätze in Leipzig protestierten, gab es aus Lindenau eine positive Nachricht.

Der künftige Buchkindergarten an der Josephstraße 9 bis 11 feierte Richtfest. Im Februar 2013 soll dann nach den Worten von Projektleiter Sven Riemer die Eröffnung folgen. Auf insgesamt 2.635 Quadratmetern werden dann 119 Kinder einen der in der Messestadt so heiß begehrten Kita-Plätze erhalten.

Der Kindergarten sei nicht auf den Weg gebracht worden, „um den Fehlbedarf zu decken“, so Riemer unter dem Richtkranz weiter. Den Leuten vom Buchkinderverein gehe es zuerst um die Umsetzung ihres Konzeptes.

Richtfest für den Buchkindergarten.
Richtfest für den Buchkindergarten.
Foto: Gernot Borriss

Das überregional viel beachtete Konzept von Buchkinder e.V. besteht darin, dass Kinder ihre eigenen Geschichten in Wort und illustriertem Bild in Eigenarbeit zwischen zwei Buchdeckel bringen. „Um der Mitteilung ihrer eigenen Bilder wegen, nicht um der Rechtschreibung wegen“, wie Riemer betonte. Also kommen hier erst die Kreativität der Kleinen und die Pflege der immer noch zentralen Kulturtechnik Buchherstellung - und dann die inzwischen mehrfach reformierten Regeln des Konrad Duden. Deshalb nennt Riemer die Buchwerkstatt das „eigentliche Herzstück des Kindergartens“.

Irgendwie war das Richtfest auch ein Stück weit eine nachgeholte Grundsteinlegung. Jedenfalls kam am Donnerstag auch eine obligatorische Zeitkapsel in den Bau. Mit den Bauplänen, einer gedruckten Zeitung vom Tage und einem Buchkinder-Buch von Maurice, das von einer Zeitreise in einer Flaschenpost erzählt.

Buntes Publikum zum Richtfest in der Josephstraße.
Buntes Publikum zum Richtfest in der Josephstraße.
Foto: Gernot Borriss
Üblicherweise werden einer solchen Zeitkapsel auch aktuelle Münzen beigegeben. Wie jeder Archäologe weiß, sind diese zum einen unverwüstlich und zur zeitlichen Einordnung von Grabungsfunden optimal. Der Buchkinder-Verein verzichtete aber auf Beigabe der gerade handelsüblichen Euro und Cent und setzte stattdessen vereinsinternes Kindergeld ein.

„Der Euro ist eh nicht mehr so sicher“, begründete Sven Riemer diesen Schritt, zum anderen wolle man das Geld lieber für die noch ausstehenden Baumaßnahmen einsetzen.

Da kommt dann wieder Schatten zum Licht. Denn: „die Lage des Vereins ist prekär“, wie Riemer betont, spätestens seit dem durch jüngste Arbeitsmarktreformen 80 Prozent der Stellen des Vereins weggefallen sind. So ging es an dem feierlichen Tag nicht nur um das Einmauern der Zeitkapsel, sondern auch um das Füllen der Spendenbüchse. Und um den Verkauf des beliebten Buchkinder-Kalenders.

Die Zeitkapsel wird versenkt: Sven Riemer und Polier Fred Kümmel.
Die Zeitkapsel wird versenkt: Sven Riemer und Polier Fred Kümmel.
Foto: Gernot Borriss
Insgesamt 1,76 Millionen Euro werden in dem Kindergarten verbaut. Und weil die Kita Bestandteil der örtlichen Jugendhilfe-Bedarfsplanung ist, kommt etwa ein Drittel der Bausumme aus Fördertöpfen von Bund und Land. Gemeinsame Träger der Kita sind der Verein Buchkinder e. V. und das Leipziger Jugendamt.

Wo nun der Buchkindergarten absehbar vor der baulichen Vollendung steht, stand man beim Euro-Start vor zehn Jahren städtebaulich vor dem Nichts. Die Gegend um die Josephstraße sei ein „berüchtigtes Beispiel für die schwarzen Löcher in der Stadtentwicklung“ gewesen, rief Karsten Gerkens, Amtsleiter des örtlichen Stadterneuerungsamtes ASW in Erinnerung. Heute hingegen stelle das Karree einen „Entwicklungsbereich erster Klasse“ dar, so Gerkens weiter.

Die Rettung seien damals junge Leute gewesen, die hier ihre eigenen Ideen von Stadtentwicklung umgesetzt haben. Auch wenn auf ihn Ideen wie Strohballenhäuser und Nachbarschaftsgärten anfänglich „suspekt“ gewirkt hätten, sie hätten die Entwicklung des heutigen Bildhauer-Viertels angeschoben, unterstrich der Amtsleiter.

In so einen Entwicklungsbereich erster Klasse gehören natürlich ausreichend Kita-Plätze. „Mit dem bundesweit ersten Buchkindergarten haben wir nun die Möglichkeit, unsere langjährigen Erfahrungen im Bereich der frühkindlichen Bildung mit einem eigenen pädagogischen Konzept umzusetzen“, fügte Birgit Schulze Wehninck, Geschäftführerin des Buchkindervereins hinzu. „Indem wir Verantwortung übernehmen, können wir der Gesellschaft, die unseren Verein fördert, etwas zurückgeben“, so die Geschäftsführerin.

www.buchkindergarten.de

www.buchkinder.de


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