Mehr Kita fürs Geld: Grüne fordern mehr Transparenz bei Kita-Bauten
Ralf Julke
27.12.2012
Grundsteinlegung für eine Kindertagesstätte in Neu-Lindenau.
Foto: Ralf Julke
2013 wird es sich entscheiden, ob Leipzig in Sachen Kinderbetreuung die Kurve kriegt. Ab 1. August gilt der Kita-Platz-Anspruch auch für die Unter-Dreijährigen. Fast 2.500 zusätzliche Betreuungsplätze will die Stadt schaffen, damit's im August reicht. Doch in den vergangenen Jahren wurde ein halbes Dutzend geplanter Kindertagesstätten gar nicht gebaut. Oft verzögerte sich das Projekt aufgrund der Baukosten. Geht es nicht preiswerter, fragen deshalb nicht nur die Grünen.
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Die kurz vor Weihnachten von der Stadt veröffentlichte Broschüre "Kindertagesstätten in Leipzig: Neubauten, Ersatzbauten, Sanierungen" hat sie dabei nicht ratloser gemacht. Im Gegenteil: Sie zeige geradezu, nach welchen unterschiedlichen Standards und mit welcher Kostenspreizung in Leipzig neue Kindertagesstätten gebaut werden.
In der Broschüre werden die Gesamterstellungskosten, Fördermittel- und Eigenanteile und die entstandenen Platzzahlen aufgeführt. Die Vergleichbarkeit nach Kostengruppen ist damit allerdings nicht gegeben. Bauwerk, Technik, Möbel und Einrichtung (Kostengruppen 300, 400 und 500) sowie Bruttorauminhalt und Bruttogeschossflächen sind nicht dargestellt.
Grundsteinlegung für eine Kindertagesstätte in Neu-Lindenau.
Foto: Ralf Julke
"Wenn man nun mühselig (und wie begründet sicher fehlerbehaftet) die Kosten pro Platz ausrechnet, kommen Investitionskosten pro Platz bei den Neubauten und Umbauten vom 8.300 bis 21.000 Euro zum Vorschein - eine bemerkenswerte Spanne! Über die Betriebskosten werden diese Investitionskosten für die Stadt mitbezahlt. Im Durchschnitt der publizierten Bauten werden 14.800 Euro erreicht", beschreibt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Katharina Krefft die Defizite.
Die Grünen haben deshalb einen Änderungs-Antrag zur Kita-Bedarfsplanung ins Verfahren gegeben, in dem sie die Stadtverwaltung auffordern, die Kosten für neue Kita-Bauten deutlich transparenter darzustellen und mehr Vergleichbarkeit zu schaffen. Nicht nur zur neu gebauten Kita in Seebenisch, sondern sogar in den Bereich Skandinavien, wo sie in Norwegen auf attraktive Beispiele von Fertigteil-Kindertagesstätten und -Grundschulen gestoßen sind.
"Mit unserem Ergänzungsantrag zur Bedarfsplanung wollen wir mehr Licht ins Dunkel bringen und erreichen, dass die Stadt klare Kostenvorgaben macht! Der Freistaat refinanziert uns lediglich 11.800 Euro pro Platz! Wir brauchen mehr Kitaplätze: Darum müssen wir gleichzeitig zusehen, dass die Einrichtung und Betreibung finanzierbar bleibt. Wenn wir für dasselbe Geld mehr Plätze bekommen können, ist die teure Bauweise mancher Kitas auch ein Grund, dass so lange nicht investiert wurde, mithin heute Plätze fehlen", stellt Katharina Krefft im Umkehrschluss fest.
Malte Reupert, der für die Grünen Mitglied im Finanzausschuss ist, erlebt nach eigener Aussage viel Kopfschütteln im Leipziger Umland: "Wir stellen fest: Im Umland gibt es Beispiele für deutlich günstigere Kitabauten. Wir wissen aber auch, dass ein Flachbau wie die Kita Seebenisch nicht 1:1 vergleichbar ist mit Bauten im verdichteten Stadtzentrum mit seinen kleinen Grundstücken, die zu Mehrgeschossern zwingen. So fragen wir: Wie sind die Kostendifferenzen zu erklären und welche Standards wären verzichtbar?"
"Nach jahrelangen internen Diskussionen mit dem Hochbauamt wollen wir endlich zu wirklich klugen Bauten kommen", fasst Katharina Krefft die Wünsche der Grünen-Fraktion zusammen.
Modul-Kitas aus Norwegen (zwar nur auf Norwegisch, aber ein paar Bilder vermitteln einen Eindruck von den modular gebauten Kitas "Barnehager" und den Schulen "Skoler"): www.konsmohus.no/?p=content&id=12&mid=7
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